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Schlichtungsverfahren

Heekerin ist enttäuscht vom Caritasverband als Arbeitgeber

Heek

In Hedwig Gausling brodelt es. Die Heekerin ist wieder aufgewühlt. Bald fünf Jahre nach dem beruflichen Ausscheiden beim Caritasverband kommt alles wieder hoch. Die Heekerin ärgert sich über eine Aussage von Hans-Peter Merzbach.

Rupert Joemann

Eine von der Caritas zertifizierte Ausbildung zur freiwilligen Seniorenbegleiterin hat Hedwig Gausling 2004 absolviert. Foto: Rupert Joemann

„Da wird der Verkehrte verhauen“, hatte Hans-Peter Merzbach, Vorstandsvorsitzender des Caritasverbands Ahaus-Vreden, kürzlich erklärt, als es um die öffentliche Kritik an der Ablehnung eines allgemeinverbindlichen Tarifvertrags in der Pflegebranche durch die Arbeitsrechtliche Kommission der Caritas kam. „Die Aussage fand ich schlimm“, sagt Hedwig Gausling. Denn die freiwillige Seniorenbegleiterin hat ihre persönlichen Erfahrungen mit dem Caritasverband als Arbeitgeber gemacht.

Zweimal war Hedwig Gausling auf Anraten ihres Hausarztes wegen des psychischen Drucks bei der Arbeit in Kur, später erhielt sie eine Erwerbsminderungsrente, mittlerweile ist sie in Altersrente.

Zunächst arbeitete die 65-Jährige als Minijobberin, später rund ein Jahrzehnt als Alltagsbegleiterin mit einer halben Stelle. Jahrelang gab es keine Probleme. Doch im Lauf der Zeit sah sich Hedwig Gausling immer mehr als Putzkraft eingesetzt. Sie wollte aber mit älteren Menschen arbeiten. Dafür hatte sie eigens 2004 ein Caritas-Zertifikat als freiwillige Seniorenbegleiterin erworben. Die heute 65-Jährige hatte nichts gegen gelegentliches Saubermachen. „Es wurde aber immer mehr.“ Sie habe es nicht eingesehen, ganze Häuser sauberzumachen. Als sie Gardinen aufhängen sollte, lehnte sie das ab. „Ich war in der Reha und darf auf keine Leiter mehr steigen“, begründet die Heekerin ihre damalige Entscheidung.

In der Folgezeit erhielt sie zwei Abmahnungen wegen nicht erbrachter Arbeitsleistung. „Ich war so gekränkt. Ich war nicht gewohnt, dass man mit mir so umgeht. Ich bin doch gesprungen, Tag und Nacht“, sagt Gausling.

Obwohl sie eine halbe Stelle hatte, wurde die Alltagsbegleiterin ganze Wochen lang nicht eingesetzt. So schob sie Minusstunden vor sich her. Die sollte sie dann vor allem zu den Zeiten abbauen, in denen Kolleginnen Urlaub machen wollten. „Ich wollte aber auch mal im Sommer Urlaub haben.“

„Ich wurde für alles eingesetzt, bis ich merkte, dass ich ausgenutzt und ausgebeutet werde“, so Hedwig Gausling. Sie schrieb Pfarrer Stefan Scho (Südlohn) vom Caritasrat an. Eine Antwort bekam sie nicht. Als sie sich an Bischof Dr. Felix Genn wandte, landete der Fall vor der Schlichtungsstelle.

Auf Antrag des Caritasverbands musste Hedwig Gauslings Mann den Sitzungssaal verlassen, da die Schlichtungen nicht öffentlich sind.

Die dreiköpfige Schlichtungsstelle machte einen Vergleichsvorschlag, wonach Hedwig Gausling auf Urlaubs- und Weihnachtsgeld für die Jahre 2007 bis 2013 verzichten sollte, weil die Ansprüche verfallen waren. Darüber hinaus sollte sich der Caritasverband verpflichten, Hedwig Gausling „künftig weder mit Reinigungs- noch mit Pflegetätigkeiten“ zu beauftragen, sondern ausschließlich für Tätigkeiten einer Alltagsbegleiterin, als die sie auch eingestellt worden war. Hedwig Gausling lehnte den Vorschlag ab.

„Das Schlichtungsverfahren wurde im Jahr 2016 abgeschlossen. Weitere arbeitsgerichtliche Ansprüche wurden nicht gestellt. Das Arbeitsverhältnis mit Frau Gausling endete bereits vor einigen Jahren. Zu weiteren arbeitsrechtlichen Fragestellungen dürfen wir aus Datenschutzgründen nicht Stellung nehmen“, teilte der Caritasverband mit.

Heute engagiert sich Hedwig Gausling ehrenamtlich beim Dienst am Nächsten, einer karitativen Einrichtung der Kirchengemeinde Heilig Kreuz. „Es macht mir einfach Spaß, mit älteren Menschen umzugehen.“

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