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Verlassene Plätze

Die Studio-Fitness bleibt auf der Strecke

Ascheberg

Es herrscht absolute Stille. Die Plätze an den Geräten sind leer. Die Geräuschkulisse, die während des Trainings entsteht, wird von Ruhe überdeckt. Seit dem 2. November.

Tina Nitsche

Joshua Köhne, Inhaber des Ascheberger Kraftclubs, und Trainerin Anja Grund-Mohs lassen sich von der schweren Zeit nicht unterkriegen. Sie sind kreativ und haben die digitalen Wege erschlossen. Foto: Tina Nitsche

Es herrscht absolute Stille. Die Plätze an den Geräten sind leer. Die Geräuschkulisse, die während des Trainings entsteht, wird von Ruhe überdeckt. „Seit 2. November ist hier der absolute Stillstand“, sagt Joshua Köhne, Inhaber des Ascheberger Kraftclubs. Und noch weiß er nicht, wann er wieder loslegen darf. Sein Unternehmen gleicht derzeit einem „Lost Place“. Doch im Hintergrund, „da läuft alles weiter“. Ob es die Kosten für Versicherungen, Mieten oder Darlehen sind, die Liste ist lang. „Wobei uns der Vermieter entgegengekommen ist“, ist Köhne sehr dankbar.

Die Gerätehersteller sind da eher nicht so kulant. „Zumindest, was die Zahlungen angeht, dafür unterstützen sie auf andere Weise.“ Mit Webinaren und jeder Menge Tipps helfen sie den Fitness-Studiobetreibern Kontakt zu den Kunden zu halten.

Situation zerrt an den Nerven

Dennoch zerrt der derzeitige Zustand an den Nerven. „Und ja, man hat Ängste“, gibt Joshua Köhne zu und ergänzt: „Ich glaube sonst wäre man betriebsblind. Man muss mit der Situation umgehen können.“ Sie beschränkt sich bei ihm jedoch nicht nur auf die zahlentechnische Seite, sondern vor allem auch auf die soziale Komponente. Was das Finanzielle angeht, „da geht es uns wie vielen anderen. Von den Novemberhilfen ist lediglich ein kleiner Abschlag erfolgt, mehr nicht.“

Homeoffice gefährdet den Rücken

Doch Sorgen macht sich Joshua Köhne auch um seine Mitglieder. Da gibt es schließlich Menschen, die fachkundige Anleitungen bei Rehasportmaßnahmen benötigen. „Und ein zwölfstündiger Homeoffice-Tag ist heute leider auch keine Seltenheit mehr.“ Eine harte Belastungsprobe vor allem für die Rückenmuskulatur. „Die Muskeln verkürzen im Homeoffice, speziell die sogenannten Hüftbeuger, die an den unteren Wirbeln ansetzen. Das kann dann auch schnell zum Bandscheibenvorfall führen“, erklärt der Fachmann. Und trotz Corona versucht er zu helfen. Wie? Auf digitalem Wege. „Da haben wir uns im Laufe des Corona-Jahres richtig viel angeeignet und bieten via Zoom mittlerweile sogar Personal Training an.“

Trainerin Anja Grund-Mohs geht kurz näher darauf ein. „Auf diese Weise trainieren wir eins zu eins und können dann auch individuell korrigieren, wenn es nötig ist. Denn die Bewegungen müssen richtig ausgeführt werden, damit der gesundheitliche Aspekt gegeben ist.“ Der digitale Aspekt ersetzt zwar nicht die soziale Komponente, „aber zumindest können wir präventiv mit unseren Mitgliedern arbeiten.“

Sorge um die Psyche von Kindern und Jugendlichen

Das Corona-Jahr hat nicht nur dem Kraftclub-Betreiber eine ganze Menge abverlangt. Der Weg, den er und sein Team beschreiten mussten, ist alles andere als leicht. „Es kommt eben auch immer darauf an, was man daraus macht“, sagt Köhne. Die Kreativität spielt nicht nur bei ihm eine Rolle. „Doch es ist schön zu sehen, dass es in jeder Situation verschiedene Wege gibt.“ Wie lange es dauert, bis wieder Normalität in seinen beruflichen Alltag zurückkehrt, vermag er nicht zu sagen. Er kann die Menschen nur ermuntern, für das eigene Wohlbefinden der sportlichen Grundlage zu frönen. „Radfahren und Spazierengehen. Gezielte Dehnübungen und Muskeltraining sollte unter Anleitung erfolgen“, macht er deutlich.

Was ihm ferner Sorgen bereitet ist die Psyche vor allem von Kindern und Jugendlichen in der Pandemiezeit. „Den jungen Menschen wird da ganz viel genommen und das macht etwas mit der Psyche. Sport wäre ein Gegenmittel. Der Lockdown fördert jedoch die Bewegungsarmut bei jungen Menschen, und die darf man auf keinen Fall an den PC und die Konsolen verlieren“, warnt er. Köhne liebt seinen Beruf. Und genau deshalb macht er sich auch Gedanken, stellt sich die Frage: Wie geht es dem anderen? Noch stehen seine Geräte still. Aber für ihn steht jetzt schon fest, dass „wir nach der Öffnung noch mehr, gerade auch speziell für jüngere und ältere Menschen anbieten und die neuen digitalen Möglichkeiten mit in den Berufsalltag einbauen.“

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