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DRK-Ortsverein Nienborg-Heek hilft bei Krankenhaus-Evakuierung

„Wie in einem Kriegsgebiet“

Heek

Bei der Hochwasserkatastrophe in NRW und Rheinland-Pfalz war auch der DRK-Ortsverein Heek-Nienborg im Dauereinsatz. Die Eindrücke, die die Einsatzkräfte sammelten, sind zu tiefst bedrückend.

Von Till Goerkeund

Die Mitglieder des Patiententransportzugs 10 des Kreises Borken, darunter auch ehrenamtliche Helfer des DRK Nienborg-Heek, halfen bei der Evakuierung des St.-Antonius-Hospitals Eschweiler. Foto: privat

Verwüstung wohin das Auge reicht. Schutt und Schlamm zeugen von der Hochwasserkatastrophe, die sich vergangene Woche in NRW und Rheinland-Pfalz ereignet hat. Mindestens 170 Todesopfer forderten die Wassermassen bis jetzt.

600 Einsatzkräfte aus dem Kreis Borken eilten mit über 80 Fahrzeugen zur Soforthilfe in die Krisengebiete. Dabei auch Ehrenamtler des DRK-Ortsvereins Nienborg-Heek. Besonders der Einsatz am Krankenhaus Eschweiler forderte die Helfer aufs Äußerste.​

Um 5.09 Uhr lösten die Meldeempfänger am Donnerstag aus. Die Leitstelle des Kreises Borken hatte den Patiententransportzug 10 des Kreises Borken für die Evakuierung des Krankenhauses in Eschweiler alarmiert.

30 Einsatzkräfte mit neun Fahrzeugen, darunter vier Rettungswagen und vier Krankenwagen, rückten von Borken aus. Und als die Einsatzkräfte nach gut zwei Stunden in Eschweiler ankamen, bot sich ihnen ein Bild des Schreckens.​

„Es sah aus wie in einem Kriegsgebiet“, zeigt sich DRK-Rettungsdienst-Chef Jürgen Rave erschüttert. Starkregen, Wassermassen und Stromausfälle machten eine Evakuierung des Krankenhauses notwendig.

Wie dramatisch die Lage vor Ort war, schildert Jürgen Rave so: Boote seien „abgesoffen“, der Rettungshubschrauber habe nicht landen können, und selbst die Unimogs hätten mit den Wassermassen zu kämpfen gehabt. Die Einsatzkräfte hätten am absoluten Limit gearbeitet.

400 Patienten mussten evakuiert werden. Nicht alle konnten selbst laufen, unter ihnen waren auch Intensivpatienten. „Wenn man da in die Augen der Menschen schaut, sieht man Entsetzen und Trauer“, schildert Jürgen Rave.​

Auch die zwei am Einsatz beteiligten ehrenamtlichen Helfer des DRK-Ortsvereins Nienborg-Heek nahm die Lage mit. „Das Ausmaß der Schäden in Eschweiler hat uns sehr nachdenklich gemacht und wird uns noch eine Weile beschäftigen.“

Die Evakuierung selbst konnte erst gegen 17 Uhr anlaufen. Zuvor machten die Wassermassen ein Betreten des Krankenhauses unmöglich. Nach und nach wurden die Patienten herausgeholt und auf die umliegenden Krankenhäuser verteilt. „So etwas wie dort habe ich bisher noch nicht gesehen“, so Jürgen Rave.

Zeit zum Durchschnaufen blieb den Einsatzkräften nach diesem Einsatz aber kaum. Zwar ging es noch am Abend zurück nach Heek, doch schon am Sonntag stand der nächste Kriseneinsatz an. Bereits am Samstag gab es einen Voralarm. Ort und Rahmenbedingungen waren aber gänzlich anders als in Eschweiler.​

Mit der Einsatzeinheit der Bezirksregierung Münster ging es für die DRKler aus Heek am Sonntag (18. Juli) mit Krankentransportwagen und Mannschaftstransportfahrzeug nach Euskirchen zur Betreuungsstelle in der Peter-Weber-Halle. Dort waren über 100 Menschen untergebracht.

Ein Teil der Einsatzkräfte blieb vor Ort, ein anderer Teil wurde in eine weitere Notunterkunft für die Betreuung der Evakuierten geschickt. Und weil die Lage so dynamisch war, wurde der Einsatz über die geplanten 24 Stunden hinaus verlängert. Schlaf oder Pausen gab es für die Helfer kaum.

Erst am Montag wurden die DRKler vom Malteser Hilfsdienst abgelöst. Während die Aufräumarbeiten angelaufen sind, blicken die Heeker mit gemischten Gefühlen auf die Naturkatastrophe zurück. Beklemmende Eindrücke mischen sich dabei mit dem Wissen, dass die Menschen die Helfer mit offenen Armen empfangen haben. „Die Betroffenen klatschten und waren sichtlich erfreut über unsere Hilfe“, so die DRK-Helfer.

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