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Dabbelts Windrad in Ascheberg wird abgebaut

Das Ende des Unikats im Westen

Ascheberg

Windräder in der Gemeinde Ascheberg? Fehlanzeige! Wer jetzt protestiert, dass es doch ein kleines Windrad am Hof Dabbelt in der Westerbaur gibt, der irrt. Seit Dienstag.

Von Theo Heitbaum

Der Abbau des Windrades begann am Dienstag mit dem Aufbau des Kranes. Foto: Ann-Christin Frank

Die Familie Dabbelt hat sich wegen des Totalschadens im Rotorkopf ihres Windrades zum Abriss der Anlage entschieden. Das Unikat im Ascheberger Westen wurde am Dienstag bis auf den unteren Teil bereits abgebaut. Wenn Paul Dabbelt einen Schlussstrich unter die Anlage zieht, dann wird darunter stehen: „Das hat sich für uns und die Umwelt gelohnt!“

Der Abriss des Windrades war ein Abschied mit Ansage. „Wir haben es seit dem vergangenen Sommer nur drehzahlreduziert mit 20 Prozent Leistung betreiben können. Dann kam der Totalschaden“, berichtet der Besitzer. Er hat natürlich zuerst die Reparatur-Option durchgespielt. Dazu hätten Fachfirmen den kompletten Rotorkopf austauschten müssen. „Das rechnet sich bei der Anlage nicht mehr“, hat Dabbelt die Wirtschaftlichkeit fest im Blick. Dafür wären fünf bis sechs störungsfreie Jahre nötig gewesen. Der Betreiber, der 2015 die Rotorblätter ausgetauscht hatte, entschied sich dagegen. Deswegen ging der Auftrag an eine Rückbaufirma heraus. Denn ein Spiel auf Zeit, das Rad stehen zu lassen und es bei günstiger Preisentwicklung für die Reparatur doch noch wieder ans Laufen zu bringen, kam für Dabbelt nicht in Frage: „Wir wollten damit abschließen.“

Was am 29. Oktober 1999 mit einem Kraneinsatz in der Westerbauerschaft begann, wurde am Dienstag mit Hilfe eines großen Krans beendet. Er hob mittags den vorderen Teil des Rotorkopfes mit den Blättern nach unten. Es folgten das hintere Stück des Rotorkopfes und zwei von drei Teilen des Turms. Der untere Teil erwies sich als widerspenstig. „Sie haben mit 32 Tonnen Kraft von oben gezogen und mit je 100 Tonnen zu zwei Seiten. Das hat noch nicht geklappt“, berichtet Dabbelt. Die Einspeisestation bleibt erhalten, weil der Hof darüber den Strom für die Hähnchenställe bezieht.

Infos zum Windrad

Paul und Margret Dabbelt haben seit April 2000 Strom produziert. Am 29. Oktober 1999 hatte ein Kran das Windrad auf dem zweithöchsten Punkt (75 Meter über Normalnull) im Ascheberger Außenbereich aufgestellt hatte. Die Nabenhöhe lag bei 65 Metern. Jedes der drei Rotorblätter maß 21,30 Meter, zeigte ein Blatt senkrecht nach oben war das Windrad also 87 Meter hoch. Die maximale Leistung lag bei 600 Kilowattstunden.

Der Hofbesitzer räumt ein, dass der Rückbau des Windrades teurer wird, als er es zu Beginn angenommen hat. Froh ist er, dass nicht schon im Herbst Nägel mit Köpfen gemacht wurde: „Der Turm ist aus Stahl und der Schrottpreis ist stark gestiegen. Ich bekomme jetzt 20 000 Euro mehr für die Teile als im Herbst 2020.“ Die Rotorblätter werden übrigens von einer Fachfirma im Kreis Borken so recycelt, dass sie später als Zement genutzt werden können.

Nach 20 Jahren war das Windrad übrigens überprüft worden. Mit dem dort erlangten Bestandsschutz wäre es möglich gewesen, die Anlage bis zum Jahr 2039 zu betreiben. Die Technik hatte etwas dagegen.

Dabbelt hat überlegt, ein neues Windrad zu bauen. Nach den Anfragen ist er aber überzeugt, dass „ein neues Rad nicht genehmigt worden wäre.“ In Zeiten der Windriesen, die mit der dreifachen Höhe daherkommen, gehörte das einzige Ascheberger Windrad zu den Kleinanlagen. Paul Dabbelt hat dazu auch Zahlen parat: „Wir haben in 21 Jahren etwa 18 Millionen Kilowattstunden Strom produziert. Das schafft eine große Anlage heute in einem Jahr.“ Im Vergleich zum Steinkohlekraftwerk (800 Gramm CO2 pro Kilowattstunde) wurden 14 400 Tonen CO2 eingespart.

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