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Andreas Schabbing bildet sich gleich dreifach aus

Gut aufgestellt für jedes Gewerk

Heek

Als Jahrgangsbester hat Andreas Schabbing kürzlich seine Ausbildung zum Fleischer bestanden: Eine glatte 1,0 hat er hingelegt. Aber das allein ist nicht das Besondere an seinem beruflichen Einstieg:

Anne Winter-Weckenbrock

Das Gemeinschaftsgefühl und den Teamgeist in einem familiengeführten Handwerksbetrieb Andreas Schabbing (2.v.l.) bei seiner Ausbildung sehr geschätzt. Im Bild (v.l.) Franz Mietzner, Hans Laschke, Azubi Christoph Laukamp und Fleischermeister Christoph Laschke. Foto: privat

. Der 21-jährige Heeker absolviert ein triales Studium – er macht die Ausbildung, ein Studium und den Meister in einem Rutsch. Teil eins hat er nun in der Tasche: Handwerksgeselle ist er schon.

Andreas Schabbing hat die Canisiusschule in Ahaus besucht und dort Abitur gemacht. Danach entschloss er sich zunächst, eine Ausbildung zum Mediengestalter zu machen. Doch schon nach einiger Zeit merkte er, dass dies nicht das Richtige für ihn ist. Die Suche nach einem passenden Beruf brachte ihn zurück zu den Wurzeln: Er hatte schon oft im elterlichen Zerlegebetrieb gejobbt.

Im Familienbetrieb geholfen

​Den Betrieb hat sein Vater Georg Schabbing in Heek gegründet. „Ich habe immer sonntags geholfen, die Bioschweine zu zerlegen“, erzählt Andreas Schabbing. Auch ein Betriebspraktikum in einer Fleischerei hat er als 14-Jähriger schon absolviert.

Er informierte sich und stieß auf die Möglichkeit des trialen Studiums. Für Andreas Schabbing hieß das, freitags von 17 bis 21 Uhr und samstags von 8.30 bis 17 Uhr in Köln an der Fachhochschule des Mittelstands vor Ort studieren und immer dienstagsabends die Onlinevorlesung verfolgen. Der Bachelor-Studiengang Handwerksmanagement wird von der FH zusammen mit der Handwerkskammer angeboten. Betriebswirt wird Andreas Schabbing nach Abschluss sein.

Schlachten als Wahlfach

„Freitags habe ich um 12 Uhr frei bekommen“, erzählt Andreas Schabbing, dass er im Ausbildungsbetrieb Laschke Unterstützung für seine beruflichen Ziele fand. Am 1. August 2018 begann er dort die Ausbildung. Und stellte schon nach einigen Tagen fest: „Der Beruf entspricht nicht den Vorstellungen, die die Allgemeinheit von ihm hat.“

Es sei so, dass kaum ein Betrieb noch selbst schlachte. „Diese Hürde gibt es gar nicht mehr“, erklärt Andreas Schabbing. Das Schlachten sei in der Ausbildung ein Wahlfach.

Er hat an dem Beruf ganz andere Seiten zu schätzen gelernt: „Man kann sich kreativ ausleben.“ Es geht um das Lebensmittel Fleisch, wertvolles Material zum Kochen. „Ich konnte mich viel mit meiner Oma, die gelernte Hauswirtschafterin ist, unterhalten“, erzählt der Heeker. „Man lernt ein sehr traditionelles Handwerk.“

Es geht ums Zerlegen der geschlachteten Tiere, um das Sortieren des Fleisches nach Edelteilen und Abschnitten. Man lernt zum Beispiel, dass es verschiedene Fette gibt, die wiederum in verschiedene Wurstsorten verarbeitet werden.

Andreas Schabbing

„Man lernt, Fleisch wertzuschätzen“, fasst der 21-Jährige zusammen.

​Ihm ist sehr wichtig, nachhaltig mit dem geschlachteten Tier umzugehen, es auch möglichst komplett zu nutzen. Das hat für ihn viel mit Wertschätzung zu tun. Er wünscht sich das auch vom Verbraucher. Und ebenso, dass vermehrt der Qualitätsgedanke vor der Preisfrage steht, wenn es um den Einkauf und Verzehr von Fleischwaren geht.

In seinem Freundeskreis findet der Heeker mit seiner Haltung da offene Ohren: „Mein Stammtisch hält sich drei Schweine. Da weiß man am Ende, wo das Fleisch her kommt.“

Seine Freunde hätten seine Entscheidung, eine Ausbildung zum Fleischer zu machen, übrigens „richtig cool“ gefunden, erzählt Andreas Schabbing. Man lebe halt im ländlichen Bereich, ergänzt er.

Er bereut seinen Wechsel vom Mediengestalter hin zum Handwerk kein bisschen. ​Denn ob er im Fleischerhandwerk bleiben „muss“, ist ja noch die Frage: „Mit dem trialen Studium bin ich gut aufgestellt für jedes Gewerk“, weiß Andreas Schabbing. „Das gibt eine gute Sicherheit.“

Vollzeitstudium in Köln

Bis es soweit ist, geht er nun nach einem Praktikum in ein Jahr Vollzeitstudium nach Köln. Danach steht der Meistertitel auf dem Plan. Dafür wird er wohl nach Bayern gehen, schätzt Andreas Schabbing. Längst nicht jede Handwerkskammer mehr bietet den Fleischermeistertitel an, in Bayern gibt es gleich zwei Angebote. Nach etwa viereinhalb Jahren könnte er dann Geselle, Betriebswirt und Meister sein.

Und dann? „Mir steht alles offen“, sagt der 21-Jährige. „Meine Eltern stehen voll hinter meinem Zielt“, betont er. Er könnte den elterlichen Betrieb übernehmen, er muss es aber nicht.

Erstmal liegt der Fokus auf der Fleischbranche. Gerade absolviert er ein Praktikum bei Danish Crown, einem großen Konzern in der Fleischbranche mit Sitz in Dänemark. Ein halbes Jahr lang bekommt er dort Einblick in die industrielle Schiene der Fleischverarbeitung.

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