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Gemeinde Heek verleiht den Ehrenamtspreis an den Bürgerbusverein

100 000 Kilometer im Jahr für die Bürger unterwegs

Heek

1985 wurde der Bürgerbusverein Heek-Legden gegründet. Seitdem versorgen die ehrenamtlichen Fahrer die Flecken mit Nahverkehr, in die sich sonst kein Bus verirrt. Jetzt gab es einen Preis dafür.

Von Oliver Kleine

Marie Wissing nutzt den Bürgerbus jede Woche für den Weg von der Schule nach Hause. Foto: Oliver Kleine

„Uns geht es nicht um Schnelligkeit, sondern darum, möglichst vielen Menschen eine Mitfahrmöglichkeit zu bieten, die in einem Gebiet leben, das vom ÖPNV unterversorgt ist“, erklärt Bruno König. Der 67-Jährige steuert seit zehn Jahren den Bürgerbus des Vereins.

Er ist einer von derzeit 42 Fahrerinnen und Fahrern, die einmal in der Woche beziehungsweise 14 Tagen hinterm Steuer des Busses sitzen. Ehrenamtlich. Zehnmal am Tag steuert der Kleinbus die 39 Haltestellen auf der 40 Kilometer langen Strecke Legden - Asbeck - Gemen - Nienborg - Heek - Ahle - Ahaus und wieder zurück an.

Die Gemeinde Heek hat den Verein für sein jahrzehntelanges Engagement nun mit dem Ehrenamtspreis ausgezeichnet. Mit einiger – der Corona-Pandemie geschuldeten – Verzögerung übergab Bürgermeister Franz-Josef Weilinghoff am Freitagabend den Preis für 2021 bei einer Veranstaltung in der Aula der Kreuzschule. Die Sparkasse Westmünsterland unterstützt die Auszeichnung mit einem Preisgeld von 1500 Euro.

Erster Bürgerbusverein überhaupt

Der Bürgerbusverein Heek-Legden war bei seiner Gründung 1985 der erste Bürgerbusverein überhaupt in Deutschland. Inzwischen hat er weit über 100 Nachahmer im ganzen Land gefunden, beispielsweise auch in Ahaus.

„Es macht mich sehr stolz, dass wir diesen Ehrenamtspreis erhalten haben“, erklärt Vereinsvorsitzender Egon Kiehl. „Verdient haben ihn die Fahrerinnen und Fahrer, die Woche für Woche, Jahr für Jahr mit ganz viel Herzblut unter dem Motto ,Bürger für Bürger’ unseren Service möglich machen. Seit 37 Jahren sind wir für die Bürger da. Ohne Ausfall.“ Es mache ihm große Freude, in so einem Team mitwirken zu dürfen.

Mit sanftem Schwung steuert Bruno König mit dem rot-weißen Kleinbus am Montagnachmittag den Bordstein an, kommt vor dem Haltestellenschild „Marienplatz“ in Ahaus zum Stehen. Dort wird der Bürgerbus bereits erwartet. Marie Wissing hat einige Besorgungen in Ahaus gemacht. Nun geht es zurück nach Heek. Die junge Frau hat in dem Achtsitzer die freie Platzwahl. Der einzige Fahrgast hat den Bus an dieser Haltestelle verlassen.

Sonst fährt kein Bus

Die Fahrt geht über schmale Straßen, vorbei an Feldern, Bauernhöfen, ab und zu kurvt der Bus durch einen Dorfkern. Eine Frau auf dem Fahrrad, die entgegenkommt, winkt Bruno König zu. Ein Mann mit Harke in einem Vorgarten in Heek ebenso. Der Bürgerbus und seine ehrenamtlichen Chauffeure sind offensichtlich beliebt.

„Es fährt doch sonst gar kein Bus zwischen Legden und Heek“, sagt Marie Wissing, die eine Freundin in Legden hat. Kennen und schätzen gelernt hat die 18-Jährige das Angebot auf ihrem Schulweg. „Montags und donnerstags habe ich bis 17 Uhr Unterricht. Auf den Linienbus müsste ich eine halbe Stunde warten.“ Der Bürgerbus verkürzt die Wartezeit auf drei Minuten. „Ich finde das Gesamtpaket sehr gut.“

Neben Senioren nutzen viele Schüler das Angebot. 9000 bis 9500 Fahrgäste seien es in Jahren ohne Pandemie. „In den Morgenstunden müssen wir manchmal auch jemand stehen lassen, weil wir nur acht Personen befördern können“, sagt Egon Kiehl. Um diese Zeit führen viele Senioren zum Arzt. Viele nutzen auch die Anbindung ans Krankenhaus in Ahaus.

Dem Wunsch nach Einrichtung einer 40. Haltestelle an der Kapelle in Ahle musste Kiehl jüngst eine Absage erteilen. „Das hätte zehn Minuten gekostet. Bei unserem engen Fahrplan keine Chance.“ Über kurz oder lang, so Kiehl, müsse man über die Anschaffung eines zweiten Fahrzeugs nachdenken.

Der Bus wird vom Land NRW gestellt. Etwa alle vier bis fünf Jahre wird er erneuert. 100 000 Kilometer legt er jedes Jahr zurück. Die laufenden Kosten tragen die Kommunen Legden, Heek, Ahaus und zu einem kleineren Teil Schöppingen.

Der Ehrenamtspreis der Gemeinde Heek ging ebenfalls an den Ortsverein Nienborg-Heek des DRK.

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