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Heinz Rogge hat nach dem Zweiten Weltkrieg Tagebuch geschrieben

Ein junger Mann in schwerer Zeit

Ascheberg/Herbern

Der 2014 verstorbene Heinz Rogge hat mit seinen Tagebüchern aus Mitte der 1945er Jahre der Nachwelt ein einzigartiges Zeitdokument erhalten. Die Aufzeichnungen um Hunger und Angst, von Sonntagsbraten und Hoffnung hat Egon Zimmermann in dem Buch „Rogge – ein junger Mann sucht seinen Weg in schwierigen Zeiten“ zusammengefasst.

Theo Heitbaum

Die Tagebücher von Heinz Rogge hat Egon Zimmermann gelesen, bearbeitet und einen umfangreichen Auszug als Buch veröffentlicht. Foto: iss

Krieg aus, Frieden an! Geschichtsbücher fassen Historie zusammen. Von den Gräueln des Zweiten Weltkriegs geht es oft nahtlos zum Wirtschaftswunder über. Der Alltag der Menschen war viel langsamer. Heinz Rogge hat ihn als junger Mann in Herbern erlebt und niedergeschrieben. Die Tagebücher von Hunger und Angst, von Sonntagsbraten und Hoffnung hat – wie berichtet – Egon Zimmermann in einem Buch zusammengefasst. Es ist nicht nur für geschichtsbeflissene Menschen eine tolle Lektüre, es ist auch für Schüler mehr als lesenswert. Denn es geht hinein in eine Zeit ohne Handy und Computer, ohne Fernsehen und Eltern-Taxi. Mitte 1945 möchte Heinz Rogge probieren, wie es mit dem wieder zurückgekehrten Zügen läuft: „Er ist überfüllt, nur zwei von 40 Personen kamen mit.“ Da wird selbst die Eurobahn in ihren schlechtesten Phasen zum puren Luxus.

Heinz Rogge, später Rettungssanitäter in Ascheberg, Mitglied des Gemeinderates und freier Mitarbeiter von Zeitungen, interessiert sich für das Leben im Dorf, aber auch das Geschehen in Deutschland. Er dokumentiert mit einem ausgeschnittenen Zeitungsbericht das Ergebnis der ersten Kommunalwahl nach dem Krieg. Da, wo es dem Christdemokraten und Vereinsmenschen wichtig erschienen ist, hat er zur Schere gegriffen, Texte ausgeschnitten und eingeklebt.

Rogge ist ein Sportplatzgänger und weiß, wie es um den SV Herbern bestellt ist. Auswärtsfahrten und Daumendrücken inklusive. Er spielt Theater und weiß auch sonst sich trotz junger Jahre in Gesellschaft in Szene zu setzen. Es gibt immer wieder Anlässe, sich in geselligen Runden zusammen zu setzen. Und der Mann, der zwischendurch zum Alleinunterhalter mutiert, heißt Heinz Rogge.

In dem Tagebuch ist dokumentiert, wie die Menschen aus dem Dorf Wegesränder in den Bauerschaften für die Heuernte aufgeteilt haben. Rogge beschreibt seine amourösen Avancen. Mal spricht er von einem lieben Mädel, dann sorgt er sich, dass sie zu viel von ihm will. Bei Tanzkursen und Abschlussbällen vertraut er dem aktuellen Büchlein voller Stolz an: „Habe mit allen getanzt.“

Es ist nicht selbstverständlich genug zu Essen zu haben. Sätze wie „Wie werde ich in fünf Jahren leben? Vielleicht glücklicher oder hundertmal schlechter wie jetzt“, zeigen die Spannweite zwischen Hoffen und Bangen. Oder eine Szene in der der junge Heinz am Abendtisch überlegt, ob er sich trauen soll, um noch eine Schnitte Brot zu bitten. Oder ist das schon unverschämt?

Rogge berichtet vom aktiven Mitmachen bei den Bürgerschützen und dem Einstieg in die Politik über die Junge Union. Die Bücher berichteten von einer intensiven Zeit. Da wird bis 24 Uhr mit den Wahlhelfern bei Spetsmann bei einem Bier heftig diskutiert. Am nächsten Morgen trägt Heinz um 6.30 Uhr die Fahne, 11 Uhr ist er am Sportplatz, 14 Uhr bei Gertrud, dann Kino mit dem WM-Finale 1954, 22 Uhr zurück in Herbern, zum Gesellenfest, tanzen mit Luise, 2 Uhr morgens zu Hause.

Elf Tagebücher hat Egon Zimmermann für das Buch „Rogge – ein junger Mann sucht seinen Weg in schwierigen Zeiten“ verarbeitet. Es ist bei Angelkort zu haben. Der Protagonist wurde am 23. August 1930 an der Rankenstraße geboren. Er starb am 1. Januar 2014 nach längerer Krankheit im Alter von 83 Jahren.

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