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Verbesserung der Infrastruktur in Corona-Krise

Vorfahrt für Radler und E-Biker

Gronau

Die kurzfristige Umsetzung von zwei Maßnahmen für Radfahrer hat jetzt die Deutsche Umwelthilfe beantragt. Gefordert wird, dass die Stadt Fahrzeugflächen zu Fahrradspuren umwidmet. Wichtig sei dabei, dass diese Fahrrad-Straßen eine ausreichende Breite aufweisen und von verbleibenden Kfz-Fahrbahnen zumindest provisorisch durch Verkehrsbaken getrennt sein sollten.

pd/kw

Mehr Verkehrsraum für Radfahrer und E-Biker – das fordert die Deutsche Umwelthilfe in einem Brief an die Stadt. Die sieht indes keine Veranlassungen für kurzfristige Maßnahmen. Foto: Klaus Wiedau

Vor dem Hintergrund der Corona-Krise hat sich die Deutsche Umwelthilfe jetzt an die Stadt Gronau gewandt und die kurzfristige Umsetzung von zwei Maßnahmen für Radfahrer beantragt. Gefordert wird, dass die Stadt Fahrzeugflächen zu Fahrradspuren umwidmet. Wichtig sei dabei, dass diese Fahrrad-Straßen eine ausreichende Breite aufweisen und von verbleibenden Kfz-Fahrbahnen zumindest provisorisch durch Verkehrsbaken getrennt sein sollten. Als zweite Maßnahme wird gefordert, innerorts in der gesamten Stadt die Höchstgeschwindigkeit auf 30 km/h zu begrenzen.

Bis zum 23. April, so der Bundesgeschäftsführer der Deutschen Umwelthilfe, Jürgen Resch, soll die Umsetzung erfolgen. Begründet wird der Antrag unter anderem mit den besonderen Erfordernissen in der aktuellen Krise: Viele Menschen können oder wollen derzeit für notwendige Fahrten zu ihrem Arbeitsplatz insbesondere in systemrelevanten Berufen weder mit öffentlichen Verkehrsmitteln fahren, da die Angebote ausgedünnt sind oder sie aus einer individuellen Gefährdungslage den ÖPNV meiden. Für viele sei auch die Nutzung des Autos keine Alternative.

Bogota und Berlin als Beispiele

Als Ausweg sieht die Deutsche Umwelthilfe die Nutzung von Fahrrad oder Pedelec. Da aber die Radwege in Gronau nicht durchgehend gut seien, ist dies nach Meinung der Umwelthilfe nur unter erhöhten Risiken für die Gesundheit der Zweiradfahrer möglich. Die beiden geforderten Maßnahmen seien daher geeignete Mittel, einerseits für eine sichere Fahrradinfrastruktur zu sorgen und andererseits durch das Tempolimit Unfälle zu vermeiden.

Im Übrigen sollte auch in Gronau die Luftbelastung in Zeiten der Corona-Krise so weit wie möglich verringert werden – weil Vorerkrankungen der Atemwege das Risiko eines schweren Krankheitsverlaufes bei einer Corona-Infektion erhöhen.

Verwiesen wird zudem auf die große Zahl schwer verletzter Radfahrer, wie aktuellen Statistiken zu entnehmen sei. Da gegenwärtig deutlich weniger motorisierte Verkehrsteilnehmer auf den Straßen unterwegs seien, eröffne sich die Chance, diese Räume neu zu ordnen und sie für Radfahrer und Fußgänger zu öffnen. Beispielhaft werden die Städte Bogota und Berlin genannt, wo innerhalb weniger Tage Fahrspuren für Autos in Radwege umgewandelt worden seien. Dieses Verfahren lasse sich schnell und unkompliziert auch in anderen Kommunen umzusetzen, so Jürgen Resch in seinem Brief weiter.

Stadt will Radverkehr kontinuierlich fördern

Die Verwaltung hat das Thema nach interner Prüfung auf die Tagesordnung des Hauptausschusses am morgigen Mittwoch gesetzt, schlägt indes vor, die inhaltliche Beratung in den Verkehrsausschuss zu verweisen.

Gronau, so heißt es im Beratungspapier für den Hauptausschuss, habe in den vergangenen Jahren die Ziele zur Bekämpfung der Luftverschmutzung unterstützt und werde das auch weiterhin tun. Bereits heute liegt nach Angaben der Stadt der Radverkehrsanteil bei über 30 Prozent – und damit deutlich über dem Bundesdurchschnitt. „Daraus lässt sich ableiten, dass bereis eine gute Infrastruktur für den Radverkehr in Gronau vorliegt“, so die Verwaltung. So gebe es bereits einzelne Fahrradstraßen. „Der Großteil des Gronauer Straßennetzes setzt sich aus Tempo-30-Zonen zusammen und an den wenigen Vorrangstraßen, für die eine Höchstgeschwindigkeit von 50 km/h gilt, liegen Führungsformen für den Radverkehr in form von Radwegen oder Schutzstreifen vor“, so die Verwaltung.

Dennoch sei die Stadt bestrebt, den Radverkehr kontinuierlich zu fördern und die Infrastruktur zu verbessern. So sei bereits 2015 ein Radverkehrskonzept erstellt worden, in dem Maßnahmen erarbeitet wurden, die Jahr für Jahr umgesetzt werden.

Maßnahmen wie in Bogota und Berlin seien in Gronau nicht umsetzbar, da in der Stadt keine zweispurigen Richtungsfahrbahnen existieren, von denen eine in eine Radfahrspur umgewandelt werden könnte. Ein flächendeckendes Tempolimit (30 km/h) sei im übrigen nicht mit der Straßenverkehrsordnung vereinbar.

Auch wenn aus Sicht der Verwaltung keine kurzfristigen Maßnahmen für den Radverkehr während der Corona-Krise notwendig sind, wird vorgeschlagen, den Antrag der Umwelthilfe im zuständigen Fachausschuss zu beraten.

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