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23-jährige Mutter vom Amtsgericht Ahaus freigesprochen

Familie passt die neue Wohnung in Heek nicht

Heek/Ahaus

Der Zwischenfall ereignete sich im März 2020: Eine Familie sollte die Wohnung wechseln. Angekommen am neuen Wohnsitz entschied sie sich aber plötzlich gegen den Einzug. Nach kurzer Diskussion wurde die Polizei dazu gerufen und die Situation eskalierte: Dabei wurde einer der fünf Polizisten, die im Einsatz waren, leicht verletzt. Deswegen musste sich die 23-jährige Mutter jetzt vor dem Amtsgericht Ahaus verantworten.

Lena Wissing

Vor dem Amtsgericht Ahaus musste sich eine 23-jährige Mutter verantworten, weil ein Streit mit der Polizei eskaliert war. Foto: dpa

​Das Paar wohnte seit seiner Einwanderung 2016 in einer von der Gemeinde Heek zugewiesenen Wohnung. Die sollte es an dem Tag des Vorfalls wechseln. Vor dem Amtsgericht schilderte die Angeklagte ihre Version des Ereignisses: Die Polizisten hätten ihren Freund grundlos zu Boden gedrückt und sie habe nur versucht, ihm zu helfen. „Ich sagte dem Sozialarbeiter, dass wir das Haus nicht gut finden. Ich habe ein Kleinkind und die Treppe zur Wohnung ist nicht gesichert“, erklärte die 23-Jährige während der Verhandlung.

Als der Richter nachhakte, ob es noch einen anderen Grund gab, warum die Familie nicht einziehen wollte, betonte die Angeklagte lediglich immer wieder, dass die Wohnung nicht gut für ihr Kind sei.

​Das Paar habe die Wohnungsschlüssel der alten Wohnung laut Polizei zunächst nicht abgeben wollen. Nach einer Diskussion mit dem zuständigen Sozialarbeiter der Gemeinde habe dieser die Polizei dazu geholt.

„Sie wollten die Schlüssel von meinem Mann haben, aber ich hielt sie in meiner Hand“, erzählte die Angeklagte. Ein Ahauser Polizeibeamter, der als Zeuge aussagte, schilderte jedoch das Gegenteil. Der Vater habe den Beamten die Schlüssel hingehalten und die Frau habe sich mit ihrem Kind im Arm dazwischen gedrängt.

Dabei soll die Lage eskaliert sein, beide Eltern hätten wild um sich geschlagen. „Dazu kam noch das kulturbedingte Rumschreien, was die Situation unübersichtlicher gemacht hat“, sagte der Polizist vor Gericht. Während des ganzen Zwischenfalls soll die Mutter ihre Tochter auf dem Arm gehabt und der Partner sich am Fuß des Kindes festgehalten haben.

„Ich wollte dann nur das Kind aus der Situation holen“, erzählte eine weitere Polizistin aus Schöppingen, die als Zeugin geladen war. Sie habe nach eigener Aussage das Kind genommen und es im Nebenraum beruhigt.

​Im Gegensatz zur Aussage des Polizeibeamten aus Ahaus schilderten zwei Polizisten aus Schöppingen die Situation als eher ruhig. „Die Stimmung ist eigentlich nur kurz eskaliert. Das war eine Sache von ein bis zwei Minuten. Die Eltern haben auch nicht gezielt nach jemandem geschlagen.“ Unter den Zeugen war auch der Polizist, der die Schürfwunde erlitt. Er vermutete, dass er sich die Wunde beim Beruhigen des Vaters selbst zugezogen habe.

Nachdem alle Zeugen befragt waren, hakte der Richter noch einmal nach: „Hätte man die Situation nicht sofort deeskalieren können, indem die Schlüsselübergabe etwas später stattgefunden hätte?“ Schließlich sei der Vater bereit gewesen, die Schlüssel zu übergeben. Darauf entgegnete einer der Polizisten, dass befürchtet wurde, das Paar würde über Nacht einfach wieder in die alte Wohnung einziehen.

​Inzwischen musste die Familie ein zweites Mal umziehen: Die Wohnung, in die sie zunächst zog, brannte vier Monate später aus. Laut Staatsanwaltschaft hatte die Familie damit aber nichts zu tun.

Nach zweieinhalb Stunden Prozess habe die 23-jährige Angeklagte eingeräumt, dass ihr Verhalten gegenüber der Polizei nicht richtig war, sie wurde aber in allen Punkten freigesprochen.

In einem ersten Verfahren in dieser Sache war der Mann bereits wegen Körperverletzung zu einer Geldstrafe von 1000 Euro verurteilt worden.

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