Glamouröse Weltstadt-Diva

Cassy Carrington verzauberte das Publikum in der Kulturhalle

Schöppingen

Sie entspricht jedem Diva-Klischee – und überrascht darum umso mehr durch Tiefgründigkeit: Cassy Carrington aliasRalf Rotterdam. Bei ihrem Auftritt in Schöppingen verzauberten die Kölner Drag-Queen und ihr Begleiter Herr Cosler das Publikum. Sie gab sich empathisch und aktuell.

Sabine Sitte

Cassy Carrington und Herr Cosler verzauberten das Publikum. Foto: Sabine Sitte

Wer hätte das gedacht? Cassy Carrington sucht die Liebe und findet sie in Schöppingen! Ein Wiedersehen nach langer Zeit, ein langer schmachtender Blick und schon ist Cassys Wolke rosarot. Der Auserwählte sitzt im Publikum, weiß von nichts und staunt. Die Frau an seiner Seite auch. Samstagabend verzauberte Kölns charmanteste Drag-Queen lasziv mit viel subtilem Humor und gefühlvollen Chansons nicht nur die Männer im Saal der Kulturhalle.

Mit ihrem neuen Programm „Liebesfinder“ berührt sie vor allem Herz und Seele der Frauen. Denn seien wir mal ehrlich: Mit dem Suchen nach der Liebe kennen wir uns alle aus.

Optimierungswahn, Internet-Dating, Schubladendenken

Himmelhoch jauchzend, zu Tode betrübt: Cassy Carrington alias Ralf Rotterdam polarisiert, und der äußere Schein trügt sowieso. In ihrer Rolle als glamouröse Weltstadt-Diva spiegelt Cassy dem Publikum die elementarsten Gefühle wider: Auf Sehnsucht, Hoffnung, Angst, Trauer folgen unbändige Lebenslust und Leidenschaft. Im Wechselbad der Emotionen nimmt Cassy mit ihren Geschichten und Liedern – am Piano begleitet von ihrem treuen Gefährten Herrn Cosler – mit auf eine Reise in die Zeiten der ersten Schwärmereien in Kindertagen, einer unerwiderten Liebe, der Schmetterlinge im Bauch, von Liebeskummer und Single-Dasein.

Cassy Carrington teilt ihre intimen Wahrheiten über Darkroom-Erfahrungen, Depressionen und die „Internet-Maus“ so ehrlich und authentisch, als flüstere sie mit besten Freundinnen in trauter Atmosphäre, die schmunzeln und kichern, aber auch innehalten lassen ob eines bitteren Beigeschmacks. Optimierungswahn, Internet-Dating, Schubladendenken: Die aparte, blond gelockte 2,10- Meter-Frau im scharlachroten Fummel und in silbern glänzenden Pumps entspricht jedem Diva-Klischee und überrascht dann mit viel Tiefgründigkeit. Pralinen für das Publikum und der Aufruf zur ‚Raffaeliotion’: „Ich esse was mir gefällt, ich esse so viel es geht – das ist die Cassy-Diät!“ Cassy Carrington möchte kein pastellfarbenes Heile-Welt-Leben, sondern „wie der Maler Dalí sein“ – verrückt und intensiv.

Warmherzig und empathisch

Immer wieder schwingt aber auch viel Wehmut in den neuen Chansons der im Frühjahr dieses Jahres erschienenen CD mit. Der gleichnamige Titelsong „Liebesfinder“ erzählt von der Suche nach der großen Liebe und einem überraschendem Happy End, aber mit dem rasanten „Zimmerservice“ und frivolem Charme wickelt die Diva nur Minuten später das Publikum um den kleinen Finger. Sie wandelt durch die Reihen, flirtet mit Männern und Frauen, debattiert mit Herrn Cosler und verpasst auch mal den Einsatz.

Cassy Carrington nimmt sich nicht wichtig und die Menschen und die Welt um sich herum mit großem Interesse wahr. So erinnert sie mit ernsten Worten an das kürzliche Attentat in Halle und stimmt gemeinsam mit dem Publikum das jüdische Tanzlied „Hewenu shalom alechem“ an.

Mit ihrer Show gibt Cassy Carrington warmherzig und empathisch ihrem Publikum eine Botschaft mit: Sei wie du bist, bleib wie du bist und genieße das Leben in vollen Zügen!

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