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Alternde Bevölkerung braucht mehr Pflege

Der Bedarf steigt und steigt

Ascheberg

Im Jahr 2034 werden laut Prognose 1032 Hochbetagte in der Gemeinde Ascheberg leben. Damit steigt der Bedarf an Pflegeplätzen kontinuierlich an. Aktuell mangelt es insbesondere an Kurzzeit-Pflegeplätzen. Genau diese sind für die Betreiber von Altenheimen nicht gerade attraktiv.

Von Beate Nießen

Während der Anteil der Menschen ab dem 65. Lebensjahr in Ascheberg stetig zunimmt, wird die Gruppe der 20- bis 64-Jährigen immer kleiner. Doch gerade diese sind als mögliche Pflegende – professionell oder als Angehörige – von großer Bedeutung. Foto: Pflegebedarfsplanung

Immer mehr Menschen in Deutschland erreichen ein immer höheres Alter. Eigentlich eine gute Nachricht. Wären da nicht zwei gewichtige Nebenerscheinungen, die Grund zur Sorge geben: Erstens bedeuten immer mehr Hochbetagte auch immer mehr Menschen mit Pflegebedarf. Und zweitens sinkt bei uns zeitgleich der Anteil der Menschen, die diese Pflegebedürftigen versorgen könnten. Da geht eine Schere immer weiter auseinander.

Das lässt sich auch sehr eindrücklich am Balkendiagramm zur Altersstruktur der Ascheberger Bevölkerung ablesen, das Randi Wellkamp vom Kreis Coesfeld jüngst im Fachausschuss der Gemeinde präsentiert hat. „Wenn Sie sich die grauen und die orangefarbenen Balken anschauen, erkennen Sie sofort, dass die Zahl der über 65-Jährigen in Ascheberg stetig steigt, während im gleichen Zeitraum der Anteil der Menschen zwischen 20 und 64 Jahren sinkt“, so Wellkamp. Doch genau diese zweite Gruppe sei es, die für eine pflegende Tätigkeit in Betracht käme, ob nun als Angehörige oder als gelernte Fachkraft.

Deutliche Herausforderung für die Zukunft

Laut den Daten des Kreises steigt der Anteil der über 65-Jährigen in Ascheberg bis zum Jahr 2034 auf 27,1 Prozent (Stand 2019: 19,5), also auf mehr als ein Viertel der Bevölkerung, während zeitgleich der Anteil der 20- bis 64-Jährigen auf 52,3 Prozent (Stand 2019: 60,2) absinkt. Noch drastischer sehen die Veränderungen bei den Menschen aus, die 80 Jahre oder älter werden. Hier steigt die Zahl in Ascheberg um knapp 20 Prozent, von 864 im Jahr 2019 auf 1032 prognostizierte Hochbetagte im Jahr 2034. Wobei der höchste Anstieg im Ascheberger Ortskern zu verzeichnen ist (plus 22 Prozent), gefolgt von Herbern (plus 18,8) und Schlusslicht Davensberg (plus 11). „Wenn man dann bedenkt, dass rund 13,5 Prozent aller Menschen ab dem 75. Lebensjahr zumindest den Pflegegrad 1 haben, wird die Herausforderung für die Zukunft noch deutlicher“, ergänzt Wellkamp das Bild.

Dennoch möchte die Fachfrau die Pflegesituation in Ascheberg nicht allzu düster malen. Die Gemeinde liege zwar bei der Versorgung mit stationären Pflegeplätzen kreisweit eher im unteren Mittelfeld. Allerdings müsse der Neubau des St.-Lambertus-Altenheims (die WN berichteten) mit einem Plus von elf Plätzen sowie die überdurchschnittlich gute Versorgung Aschebergs mit Plätzen in ambulant betreuten Wohngruppen als auch in der Tagespflege bei der Gesamtschau mitbetrachtet werden. Dazu komme, dass man im Ascheberger Rathaus beim Thema Pflege ausgesprochen offen und konstruktiv agiere. Nicht umsonst laufe auch ausgerechnet hier seit einigen Monaten das Pilotprojekt zu einer aufsuchenden Pflege (die WN berichteten). „Und was wir bisher hören, wird dieses Angebot sehr gut angenommen.“

Plätze für Kurzzeitpflege sind Mangelware

Nicht ganz so rosig sieht es allerdings beim Thema „Kurzzeitpflege“ aus. Dieses gerade für die Entlastung pflegender Angehörige so wichtige Instrument sei für die Betreiber von Altenheimen leider nicht sehr attraktiv. Dauerhafte Plätze für die Kurzzeitpflege müssten quasi auf Abruf vorgehalten werden. Das führe zu einem schwer zu kalkulierenden finanziellen Risiko. „Stattdessen arbeiten viele Betreiber lieber mit sogenannten eingestreuten Kurzzeitpflegeplätzen“, so Wellkamp. Diese müssten nicht zwingend frei gehalten werden. Nachteil: Viele dieser Plätze stünden de facto nicht kurzfristig zu Verfügung, weil sie dann doch mit Bewohnern belegt würden, die über einen längeren Zeitraum dort blieben.

Die Notwendigkeit für eine zusätzliche größere stationäre Senioreneinrichtung sieht Wellkamp für Ascheberg derzeit dagegen nicht. „Das geben die Zahlen nicht her.“ Aber speziell für Davensberg könnte sie sich eine betreute Wohngruppe gut vorstellen. „Diese wohnortnahen und eher kleinen Einrichtungen sind gerade für Ortsteile wie Davensberg eine gute Alternative für eine stationäre Versorgung.“

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