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Generalüberholung der Ott-Orgel in der St. Brictius-Kirche ist abgeschlossen

In der Kirche blökt ein Schaf

Schöppingen

Jahrzehntelang stand es einfach nur so da, das kleine Schäfchen auf der Orgelbühne von St. Brictius. Fast schon unauffällig richtet es seinen wachsamen Blick aus luftiger Höhe auf die Gläubigen, die Tag ein, Tag aus die Kirche besuchen. Nicht einen Mucks hat es seit der Erbauung der Ott-Orgel im Jahr 1982 von sich gegeben. Nicht einmal mal ein leises Blöken. Aber damit ist jetzt Schluss, denn das Schaf hat nach so langer Zeit endlich eine Stimme.

Yannick Dietrich

Die Ott-Orgel in der Pfarrkirche St. Brictius ist generalüberholt worden. Seit jeher blickt das Schaf stumm auf die Kirchbesucher. Ein neuer Registerzug gibt ihm jetzt eine Stimme. Foto: Dietrich

Verantwortlich dafür ist aber nicht etwa ein Logopäde, sondern die Orgelbauer der Firma Fleiter, die das Instrument zwischen Anfang Juli und Anfang September generalüberholt haben. Im Zuge dessen haben sie nämlich einen neuen Registerzug mit der Aufschrift „Agnus“, zu Deutsch „Lamm“, hinterm Spieltisch der Orgel angebracht. Dahinter befindet sich wiederum ein Blasebalg, der Luft durch eine abgesägte Pfeife pustet und so ein erstaunlich realistisches Schafs-Blöken hervorruft.

„Die Idee dazu ist an einem gemütlichen Abend vor über 15 Jahren entstanden“, erklärt Pfarrer em. Wolfgang Böcker, wie es zu diesem doch etwas skurrilen Gedanken kam. Wobei Tierlaute in Orgeln gar nicht so unüblich sind. Es gäbe einige Orgeln mit skurrilen Registern, die oft entweder mit der Kirchengemeinde oder der Stadt in Verbindung stehen, so der Orgel-Freund und -Kenner. Aber eine weitere Orgel mit Schafs-Blöken ist ihm nicht bekannt.

Dementsprechend mussten auch die Orgel-Experten aus Nienberge erst etwas herumtüfteln, um einen möglichst realis-

tischen Klang zu erzeugen. „Die Orgelbauer waren sofort begeistert von der Idee“, so Christa Teltenkötter, Organistin in St. Brictius: „Nachdem sie fertig waren, haben sie als erstes ihr Handy rausgeholt, um das Blöken aufzunehmen und als Klingelton einzustellen.“

Aber auch sonst hatten die Orgelbauer jede Menge zu tun. Ein Teil der insgesamt 2915 Pfeifen der Orgel wurde vollständig ausgebaut, mit in die Werkstatt genommen, gereinigt und nachintoniert. Außerdem mussten einige Blasebalge aus Leder komplett ausgetauscht werden, da diese seit der letzten Überholung des Instruments vor 33 Jahren spröde geworden sind.

Und auch Schimmel hat sich in dieser Zeit zwischen den Pfeifen breitgemacht. Dieser wurde jetzt gründlich beseitigt und soll dauerhaft mit vielen kleinen Maßnahmen, wie zum Beispiel Lüftungsschlitzen in der Verkleidung, ferngehalten werden.

Und noch etwas wurde angepasst: Die Stimmung der Orgel wurde von einer heute üblichen gleichschwebenden in eine historische Stimmung aus der Zeit des großen Orgel-Virtuosen Johann Sebastian Bach geändert. Was zunächst nach einer kleinen Änderung klingt, hat große Auswirkung auf den Klang der Orgel. „Die gebräuchlichsten Tonarten, wie zum Beispiel C-Dur, F-Dur oder G-Dur, klingen jetzt sehr sauber“, weiß Christa Teltenkötter. Für den alltäglichen Gebrauch sei das perfekt.

Die Kombination aus dem weichen und farbigen Klang der Ott-Orgel und der historischen Stimmung mache die Schöppinger Orgel einzigartig und verleihe ihr „einen ganz besonderen Charakter, den es so im Umkreis kein zweites Mal gibt“, fügt Böcker hinzu. Denn, obwohl viele kleine und große Anpassungen an der Orgel vorgenommen wurden, ist sie immer noch ganz die alte.

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