Baugebiet Ehemalige Kasernenanlage

Saatkrähe verhindert Bebauung

Schöppingen

Das Baugebiet Ehemalige Kasernenanlage wird in einem ersten Schritt kleiner geplant als ursprünglich vorgesehen. Der Teil des Waldes, der an das Baugebiet Pickbreite angrenzt, soll nun vorerst stehenbleiben. Darauf verständigten sich die Ratsmitglieder einstimmig am Montagabend. Der Grund sind rund 100 Saatkrähen-Nester.

Rupert Joemann

Rund 100 Saatkrähen-Nester machen ein Umdenken beim Bebauungsplan zum Gebiet Ehemalige Kaserne erforderlich. Foto: Imago

„Die Saatkrähe ist eine planungsrelevante Art. Die Lebensbedingungen dürfen nicht verändert werden. Die Bäume einfach abzusägen, das geht nicht“, sagte Bürgermeister Franz-Josef Franzbach. Noch gebe es nirgendwo ein Konzept für eine erfolgreiche Umsiedlung. Bliebe die Kommune beim bisherigen Planungsentwurf, müsste der Bebauungsplan ein langwieriges Ausnahmeverfahren durchlaufen, so Franzbach. Und am Ende stünde wohl ein Ministerentscheid. Der Ausgang dabei sei völlig offen. Unter artenschutzrechtlichen Gesichtspunkten sei die Variante mit dem Erhalt des Waldstücks eher umzusetzen, so der Bürgermeister.

Deshalb schlug Franzbach vor, die Pläne der vor einigen Monaten bereits diskutierten Variante mit dem Erhalt des Waldstücks in einem ersten Schritt öffentlich auszulegen. Dadurch würden drei Mehrfamilien- und einige Einfamilienhäuser wegfallen. Der Bürgermeister schlug vor, die drei geförderten Mehrfamilienhäuser anderweitig auf dem Baugebiet unterzubringen. „Das ist ein gangbarer Weg. Wir müssten dabei nicht lange auf Gutachten warten“, sagte der UWG-Fraktionsvorsitzende Horst Emmrich.

Michael Göcke, CDU-Ratsherr

Für den Grünen-Fraktionsvorsitzenden Manfred Epping war „eigentlich klar, dass man nicht einfach die Bäume weghauen kann“. Deshalb hätte sich seine Fraktion schon früher für diese Planvariante ausgesprochen. „Aufgrund der zeitlichen Schiene präferieren wir ebenfalls diese Variante“, sagte Rainer Sobottka für die SPD. Auch der CDU-Fraktionsvorsitzende Holger Benölken sprach sich für diesen Plan aus. Er regte jedoch an, die schon lange nicht mehr genutzten Tennisplätze zu überplanen.

Das sah auch sein Fraktionskollege Ralf Marpert so: „Woanders können wir günstiger aufforsten.“ Es sei viel zu kostspielig, die Fläche nicht als Bauland zu verwenden. Marpert wollte gerne zwei Pläne parallel ausgearbeitet haben – einmal mit Bebauung der Tennisplätze und einmal ohne.

Bürgermeister Franzbach wollte lieber mit einem Plan ins weitere Verfahren gehen. Vor allem, um mit der Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (Bima) zügig einen Kaufvertrag aushandeln zu können. Ein erster Entwurf liege ihm vor, so Franzbach. Doch noch müsse der genaue Betrag ausgerechnet werden. Und der hänge auch von der Anzahl der Wohneinheiten ab, so Franz-Josef Franzbach. Ständige Planänderungen führten zu einer Verzögerung des Verfahrens, so der Verwaltungschef. Der bisher von der Bima ausgesprochene Rabatt betrage 350 000 Euro. Doch der Etat dafür sei bei der Bima bald weg, mahnte Franzbach zur Eile.

Die Zahl der Häuser

In der bisherigen Variante eins sind 51 Einfamilien- und drei Mehrfamilienhäuser vorgesehen gewesen. In der Variante zwei, bei der teilweisen Rodung des Waldes, waren es 57 Einfamilien- und sechs Mehrfamilienhäuser. „Ich denke, dass sechs oder sieben Einfamilienhäuser wegfallen werden“, so Bürgermeister Franz-Josef Franzbach.

Horst Emmrich schlug vor, mit der kleineren Planvariante in die Auslegung zu gehen und sich die Bebauung der Tennisplätze in einem zweiten Verfahrensschritt offen zu halten. Das hatte Franz-Josef Franzbach schon zu Beginn der Sitzung für den jetzt zu erhaltenden Waldbereich vorgeschlagen. Er zeigte sich optimistisch, dass es irgendwann ein Konzept zur Umsiedlung von Saatkrähen gebe.

Mit ihrer Frage, wie sich die Saatkrähen vermehrten, deutete Maria Marpert (UWG) an, dass die Population der seit 2014 dort ansässigen Tiere womöglich größer werden könnte. „Ich bezweifle, dass die Saatkrähen dort freiwillig weggehen“, meinte Michael Göcke (CDU). Alfons Wissing (CDU) wies auf die Gerüche und den Krach der Krähen hin. Mindestens 15 Meter muss die Bebauung vom Wald entfernt sein. „Die erste Reihe am Wald wird schwierig zu vermarkten sein“, sagte Franzbach. Deshalb wolle die Gemeinde bei der Bima dafür auch einen Nachlass erreichen. Er wolle möglichst in der nächsten oder übernächsten Ratssitzung einen Vertrag mit der Bima vorlegen, so Franzbach.

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