Bevölkerungsentwicklung in Schöppingen

Statistik gleicht Kaffeesatz-Leserei

Schöppingen

Das Statistische Landesamt rückt im Begleitschreiben seine eigene Statistik zur Bevölkerungsentwicklung gleich selbst ins rechte Licht: „Insbesondere Gemeinden mit einer Zentralen Unterbringungseinrichtung für Schutzsuchende zeigen schwankende Zu- und Fortzugszahlen, die mitunter deutlich von Jahr zu Jahr voneinander abweichen.“ Stimmt. Die Statistik für Schöppingen gleicht eher einer Kaffeesatz-Leserei – oder einer Achterbahn.

Rupert Joemann

Die Zahl der geborenen Kinder hat einen Einfluss auf die Berechnungen des Statistischen Landesamts zur Bevölkerungsentwicklung. Doch in Schöppingen weist die Statistik sehr sprunghafte Zahlen aus. Foto: dpa

Geht es nach der Prognose des Landesbetriebs IT-NRW, schrumpft Schöppingen bis 2025 auf 5398 Bewohner. Anschließend geht es ähnlich steil wieder bergauf. Wie IT-NRW prognostiziert, sollen in der Vechtegemeinde 2040 insgesamt 7318 Einwohner leben.

„Das ist alles fraglich“, sagt Bürgermeister Franz-Josef Franzbach. Seit mehreren Jahren korrigiere Düsseldorf die Zahlen für Schöppingen im Nachhinein. Das liegt nach Überzeugung des Bürgermeisters an der Zentralen Unterbringungseinrichtung (ZUE). Die Bewohner werden, wie jeder andere Einwohner, ins Melderegister aufgenommen – und bei Wegzug wieder ausgetragen. Für Franzbach hängen die prognostizierten Zahlen davon ab, ob zum Stichtag viele Menschen oder eher wenige in der ZUE untergebracht waren.

Aus diesen Grunddaten werden dann nach einer vom Landesamt erstellten mathematischen Systematik die Zahlen für die nächsten Jahre beziehungsweise Jahrzehnte hochgerechnet.

Die Landesstatistiker geben in ihrer aktuellen Prognose der Bevölkerungsentwicklung für den 1. Januar 2018 die Einwohnerzahl in Schöppingen mit 7066 an. Für den 30. Juni 2018 hatte die Zahl in der Statistik Bevölkerung noch 6831 betragen. Das entspricht einem Minus von rund drei Prozent innerhalb eines halben Jahres.

Franzbach geht davon aus, dass erst nach dem Schließen der ZUE Ende 2021 konkrete Bevölkerungszahlen vorliegen werden. Bis dahin verlässt sich die Gemeinde lieber auf ihr Melderegister. Und das weist derzeit eine Einwohnerzahl von 6959 aus.

Im Jahr 2009 hatte das Landesamt noch für das Jahr 2030 eine Einwohnerzahl von fast 14 000 errechnet. Für das gleiche Jahr sagen die Statistiker nun gerade einmal noch 5369 Schöppingerinnen und Schöppinger voraus.

Ein Blick auf die Zahl der Wahlberechtigten bei Landtagswahlen gibt wohl ein realistisches und vergleichbareres Bild der Bevölkerungsentwicklung an. 2005 gab es 4787 Wahlberechtigte, 2010 waren es 4857, 2012 insgesamt 4826 und vor zwei Jahren ebenfalls 4826. Extreme Ausschläge sind daraus nicht abzuleiten, auch wenn in den vergangenen Monaten 93 Flüchtlinge nach Schöppingen gekommen sind.

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