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Meike Dirksen fliegt zum zweiten Mal in diesem Jahr zu einem Hilfsprojekt nach Tansania

Sich die eigene Routine schaffen

Schöppingen

Sie war schon einmal kurz da und wollte helfen – doch dann kam Corona. Jetzt fliegt die Schöppingerin Meike Dirksen erneut nach Tansania. Ihre ursprünglichen Reisepläne hat sie allerdings aufgegeben.

Rupert Joemann

Die 20-jährige Meike Dirksen hält die Flagge Tansanias. Am 4. August fliegt sie zum zweiten Mal in diesem Jahr in das ostafrikanische Land. Foto: privat

Tansania zum Zweiten. Die Schöppingerin Meike Dirksen macht sich am 4. August zum zweiten Mal in diesem Jahr auf, um im ostafrikanischen Tansania an einem Hilfsprojekt teilzunehmen. Der erste Abstecher wurde im Frühjahr durch die Corona-Pandemie jäh gestoppt.

Eigentlich wollte die 20-Jährige damals zunächst drei Monate bei dem Hilfsprojekt in der Nähe der 420 000-Einwohner-Stadt Arusha mitanpacken und anschließend drei Monate durch den Kontinent reisen. Nach Südafrika wollte sie auf jeden Fall, den Rest „auf sich zulassen kommen“. Doch daraus wurde nichts.

Anfangs seien die Einheimischen davon ausgegangen, dass Dunkelhäutige nicht mit dem Coronavirus infiziert werden könnten, so Meike Dirksen. Als Mitte März aber der erste offiziell bestätigte Corona-Fall in Tansania bekannt wurde, änderte sich die Haltung schlagartig. „Die Leute hatten Angst“, sagt Dirksen.

Zuweilen seien die weißen Europäer verbal angefeindet worden, weil die Tansanier selbst nicht viel reisen und somit davon ausgingen, die Ausländer hätten das Corona-Virus in das Land eingeschleppt. „Wir sind manchmal aus den Kleinbussen geworfen worden“, erzählt die 20-Jährige. So entschied die Schöppingerin mit ihrer Projektleiterin, nach Deutschland zurückzukehren. Allerdings vereinbarte sie wiederzukommen, sollte sich die Situation entspannen. Das ist jetzt der Fall.

Leben von der Hand in den Mund

Dass anfangs versucht wurde, dass Corona-Problem herunterzuspielen, kann Meike Dirksen durchaus verstehen. Denn ein Lockdown, der zu einem Einbruch der Wirtschaft führen könne, hätte schlimme Folgen. „Entweder Corona oder Hungertod“, macht die Schöppingerin deutlich. Schließlich lebten die meisten Menschen in Tansania von der Hand in den Mund. Mittlerweile seien Nasen-Mundmasken jedoch ebenso verbreitet wie Desinfektionsmittel.

Meike Dirksen

In zehn Tagen fliegt sie trotz alledem wieder nach Tansania. Insgesamt sei sie sehr herzlich empfangen worden, so Dirksen. In Arusha hilft sie in einem Kinderheim, in dem Mädchen und Jungen im Alter von bis zu drei Jahren in zwei Gruppen betreut werden. „Das sind Kinder, deren Mütter gestorben sind, die ausgesetzt wurden oder für die sich niemand verantwortlich fühlt“, sagt Meike Dirksen.

Aufgrund der Corona-Pandemie fehlen dem Kinderheim aber jetzt Spendengelder, mit denen „das Essen und das Personal bezahlt wird“. Deshalb hat die Schöppingerin eine Spendenaktion ins Leben gerufen. Über ein Spenden- und ein Paypal-Konto können Interessierte Geld spenden, das die 20-Jährige vor Ort übergeben will. Nähere Informationen gibt sie per E-Mail (meikedirksen@web.de).

Kein völliges Neuland

Wenn Dirksen am 4. August wieder in Tansania ankommt, betritt sie kein völliges Neuland so wie beim ersten Mal. Einige Tage brauchte sie, um sich an die Lebensweise zu gewöhnen. „Es geht alles ganz langsam und ist nicht so strukturiert wie in Deutschland“, erzählt Meike Dirksen. In der Stadt habe sie das Gefühl gehabt, dass es keine Verkehrsregeln gebe. Auf dem Land sitzen die Menschen den ganzen Tag neben ihren Kühen und bewachen die Tiere. „Mir ist gesagt worden, dass ich kommen und gehen kann, wann ich will.“ Deshalb habe sie sich ihre eigene tägliche Routine geschafft.

Bei der Arbeit mit den kleinen Kindern ist ihr aufgefallen, dass die fast nie schreien, „weil sie das so gewohnt sind“. Es habe fast immer Ruhe im Kinderheim geherrscht.

Meike Dirksen

Meike Dirksen, die im Herbst ein Studium der Medienwissenschaft beginnen möchte, hat sich ganz bewusst für ein Hilfsprojekt entschieden, statt nur auf der faulen Haut zu liegen. „Ich wollte ein bisschen was Handfestes machen.“ Außerdem sei das Kinderheim ein guter Ort, „um erst einmal irgendwo anzukommen“. Von Anfang an ganz alleine durch Afrika zu reisen, das hätte sie sich nicht getraut.

Einfach zu voll

Die Tour nach Südafrika streicht sie jetzt aber ebenso wie eine Reise zur Insel Sansibar. Dort ist es ihr in Corona-Zeiten einfach zu voll. „Da fühle ich mich nicht unbedingt sicher.“ Wenn sie nicht schon einmal in Arusha gewesen wäre, würde sie jetzt nicht dort hinfahren. Doch sie hat Vertrauen zu den Menschen gefasst. Und alle hätten ihr bestätigt, dass es kein besonderes Risiko gebe. Deshalb heißt es nun: Tansania zum Zweiten.

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