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Getreideernte in Gronau und Epe fällt trotz Trockenheit leicht überdurchschnittlich aus

Wenig Regen, aber zur richtigen Zeit

Epe

Trotz Trockenheit und Hitze: Die Getreideernte in Gronau und Epe ist in diesem Jahr zur Zufriedenheit der Landwirte gut ausgefallen. Im Gespräch mit dem LOV-Vorsitzenden Michael Hewing klärt die Redaktion, welche Faktoren dafür maßgeblich waren.

Von Ralph Schippers

Michael Hewing, Vorsitzender des LOV Gronau und Epe, ist mit der Getreideernte zufrieden. Auch der Mais steht gut. Foto:

Auf den Äckern ist es staubig, kleinere Gewässer wie der Goorbach sind schon seit längerem trockengefallen und Regen gab‘s und gibt‘s nach wie vor nur im Ausnahmefall: Ob die Getreideernte in und um Gronau und Epe herum da noch gut ausgefallen ist? Eine Nachfrage bei Michael Hewing, Vorsitzender des Landwirtschaftlichen Ortsverbandes (LOV), bringt nicht nur Klarheit, sondern ruft angesichts genannter Umstände auch etwas Erstaunen hervor. „Wir haben eine leicht überdurchschnittliche Ernte erzielen können“, sagt der LOV-Chef stellvertretend für die örtliche Landwirtschaft. In seinem Fall bedeutet das: Rund 7,2 Tonnen Wintergerste pro Hektar hat er an einen bekannten Futtermittelhersteller aus der Region verkaufen können. Ein guter Wert – zumal er für die Tonne acht Euro mehr als noch vor einem Jahr erhalten hat. Die Landwirtschaft ist in diesem Fall Profiteur von der durch den Ukraine-Krieg verursachten Entwicklung. „Ja“, bestätigt Hewing, bemerkt aber im gleichen Atemzug auch, dass die Preise für die Dienstleistung des Lohnunternehmers ebenfalls angezogen haben. „Unter dem Strich gleicht sich das für uns Landwirte aus“, so Hewing.

Keine zusätzlichen Kosten durch Trocknung

Der Bullenmäster, der seinen Hof in der Bauerschaft „Am Berge“ hat, betont, dass es den örtlichen Bauern noch vergleichsweise glücklich erging. „Wenn man in den Südkreis schaut, dann sieht die Situation dort schon ganz anders aus“, weiß er von vielen Kulturen, die dort schlichtweg vertrocknet sind. Im hiesigen Gebiet aber hat es offenbar genug geregnet und vor allen Dingen zur richtigen Zeit. Die Klimaveränderungen seien dennoch allgegenwärtig: So beginne die Getreideernte jährlich ein wenig früher. Und wegen der trockenen Wetterbedingungen werde sie zumeist in knapp vier Wochen eingefahren. Früher habe das deutlich länger gedauert, da es mehr Regenpausen gab.

Das regenarme Wetter hat den Effekt, dass das Getreide gut durchgetrocknet und damit lagerfähig ist. In normalen Jahren haben die Körner einen Feuchtigkeitsgehalt von rund 30 Prozent. Damit sie bei der Lagerung nicht schlecht werden, müssen sie dann auf maximal 15 Prozent heruntergetrocknet werden. Nicht so in diesem Jahr. „Die Körner haben rund 14 Prozent Feuchte. Eine künstliche Trocknung ist nicht erforderlich. Da können wir viel Energie einsparen“, freut sich Hewing.

Wintergerste ist in der Umgebung übrigens die mit Abstand am öftesten angebaute Getreideart. Sie gedeiht auf den leicht sandigen Böden gut, hat nicht allzu große Ansprüche an den Pflanzenschutz und kommt auch mit trockenen Perioden zurecht. Während der Anbau von Triticale wegen des aufwendigen Pflanzenschutzes rückläufig ist, legte der Weizen zuletzt stetig zu.

Wintergerste ist der absolute Favorit

Zur Herstellung von Mehl und damit Brotprodukten wird das Gronauer und Eper Getreide übrigens nicht genutzt. Hewing: „Dafür ist die Qualität der Böden nicht gut genug.“ Die Ernte geht fast vollständig in die Veredelung, was heißt, dass es zur Tierfütterung genutzt wird. Auch für den LOV-Vorsitzenden, dessen Hauptstandbein die Bullenmast ist, schließt sich damit jedes Jahr wieder ein Kreis.

Was auf seinen und vielen anderen Feldern vor Ort jetzt noch in großen Mengen steht, ist der Mais. Ende September, Anfang Oktober steht die Ernte an. Hewing erwartet auch hier einen guten Ertrag. Das lässt sich auch für den Laien festmachen: Die Halme, die links und rechts seiner Hofzufahrt stehen, sind schon deutlich über zwei Meter groß und tragen reichlich Kolben.

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