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Rechtsanwälte und Notare suchen Fachangestellte

Zu wenig Azubis: Fachklasse droht Schließung

Gronau/Ahaus

Die Rechtsanwaltskammer Hamm ist besorgt: Weil sich immer weniger junge Menschen in der Region für den Beruf Rechtsanwaltsfachangestellte (Refa) bzw. Rechtsanwalts- und Notarfachangestellte (Reno) entscheiden, droht der Fachklasse am Berufskolleg für Wirtschaft und Verwaltung in Ahaus das Aus. Noch ist es nicht so weit – doch die Zahlen geben Anlass zum Alarm.

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Aktenmanagement gehört zu den Aufgaben im Reno-Beruf – nicht nur in Papierform, sondern auch digital. Foto: Oliver Werner

Berufsschulklassen mit weniger als 16 Azubis gelten als finanziell nicht tragfähig und sollen Vorgaben des Landes zufolge nicht mehr aufrechterhalten werden. In Ahaus folgen im ersten Lehrjahr derzeit nur zehn junge Leute dem Unterricht, der zweimal pro Woche stattfindet. Im zweiten Lehrjahr sind es sogar nur fünf, im dritten immerhin 14. Die Bezirksregierung hat bereits deutlich gemacht, dass zum Schuljahr 2023/24 Schluss mit der Fachklasse in Ahaus sein könnte – es sei denn, eine Kehrtwende tritt ein.

Alexander Bathe

„Wenn die Klasse geschlossen wird, ist es für die Kanzleien in Gronau und Umgebung noch schwieriger, junge Menschen für den Beruf zu interessieren“, fürchtet Alexander Bathe von der Gronauer Kanzlei, Reckels, Ruhwinkel, Dr. Keuther und Bathe. Die Auszubildenden müssten dann nach Münster, Rheine oder Bocholt fahren – die damit verbundenen langen Fahrzeiten sind unattraktiv.

Der Reno-Beruf seht sowieso in Konkurrenz zu Berufen in Verwaltung, Versicherungen und Banken – und alle haben aufgrund des demografischen Wandels mit rückläufigen Bewerbungszahlen zu tun.

Die Gronauer Kanzleien wollen zur Sicherung der wohnortnahen Beschulung ihre Bemühungen intensivieren, junge Leute auszubilden. „Die Perspektiven sind gut“, wirbt Bathe. Das Arbeitsfeld umfasse Aktenmanagement und Korrespondenz, aber auch die Unterstützung in rechtlichen Dienstleistungen wie die Vorbereitungen von Klagen im Zivilrecht.

Die erforderliche Schreibarbeit wird heutzutage durch den Einsatz von Spracherkennungssoftware unterstützt. Dass Flexibilität in der Arbeitszeit heutzutage in dem Beruf groß geschrieben wird, zeige sich schon an der Möglichkeit monatlich – also nicht nur zum klassischen Ausbildungsbeginn am 1. August – ein Arbeitsverhältnis zu beginnen.

„Voraussetzung ist, dass man sprachlich fit ist. Die Deutsch-Noten sollten also schon gut sein“, sagt Bathe.

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