Begrüßungen „immer mit extremer körperlicher Nähe verbunden“

Weitere Vorwürfe gegen Pfarrer Thijssen

Rheine/Epe

Gegen den zuletzt in St. Agatha in Epe tätigen Pfarrer Thijssen sind beim Bistum in Münster neue Vorwürfe laut geworden. Bereits neun Betroffene haben sich dort gemeldet. Bei acht Fällen war Rheine der mutmaßliche Tatort, bei einem weiteren Gescher.

St. Agatha in Epe Foto: WN

Gegen den ehemaligen, im Jahr 2007 verstorbenen Pfarrer Johannes Thijssen, der als Emeritus auch in der Pfarrei St. Agatha Epe wirkte, gibt es weitere Vorwürfe, die in den vergangenen Tagen bei Peter Frings, dem Interventionsbeauftragtern des Bistums Münster, eingegangen sind. Insgesamt haben sich bereits neun Betroffene beim Bistum gemeldet – sechs Männer und drei Frauen. „Bei den Frauen wurden Griffe an die Brust mitgeteilt und bei drei männlichen Betroffenen Griffe in die Hose“, schilderte Frings die konkreten Vorwürfe auf Anfrage dieser Zeitung.

„Körperliche Nähe“

In einem WDR-Bericht äußerten sich zwei Brüder, die Anfang der 1970er-Jahre als Messdiener in der Gemeinde St. Konrad im Rheiner Stadtteil Gellendorf aktiv waren, zum Verhalten des damals dort tätigen Pastors. So seien Begrüßungen „immer mit extremer körperlicher Nähe verbunden“ gewesen. „Er streichelte Ministranten.“ In einer anderen Situation habe der Pfarrer nach einer Beichte zum Thema Sexualität noch mehr Details wissen wollen und sich in einem „Zustand von sexueller Erregung“ befunden.

Die bei Frings eingegangenen und geschilderten Vorwürfe stammen aus den 1950er- bis 1970er-Jahren, als Thijssen in den Orten Gescher (1951 bis 1958) und Rheine (1958 bis 1983) tätig war. Acht der neun Betroffenen sind laut Frings aus Rheine, eine Person lebte früher in Gescher. Es scheine so zu sein, dass die gemeldeten Vorfälle jeweils einzelne Vorgänge waren.

Therapeutische Unterstützung

„Die Betroffenen sind meist erleichtert, dass sie jetzt das Erlebte benennen können“, sagte Peter Frings über die Gespräche. „Den betroffenen Menschen bieten wir Hilfe an, zum Beispiel therapeutische Unterstützung, wenn dies gewünscht ist, oder geben auch Hinweise auf die Leistungen in Anerkennung des Leids“, sagte Frings weiter.

Dass Menschen sich oft erst nach Jahrzehnten melden und erst, wenn die Beschuldigten nicht mehr leben, sei „ein Umstand, den man immer wieder beobachten kann“, so Frings. Das hänge aber auch mit der belastenden Thematik zusammen.

Übernahme der Verantwortung

Den Wunsch, dass jemand die Verantwortung für die vorgeworfenen Taten übernimmt, äußern Betroffene laut Frings indes nicht. „Man muss bedenken, dass die Vorwürfe gegen den verstorbenen Priester erst seit Anfang März dieses Jahres hier im Bistum bekannt sind.“

Frings erwähnte jedoch auch, dass es zwei Anrufe von Personen gegeben hat, „die deutlich für den Pfarrer gesprochen haben und sich nicht vorstellen können, dass die Vorwürfe begründet sind“. Aber auch das sei immer wieder zu beobachten. „Auch der Vorwurf Richtung Bistum, dass wir solche Dinge überhaupt öffentlich machen, wenn der Beschuldigte tot ist und sich nicht mehr wehren kann. Aber es geht uns darum, mit solchen Dingen transparent umzugehen und dazu gehören dann auch Mitteilungen dieser Art“, meinte Frings.

Weitergehende Hinweise

Wer weitergehende Hinweise geben möchte, kann sich an die Ansprechpersonen des Bistums Münster für Fälle sexuellen Missbrauchs wenden:

Hildegard Frieling-Heipel, 0173 1643969, oder Bardo Schaffner, 0151 43816695.

Startseite