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Barocker Cembalo-Abend in der St. Anna-Kirche

Bach „gänsehautig“ interpretiert

Davensberg

Nach langer, Corona-bedingter Zwangspause präsentierte die Musikschule Ascheberg endlich wieder Livemusik im Rahmen der Schlosskonzert-Reihe. Aleksandra und Alexander Grychtolik intonierten in der St. Anna-Kirche auf ihren Cembali drei Brandenburgische Konzerte. Virtuosität, Zusammenspiel und Improvisation begeisterten.

Von Magdalena Baab

Das Künstlerehepaar Aleksandra und Alexander Grychtolik brachte in der St. Anna-Kirche altbekannte Barockmusik der Brandenburgischen Konzerte virtuos und mit neuer Frische zu Gehör. Foto: Christoph Hönig

Mit einem Cembalo-Abend im Rahmen der Schlosskonzerte Westerwinkel beendete die Musikschule Ascheberg am Sonntagabend in der St. Anna-Kirche die kulturelle Corona-Durststrecke: Livemusik mit richtigen Menschen, keine Kästchen-Videos oder Youtube-Zusammenschnitte, nein, echt, lebendig, live,... und improvisiert! Ein Grund mehr, hinzugehen und Aleksandra und Alexander Grychtolik mit ihren beiden Cembali anzuhören.

Anspruchsvolles Programm

Ganz besondere Barockmusik hatte das Künstlerehepaar im Gepäck: Das 7. Brandenburgische Konzert, improvisiert im Stil Johann Sebastian Bachs. In der ersten Hälfte des Konzerts wurden unter anderem zwei der berühmten Vorlagen zu Gehör gebracht: Bachs Brandenburgische Konzerte Nr. 4 und Nr. 6.

Für das Duo war es eines der ersten Konzerte nach der Zwangspause durch die Corona-Pandemie und die Premiere mit diesem Programm, das extrem hohe Ansprüche an die Künstler stellt. Präzision und Einfühlungsvermögen, Virtuosität und Leichtigkeit, die Darstellung ganzer Orchesterpassagen im Kontrast zu solistischen Teilen. All dies gelang dem Ehepaar Grychtolik in wunderbarem gemeinsamen Zusammenspiel.

Nach der Pause folgte der improvisierte Teil. Für den musikalischen Laien mag es ja immer ein bisschen wie ein Wunder wirken, wenn aus dem Nichts völlig neue Musik entsteht. Aber ganz so ist es nicht: Improvisation ist eigentlich mehr, wie wenn ein Kind mit Lego baut: Es hat schon so viele Kästen nach Anleitung zusammengesetzt, dass es nun selbst imstande ist, mithilfe seiner Fantasie aus einem Haufen bunter Steine, ein Bauwerk oder Fahrzeug entstehen zu lassen. So ähnlich funktioniert auch die musikalische Improvisation: Das jahrelange Üben und die Auseinandersetzung mit den Originalwerken versetzt die Künstler in die Lage, selbst kreativ zu werden und „Quasi-Barockmusik“ zu erschaffen.

Beeindruckende Improvisation

Alexander Grychtolik beherrscht dieses Handwerk von Grund auf und begeisterte das Publikum mit einer sechssätzigen Partita im Stile Bachs, der es (abgesehen von ungeraden Takten) an nichts fehlte, was sich ein Kenner der alten Musik wünscht. Am beeindruckendsten (und „gänsehautigsten“) war der zweite Satz mit seinen chromatischen Bässen und harmonischen Rückungen, die durch die gekonnte Linienführung in den Oberstimmen immer ganz logisch erreicht wurden.

Auch zu zweit überzeugte das Paar mit seiner Improvisation des 7. Brandenburgischen Konzertes. Insbesondere der Schlusssatz, dessen wunderschöne Rahmenstruktur Basis und Form für frei improvisierte Teile bildete, war noch einmal ein Genuss für die leider kleine, aber sehr angetane Zuhörerschaft.

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