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Neue Methode klappt

Bagger saugt Wurzeln der Linden frei

Ascheberg

Mit einem Fragezeichen haben am Montag die Arbeiten an der Lüdinghauser Straße in Ascheberg begonnen. Der erste Eindruck wischt es weg. Die Saugbagger-Premiere klappt.

Theo Heitbaum

Ein Bagger ohne Schaufel, dafür mit einem Saugrüssel: Baumpfleger Manuel Schuster legte in dieser Woche die ersten Linden-Wurzeln an der Lüdinghauser Straße frei. Foto: Theo Heitbaum

Mit einem Fragezeichen haben am Montag die Arbeiten an der Lüdinghauser Straße in Ascheberg begonnen. Zwischen Eschenbachstraße und Adamsgasse kam zum ersten Mal ein Saugbagger zum Einsatz. „Wir wissen nicht, wie das klappen wird und wie lange das dauert“, formulierte Jan Rohlmann aus der Tiefbauabteilung der Ascheberger Verwaltung die Fragen vorher. Nach dem ersten Baustellenbesuch weiß der gemeindliche Tiefbauingenieur Christian Scheipers, dass der Start gelungen ist und die Arbeiten zügig vorangekommen sind: „Das klappt gut. Die Wurzeln sind nicht unter den Asphalt gewachsen, so wie wir das vermutet haben.“ Zudem hätten Baumexperten das Verfahren gelobt.

Für Baumpfleger Manuel Schuster ist das Verfahren nicht neu. Seit Bäume stärker wertgeschätzt werden, spielt ihr Erhalt eine größere Rolle. „In Städten ist oft die erste Frage, wie es gelingt, Bäume stehen zu lassen“, berichtet der Mann aus Dülmen am Rande der Arbeiten. Zunehmend werde auch im ländlichen Raum nicht nur die Kettensäge gefragt.

Weil die Gemeinde Ascheberg den gemeinsamen Fuß- und Radweg in einen reinen Fußweg umwandelt und für die Radler eine Spur auf der Fahrbahn einzeichnen wird, muss die Fahrbahn breiter werden. Damit rückt sie näher an die Lindenallee heran. Früher wäre vermutlich eine Reihe gefällt worden. Jetzt gibt es die Premiere des Saugbaggers in Ascheberg. Er wird eingesetzt, um die Wurzeln der Bäume schonend freizulegen. „Man kann das mechanisch machen, dann leiden die Wurzeln besonders stark. Es geht von Hand, was sehr lange dauert. Der Saugbagger hat sich als besonders praktikabel herausgestellt“, erklärt Schuster. Das Erdreich wird wie mit einen großen Staubsauger entfernt, so dass die Wurzeln freigelegt werden. Schuster prüft sie und behandelt Schadstellen. Dann wird der Bereich mit einem Substrat aufgefüllt. Dabei ist man Baum für Baum vorgegangen, denn die Wurzeln sollen nicht zu lange frei liegen. Bei den aktuellen Temperaturen dürften sie auf keinen Fall nachts offen bleiben. Zwischen den Bäumen wird ein ausgehobener Graben geschottert. Darauf werden Stahlplatten verlegt. Die Schotterstellen halten die Platten so, dass an den Bäumen kein Druck auf die Wurzeln entsteht. Sie können sich weiter entwickeln. Bei einem ähnlichen Projekt hat Schuster schon nach zwei Monaten im Substrat ein gutes Wurzelwachstum beobachtet.

Für das Auflegen der Stahlplatten wird ein Teil der Deckschicht abgefräst. Später wird eine neue Schicht über die bisherige Straße und die Stahlplatten gezogen.

Beim WN-Gespräch ist Schuster bei Bäumen auf der Seite zum Friedhof beschäftigt. „Auf dieser Seite tun wir den Bäumen etwas gutes, denn mit dem Substrat wird die Bodenqualität deutlich besser“, erklärt der Baumpfleger. Dass der Streifen zwischen Fahrbahn und Fußweg schmaler wird, schadet den Bäumen aus Sicht des Experten nicht: „Die Wurzeln werden genug Wasser bekommen.“

In der nächsten Woche wird Schuster für den ersten Abschnitt noch einmal nach Ascheberg kommen: „Es gibt zwei Bäume, bei denen mehr Wurzeln als erwartet waren. Die müssen noch bearbeitet werden“, sagt der Experte. Für eine Prognose, wann der erste Bauabschnitt fertig ist, ist es noch zu früh. Inzwischen haben auch die meisten Verkehrsteilnehmer begriffen, dass es kein Durchkommen gibt, der Rad- und Fußweg aber frei ist.

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