Konzertabend

Heimspiel mit Liebe

Schöppingen

Der Schöppinger Schlagzeuger Rüdiger Wolbeck war zum Valentinstag mit seiner Jazz-Combo „Sugar Spin“ zu Gast im Alten Rathaus seines Heimatortes. Die Band bot den Konzertbesuchern eine gekonnte Gratwanderung zwischen Jazz, Pop, Funk, Blues und Folk.

Christiane Nitsche

Jasmin de Wilde hielt mit Stimme und Moderation den musikalisch gemischten Abend zusammen. Foto: Christiane Nitsche

Es hätte auch ein erweitertes Wohnzimmerkonzert sein können: „Ich glaube, ich sehe hier ganz viele bekannte Gesicher“, sagte Jasmin de Wilde gleich zu Beginn des Programms am Freitagabend im Alten Rathaus mit dem vielsagenden Titel „Heimspiel“.

Der Schöppinger Rüdiger Wolbeck konnte sicher sein, dass er mit seiner Jazz-Combo „Sugar Spin“ auf ein wohlwollendes Publikum treffen würde. Dass dieses Publikum sich aber auch aufmerksam und begeistert auf hochkomplexe Jazzstücke, ausufernde Solo-Improvisationen und eine gekonnte Gratwanderung zwischen Jazz, Pop, Funk, Blues und Folk einlassen würde, gehört genauso zum Bemerkenswerten dieses Abends wie die Leistung der Musiker – allen voran Sängerin Jasmin de Wilde.

Jasmin de Wilde

„Jazz verkauft sich nicht so gut“, weiß auch sie und lieferte damit die Erklärung dafür, dass etwa Joni Mitchell mit ihren Folk-Alben weitaus erfolgreicher war. Man ahnt: zu Unrecht. „Black Crow“, „Both Sides Now“, „In France They Kiss on Main Street“, „Be Cool“ – gleich vier Songs der großen, kanadischen Singer-Songwriterin passten in die ganz dem Valentinstag gewidmete Songauswahl, dazu Balladen wie „I am Calling You“ von Jevetta Steele aus dem Film Bagdad Café, Stevie Wonders „If it‘s Magic“ oder Ella Fitzgerald‘s „Undecided“.

Ruben de Wilde und Rüdiger Wolbeck (Foto li., v. l.) überzeugten an Bass und Drums. Foto: Christiane Nitsche

Mal funky, mal groovy, mal mit wechselnden Rhythmen innerhalb desselben Stückes schufen dabei Rüdiger Wolbeck an den Drums und Ruben de Wilde an E- und Takamine-Bass den Boden, auf dem Gerhard Turksma (Gitarre) und Timo Dresenkamp (Piano/Keyboards) filigrane Melodienreisen machten – immer gekrönt von Jasmin de Wildes klarer Stimme, die problemlos Oktavsprünge nahm, sich mal in höchste Höhen und dann auch wieder in ein unmöglich scheinendes Contralto schraubte, dabei dem Blues („I‘m Calling You“) das nötige, rauchige Timbre gab und auch im Scat-Dialog mit Turksmas Gitarre bei „Tomato Kiss“ ganz ohne Worte gekonnt improvisierte. De Wildes Kommentar dazu, warum der Song ohne Lyrics in die Setlist kam: „Man kann auch Gemüse lieben!"

Schlichte Präzision

Turksma improvisierte mit einer schlichten Präzision, die auch Nicht-Jazzern Eingang in die komplexen Melodien boten, während Ruben de Wilde besonders bei eher funkigen Stücken seine energische Klasse zeigte. Schon beim ersten Stück, „Black Crow“ spielte er ein Solo, das an den jungen Jaco Pastorius denken ließ. Und dass der Bass auch als Solo-Instrument – nicht nur im Jazz – seinen Platz hat, bewies er im Duett mit Jasmin de Wilde bei der Blues-Nummer „Be Cool“. Gelegenheit für Jasmin de Wilde, das Publikum aufzuklären: „Das ist übrigens mein Mann.“

Timo Dresenkamp kommunizierte mit Jasmin de Wildes zarten, hellen Tönen bei Michel Legrands „I Will Wait for You“ aufmerksam und gekonnt und überzeugte als Solist bei Chet Bakers „Old Devil Moon“ sowie im Wechsel mit Turksma in der Up-Tempo-Nummer „Don‘t Waste Your Time“.

Mit bloßen Händen

Der Höhepunkt des Abends aber blieb dem Heimspieler Rüdiger Wolbeck vorbehalten: Der „Summer Samba“ mit dem Titel „So Nice“ wurde für ihn zur Einladung zu einem kaum enden wollenden Solo, bei dem er zeitweilig mit bloßen Händen sein Instrumentarium bearbeitete. „Der Schöppinger hat etwas zu erzählen“, scherzte Jasmin de Wilde bei der Ansage des Stückes. Ihr eigener Kommentar dazu: „Wie schön es doch wäre, gemeinsam durchs Leben zu tanzen.“

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