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Ringelschwänze erhalten

Der Ball im Stall reicht alleine nicht

Ascheberg

Wie lassen sich Ringelschwänze erhalten? Schweinehalter aus Deutschland tauschen sich dazu regelmäßig aus, am Dienstag auf dem Hof Selhorst in Forsthövel.

Theo Heitbaum

Schweine mit Ringelschwänzen sind für die Mäster eine besondere Herausforderung. Benedikt und Christoph Selhorst empfingen gestern Projektteilnehmer aus Deutschland, um Erfahrungen auszutauschen. Foto: hbm

Wenn das Schwänzchen sich kringelt, ist das Schwein glücklich. Geht ein Mäster durch den Stall, muss er in der Regel aber auf dieses Indiz für das Wohlbefinden der Tiere verzichten. Denn Schweineschwänze werden wenige Tage nach der Ferkelgeburt kupiert. Muss das sein?, fragen nicht nur Tierschützer, sondern zunehmend auch die Landwirte selbst. Benedikt und Christoph Selhorst aus der Bauerschaft Forsthövel können die Laune eines Teils ihrer Mastschweine am Ringelschwanz ablesen. Sie nehmen an einem bundesweiten Modell- und Demonstrationsvorhaben zum Tierschutz teil. Gestern waren Teilnehmer aus dem gesamten Bundesgebiet bei Selhorst zu Gast, um Erfahrungen auszutauschen und neue Maßnahmen anzudenken.

„Demonstrationsbetrieb Tierschutz“ steht auf einem orangefarbenen Schild des Hofes Selhorst. Der Schweinemäster bringt westfälische Farben in einer Runde ein, die von Flensburg bis tief in den Süden geht. Aus unterschiedlichen Umfeldern sollen Maßnahmen entwickelt werden, die einen Kupierverzicht ermöglichen. Angesichts des wirtschaftlichen Drucks auf vielen Höfen, müssen Lösungen ökonomisch vertretbar sein.

Schweine und Spielzeug

Kupiert wird, um dem Kannibalismus im Schweinestall zuvorzukommen. Die Versuchsbetriebe sind schon zu dem Schluss gekommen, dass große Gruppen und Ringelschwänze schlecht zusammen passen. Wenn in einer Gruppe das Schwanzbeißen beginne, sei es schwer aufzuhalten. Andersherum bemühen sich die Schweinemäster, die Tiere über Füttern oder Halten erst gar nicht auf die Gedanken kommen zu lassen, Kollegen anzuknabbern. Mit den Maßnahmen möglichst viele Tiere zu erreichen, spräche aus wirtschaftlicher Sicht für größere Gruppen.

Benedikt Selhorst

„Wir probieren es mit deutlich weniger Spielzeug in den Abteilen aus als andere Teilnehmer des Projektes“, berichtet Benedikt Selhorst auf einer Stallrunde. Man habe beobachtet, dass solches Spielzeug anfangs interessant sei, mit der Annahme des Stallgeruchs aber an Attraktivität verliere. Die Folge: Die Schweine wenden sich wieder gegenseitig zu, der Ball im Stall landet in der Ecke.

Schweine mit Ringelschwänzen sind für die Mäster eine besondere Herausforderung. Foto: hbm

Besonderheit in Forsthövel: Dem Futter wird Maissilage beigemischt. Mit Fasern in ihren Mahlzeiten, sind die Tiere länger beschäftigt, was eine einfache Methode ist, für die nicht alles auf den Kopf gestellt werden muss. Durchschlagenden Erfolg bringt das System aber nicht. So sind in einem Abteil zwei Ringelschwänze abgebissen worden, obwohl die Bedingungen mit den Abteilen nebenan identisch sind.

Hoffnung für die Ringelschwänze?

Und beim Kopieren der Idee sind die Teilnehmer aus dem Süden als Selbstmischer des Futters in der Lage, selbst Einfluss zu nehmen, der Norden mit dem Kauf von Fertigfutter hat eine begrenztere Einflussmöglichkeit. Allein dieses Beispiel zeigt, wie wichtig der Austausch zwischen unterschiedlichen Ländern bei diesem Tierschutz-Vorhaben des Bundesministeriums für Ernährung und Landwirtschaft und der Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung ist.

Eine der Idee aus der späteren Herdfeuerrunde lautet, über Zusatzschläuche einmal in der Stunde für kurze Zeit Wasser tropfen zu lassen. Ein Teilnehmer des Versuchs experimentiert gerade mit einer Matte auf den Spaltenböden. Spätestens im Sommer will er Antworten auf die Fragen, ob die Matte sauber bleibt und ob sie zum Suhlen genutzt wird, haben. So tastet sich die Runde an Lösungen heran ohne vielleicht das Patentrezept zu finden.

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Was macht Hoffnung für die Ringelschwänze? Neben dem Kupieren von Schwänzen ist und war die Kastration von männlichen Ferkeln ein wichtiges Tierschutzthema. Aus Sorge vor dem sogenannten Ebergeruch, wurden Eberferkel kastriert. Vor dem Hintergrund neuer Vorschriften ist die Ebermast auf dem Vormarsch. Im Betrieb Selhorst ist das schon selbstverständlich geworden. Der Ferkellieferant des Hofes in Forsthövel muss die Tiere nicht mehr kastrieren.

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