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Burgschänke und Burgtor sollen umgebaut werden

Nienborger Vereine sollen eine neue Heimat finden

Nienborg

Zurück zu den Wurzeln – zumindest im Kleinen. Hatte die Burg Nienborg früher überregionale Bedeutung, soll die Ringburganlage künftig die lokale und regionale Identität und Gemeinschaft stärken. Das wollen die Gemeinde und der neu gegründete Trägerverein Landesburg Nienborg mit dem Umbau der Burgschänke und des Burgtores bis Ende 2022 erreichen.

Rupert Joemann

So könnten Alte Schule (l.) und die Gaststätte Hoffkamp (zuletzt Gaststätte Kock) als „Schwesternhäuser“ Foto: Wolters und Partner

Über zehn Jahre steht die zuletzt von der Eigentümerfamilie Kock betriebene Gaststätte leer. Die fehlende Nutzung hat deutliche Spuren an dem Gebäude hinterlassen. Doch 2023, pünktlich zum 825-jährigen Ortsjubiläum, soll der Eingangsbereich zur Burganlage in neuem Glanz erstrahlen.

Moderne Räume in historischem Gewand

Die Burgschänke und das Burgtor werden im Zuge des Umbaus im Inneren vollständig erneuert. Zudem ist geplant, an der ehemaligen Gaststätte den Putz zu beseitigen, um das dahinterliegende Ziegelwerk zum Vorschein zu bringen, so Jürgen Lammers. Die nicht historischen Gebäudeteile werden abgerissen. Lammers: „Der historische Kern wird erhalten.“ Die Fenster sollen der Alten Schule angeglichen werden.Im Keller, der rund 100 Quadratmeter groß ist, entstehen die WC-Anlagen sowie Lagerräume. Ein Aufzug im Treppenhaus sorgt dafür, dass sämtliche Etagen für mobilitätseingeschränkte Menschen erreichbar sind.Im 311 Quadratmeter großen Erdgeschoss werden die Innenwände entfernt, sodass ein großer Raum entsteht. „Die Vereine haben einen Bedarf an großen Räumen“, begründet Lammers die Konzeption. Eine mobile Theke soll die Flexibilität des Multifunktionsraums erhöhen.An den Wänden sollen Vitrinen und Tafeln aufgestellt werden, die die Geschichte der Landesburg erläutern. Das sehen zumindest die jetzigen Planungen vor. Die Verantwortlichen können sich dabei vorstellen, eine chronologische Reihenfolge über die Etagen einzuhalten. Die genaue Gestaltung muss noch ausgearbeitet werden. Lammers betont, dass ein wichtiges Anliegen sei, die Heimatgeschichte des Orts und der Burg darzustellen. Im Dachgeschoss kann er sich neben einer Lagerfläche kleine Kabinette vorstellen, in denen auf besondere Ereignisse eingegangen wird.Das 224 Quadratmeter große Obergeschoss, das zuletzt als Wohnung genutzt wurde, soll ebenfalls ein großer Raum werden, der noch unterteilt werden kann. Unter anderem sollen hier der Musikverein seine Probe abhalten und RW Nienborg Sportkurse anbieten.

Die komplette Umgestaltung wird voraussichtlich 2,15 Millionen Euro kosten. Das Land soll davon im Rahmen des Heimat-Zeugnisses des Heimatförderprogramms 1,5 Millionen Euro übernehmen. Der entsprechende Antrag ist bereits gestellt. Jetzt hoffen die Verantwortlichen auf die Bewilligung. Die Gemeinde beteiligt sich mit einem Zuschuss in Höhe von 320 000 Euro an den Trägerverein an den Kosten. Hinzu kommen Leistungen der von der Familie Kock geführten Firma Elanko von rund 300 000 Euro.

Vereine benötigen große Räumlichkeiten

Mit dem Umbau schlagen die Verantwortlichen gleich mehrere Fliegen mit einer Klappe. Die Vereine erhalten dringend benötigte Räumlichkeiten, die Burganlage wird als Zeugnis heimatlicher Geschichte aufgewertet, die Burg wird stärker frequentiert und mit der Alten Schule entsteht ein kleines historisches Gebäudeensemble (Schwesternhäuser).

Angestoßen wurde die Diskussion über neue Räumlichkeiten vor zwei Jahren vom Musikverein, dem Allgemeinen Bürgerschützenverein und RW Nienborg. „Die Turnhalle wurde vor 50 Jahren gebaut. Seitdem ist nie wieder überdachter Raum für die Vereine in Nienborg gebaut worden“, sagt Jürgen Lammers am Montag bei der Vorstellung der Pläne. Lammers ist in Doppelfunktion tätig, zum einen als Mitarbeiter in der Gemeindeverwaltung, zum anderen als Schriftführer des am 20. April gegründeten Trägervereins.

Infoveranstaltung

Mit einer öffentlichen Infoveranstaltung am Sonntag (23. August) im Garten der Gaststätte Nonhoff wollen Trägerverein und Gemeindeverwaltung die Bürger über das Projekt informieren. Ab 16 Uhr erhalten Vertreter der Vereine Erklärungen über den Umbau, ab 17 Uhr können sich dann interessierte Bürger informieren. Die Verantwortlichen hoffen, dass sie möglichst viele Freunde und Förderer für den Trägerverein begeistern können.

Der Ortshistoriker Josef Wermert empfahl, die Burgschänke und das Burgtor für das Projekt zu nutzen. Beide Gebäudeelemente stehen im besonderen Maß für die Geschichte Nienborgs. „Das Burgtor von 1310 ist seit dem Mittelalter ein öffentlicher Ort, früher als Gericht“, sagt Jürgen Lammers. Und die Burgschänke, die erstmals 1351 erwähnt wurde, dient seit 1840 als Gaststätte ebenfalls als öffentlicher Treffpunkt.

„Eigentlich wollten wir die Gründung des Trägervereins groß in Nonhoffs Garten feiern“, erzählt Jürgen Lammers. Doch die Corona-Pandemie machte den Verantwortlichen einen Strich durch die Rechnung. So gründete sich der Verein ganz unspektakulär vor dem Clubheim am Eichenstadion. Vorsitzender ist Markus Jasper.

Der Pachtvertrag

Der Gemeinderat hat am 29. Januar in nichtöffentlicher Sitzung beschlossen, dass die Gemeinde die Burgschänke und das Burgtor für 40 Jahre pachtet. Es besteht eine einseitige Verlängerungsoption seitens der Gemeinde auf 60 Jahre. Anschließend gibt es eine beidseitige Option auf maximal 100 Jahre. Die Pachthöhe bezieht sich auf den jetzigen Wert der Gebäude von 200 000 Euro sowie die Leistungen der Firma Elanko (ca. 300 000 Euro). Der Erbpachtzins beträgt in den ersten 20 Jahren ein Prozent, anschließend 1,5 Prozent. Die Armenfundation schießt jährlich 15 000 Euro für den Unterhalt der Gebäude bei. Die Abwicklung übernimmt der Trägerverein, der von der Gemeinde 320 000 Euro erhält. Der Gemeinderat berät am 26. August über den Pachtvertrag zwischen Gemeinde und Trägerverein.

Wie sehr offensichtlich die Dorfgemeinschaft hinter dem Projekt steht zeigt die Tatsache, dass sämtliche Nienborger Vereine bereits Mitglied im Trägerverein geworden sind, egal ob sie die Räume regelmäßig oder nur sporadisch nutzen können.

„Eine Reaktivierung des Burgtors (würde) einen wertvollen Beitrag dazu leisten, dieses Stück Heimatgeschichte greifbarer zu machen – für Gäste aus ganz Nordrhein-Westfalen, die wir fast täglich hier bei uns begrüßen“, schreibt Antje Valentin, Direktorin der Landesmusikakademie, für den Förderantrag.

Jürgen Lammers

Markus Jasper ist es wichtig zu betonen, dass keine Konkurrenz für bestehende Gastronomiebetriebe entstehen soll, sondern ein Treffpunkt für die Vereine. Der Trägerverein plane auch nicht, selbst als Caterer aufzutreten. Das könnten bei Veranstaltungen bestehende Betriebe übernehmen, so Jasper.

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