Nach zahlreichen Tests am Freitag

Zwei positive Tests bei Mitarbeitern der fleischverarbeitenden Industrie

Gronau

Etwa 70 Menschen, die überwiegend in der fleischverarbeitenden Industrie arbeiten, sind am Freitag in Gronau auf Corona getestet worden. Die Testungen stehen in sachlichem Zusammenhang mit den positiven Erkrankungen bei Westfleisch. Zwei Test verliefen positiv.

Erhard Kurlemann

An der Herbertstraße in Gronau wohnen viele Menschen, die in der fleischverarbeitenden Industrie beschäftigt sind. Deshalb wurden sie jetzt zu einem Corona-Test aufgefordert. Auch Landrat Kai Zwicker (2. von links) und Bürgermeister Rainer Doetkotte (3. von links) informierten sich vor Ort und dankten den Ehrenamtlichen aus dem DRK-Kreisverband Borken. Foto: Erhard Kurlemann

Einige Autos mit rumänischen oder niederländischen Kennzeichen stehen am Rand der Herbertstraße. Im Wendehammer der Sackgasse bauen Ehrenamtliche des DRK-Kreisverbandes Borken Tische und Bänke auf. Wenig später legen sie Schutzkleidung an. Rainer Hoff, Fachdienstleiter Sicherheit und Ordnung bei der Stadtverwaltung Gronau und einige Mitarbeiter haben weiße Schutzanzüge übergestreift. Sie gehen von Haus zu Haus und holen die Bewohner ab.

„Wir haben für heute einen Corona-Test angeordnet“, berichtet Bürgermeister Rainer Doetkotte, der sich gemeinsam mit Landrat Kai Zwicker vor Ort informiert. „Viele der Menschen, die in dieser Straße wohnen, arbeiten in der fleischverarbeitenden Industrie“, ergänzt Zwicker. Gleichsam in der Konsequenz der vielen Corona-Kranken bei Westfleisch werden alle Beschäftigten in dem Industriezweig getestet „Wir waren schon in Isselburg und Rhede“. Dort seien bei rund 180 Tests vier positive Fälle aufgedeckt worden.

Am Sonntag meldete der Kreis Borken die Ergebnisse der Testung: Nachdem durch die Großtestung am Schlachthof in Groenlo bei 20 der dort untergebrachten Personen eine COVID19-Infektion nachgewiesen worden war, wurden dort nun erneut 62 Abstriche genommen. Bei den getesteten Personen handelt es sich um alle in den Unterkünften unter Quarantäne gestellten Personen.

Insgesamt fielen zwei Ergebnisse positiv aus. Landrat Dr. Kai Zwicker zeigte sich erleichtert: "Ich bin sehr froh darüber, dass sich nach den positiven Nachrichten aus Rhede und anderen Unterkünften, auch in Gronau zeigt, dass das konsequente Vorgehen sich bewährt hat, um das Infektionsgeschehen einzudämmen." Die betroffenen Personen bleiben nun weiterhin unter Quarantäne.

Der Test an sich ist schnell erledigt: Langsam kommen erste Bewohner und werden in eine der beiden Teststationen eingewiesen. Mit einem Wattestäbchen wird eine Probe aus Mund oder Nase genommen, die Teilnahme notiert – und das war‘s.

Doetkotte betont, er hoffe, dass die Landesregierung in Zusammenhang mit der Corona-Krise das Melderecht verändere. „Jetzt können Menschen aus EU-Ländern drei Monate in einem Ort leben, ohne sich melden zu müssen.“ Gerade mit Bezug auf Leiharbeiter eben in dieser Branche zögen viele mehrfach um. „Wir wissen nicht, wie viele Menschen aktuell hier leben“. Weil es viele Transporte und wechselnde Arbeitsstätten gebe, gebe es auch ein erhöhtes Risiko. Viele Bewohner seien in Subunternehmen für die Vion Food Group in Groenlo (Niederlande) tätig. Die Testungen seien sinnvoll, um eventuelle Ansteckungsketten nachvollziehen zu können.

Zwicker hebt hervor, dass auch die Arbeitgeber ein Interesse daran hätten, dass die Mitarbeiter gesund arbeiten könnten. Deshalb hätten sie sich zur Mitarbeit bereiterklärt. „Das ist auch wirtschaftlich begründet.“ Der Arbeitgeber müsse zudem eine offizielle Freigabe haben, dass die Mitarbeiter quarantänefrei seien. Auch die Vermieter seien in die Pflicht genommen worden.

Der Landrat betont, dass in Fragen des Gesundheitsschutzes in der Pandemie die Zusammenarbeit mit einer niederländischen Task Force „sehr gut“ funktioniere, gerade weil es auf beiden Seiten der Grenze unterschiedliche gesetzliche Vorgaben gebe.

Etwa 70 Menschen sollen auf Corona getestet werden. Alle seien per „Ordnungsverfügung“ informiert worden, dass die Teilnahme verpflichtend sei. Ergebnisse erwartet der Landrat für Samstag. Die Tests werden an das „Chemische Veterinäruntersuchungsamt in Münster weitergeleitet und dort ausgewertet.

„Wir gehen davon aus, dass wir noch mehrfach testen müssen“, sagt der Bürgermeister und erinnert dabei an die etwa zehn Testungen, die im Caritas-Seniorenheim City-Wohnpark notwendig waren, um endgültig sicher zu sein, dass es dort aktuell kein Corona-Virus gebe.

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