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Umfrage bei Chören und Kapellen

Coronavirus macht Musik zur Gefahr

Ascheberg

Musik liegt der Luft – leider gelangen beim Musikmachen auch viele Aerosole in Luft. Und das vergrätzt Chören und Kapellen das Hobby. Fast alle Proben sind seit Mitte März gestoppt, Veranstaltungen abgesagt. Nur auf einem Hof ist Musik zu hören.

Theo Heitbaum

Musik und Corona Foto: Theo Heitbaum

Ist musizieren gefährlich? Wer bisher nicht auf die Idee gekommen ist, mit „ja“ zu antworten, der wird durch Covid 19 eines Anderen belehrt: Die Aerosole machen Chorgesang und Blasmusik zum gefährlichen Hobby. Denn es liegt ausnahmsweise nicht Musik in der Luft, sondern es schwebt dort das Virus. Deswegen gelten für diese Musikgruppen ganz besondere Abstandsregeln. In der Gemeinde Ascheberg ist es darum bei den meisten Musikern seit Mitte März still.

1,5 Meter nach links und rechts, sechs Meter nach vorne und hinten – das sind die Abstände, die von Blasmusikern eingehalten werden müssen. „Solange wir nicht im kleinen Keller üben dürfen, werden wir nicht proben“, stellt Irmgard Messner für die Blaskapelle Schwartländer fest. Man sei sich einig, dass der Gesundheitsschutz an erster Stelle stehe. Gangbare alternative Auswege habe die Gruppe nicht gefunden. Am Ende liege die Verantwortung bei einer Infektion beim Vorstand: „Die mag ich nicht tragen“, sagt Messner.

Einen Ausweg haben die Jagdhornbläser des Hegerings und die Blaskapelle Ascheberg gefunden. Sie proben auf dem Hof Zobel in Rinkerode. „Wir haben 600 Quadratmeter Hof. Da kann man die Abstände gut einhalten“, berichtet Claus Zobel, der die Jagdhornbläser leitet und in der Blaskapelle Trompete spielt. Mit den Jagdhornbläsern sei man im Sommer ohnehin über die Höfe gezogen. Darauf verzichte man jetzt, denn es müsse immer geprüft werden, ob es möglich sei, Abstand zu halten.

Verantwortung ist für Vorstände zu groß

Die Freude beim ersten Wiedersehen sei groß gewesen, erklärt Zobel. Gefühlt hätten alle Musiker bis Ostern allein geprobt und es dann langsamer angehen lassen. Darunter habe der Ansatz gelitten. „Meine Muskulatur hat nachgelassen“, beschreibt Johannes Waldmann von den ebenfalls probenlosen Davensberger Turmbläsern diesen Aspekt.

Bis auf eine Autoprobe hat der Spielmannszug der Kolpingsfamilie Ascheberg seit vier Monaten Pause. „Das war natürlich ein Riesenspaß“, erinnert sich Torsten Hohenhövel gerne an dieses Ereignis. Die Spielleute seien bemüht, ihren Nachwuchs bei der Stange zu halten: „Wir haben für ihn ein Zeltlager geplant“, informiert Hohenhövel. Einmal hat sich der Spielmannszug auf Abstand gesellig zusammengesetzt. Die Kameradschaft vermisst Hendrik Wenner vom Kolpingspielmannszug Herbern neben der Musik denn auch besonders: „Wir haben auch unseren Ausflug nach Dietramszell, wo wir mit einer Musikgruppe befreundet sind, abgesagt.“

Abstände sind kaum einzuhalten

Bei den Chören hat sich seit dem Lockdown nichts getan. „Wir haben es im Pfarrheim einmal mit dem Zollstock ausgemessen, wie es aussieht. Es sind drei Meter Abstand nötig, zur Chorleiterin sogar vier Meter. Da würden wir sechs bis acht Leute unterbekommen“, berichtet Susanne Wierling vom Kirchenchor St. Lambertus Ascheberg. Unter diesen Vorgaben ist weder die Chorgemeinschaft Davensberg aktiv, noch der Kirchenchor St. Benedikt Herbern. „Wir haben uns zwei Mal gesehen, aber nicht gesungen“, berichtet Elke Niesmann aus Herbern. Gleiches gilt für die White Sox in Ascheberg. „Unter den Bedingungen macht es keinen Sinn. Bei den Abständen, die einzuhalten sind, würde es nicht nach Chor klingen“, sagt Vorsitzender Christian Lütkenhaus. Einig sind sich die Verantwortlichen, dass Chorproben durch ein Solo unter der Dusche nicht zu kompensieren sind.

Alle Gruppen sind gespannt auf die Situation nach den Sommerferien, denn dann wird in den meisten Gruppen die Lage neu bewertet und nach Möglichkeiten für Proben gesucht. „Vielleicht müssen wir es in kleineren Gruppe probieren“ gibt Niesmann einen Gedanken wieder.

Das Proben ist ohnehin nur ein Aspekt. „Unser Konzert im Frühjahr ist ausgefallen“, berichtet Messner für die Blaskapelle Schwartländer. Alle Gruppen, die Corona den Marsch blasen könnten, vermissen die Schützenfestsaison. „Vielleicht geht etwas beim Lambertusspiel oder Martinszug“, hofft Hohenhövel für den Spätherbst. Andere setzen auf Adventskonzerte. Die Jagdhornbläser werden während der Jagdsaison gebraucht. „Das ist draußen und kein Problem“, sagt Zobel. Aber auch seine Gruppe droht ein Verlust: „Die Hubertusmesse in St. Lambertus ist für uns ein Höhepunkt. Ich bin gespannt, ob wir sie spielen können. Ein Verzicht würde weh tun.“

Manfred Hölscher, Kapellmeister der Ascheberger Bläser und auch beim dem SuB-Express unterwegs, verweist auf einen ganz schlanken Terminkalender: „Bei mir sind es 35 Auftritte, die wegfallen.“

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