Herberner Abwasser wird über 9,5 Kilometer nach Ascheberg gepumpt

Ein Rohr findet seinen Weg

Ascheberg

Den Willen, Herberner Abwasser in Ascheberg klären zu lassen, hat der Rat der Gemeinde vor drei Jahren bekundet. Der Weg für die Druckrohrleitung ist inzwischen gefunden und fast wasserdicht.

Von Theo Heitbaum

Die Kläranlage am Steenrohr in Ascheberg wird mittelfristig auch das Abwasser aus Herbern klären müssen. Foto: Theo Heitbaum

Vor drei Jahren hat der Ascheberger Gemeinderat beschlossen, die Kläranlage in Herbern aufzugeben. Das Abwasser aus dem Ort soll mit einer Druckrohrleitung zur Kläranlage Ascheberg gepumpt werden. Von Beginn an war klar, dass die Pläne Zeit benötigen, denn die Anlagen am Herberner Immelbrink und Ascheberger Steenrohr liegen rund neuneinhalb Kilometer auseinander. Die Trasse zwischen ihnen zu finden und nutzbar zu machen, gehörte zu den aufwendigsten Planungen. Das beauftragte Ingenieurbüro sollte zudem möglichst viele öffentliche Flächen einbeziehen.

Pläne erstmals öffentlich

Für die Sitzung des Bau- und Planungsausschusses am Donnerstag hat die Verwaltung die Pläne erstmals öffentlich gemacht. Auf sechs Kilometern liegt das Rohr unter Wirtschaftswegen, Banketten und anderen öffentlichen Flächen. 3,5 Kilometer mussten über privaten Grund geführt werden. Im Sommer 2019 wurde diese Trasse nichtöffentlich beschlossen. In der Folge, so die Verwaltung, sei es darum gegangen, mit den Grundstückseigentümern eine Grunddienstbarkeit zu vereinbaren. „Gefühlt habe ich anderthalb Jahre daran gearbeitet. Das waren intensive Gespräche, ich selbst habe mit allen Beteiligten gesprochen“, berichtet der gemeindliche Tiefbau-Ingenieur Christian Scheipers. Bis auf eine kurzes Stückchen sei jetzt alles umsetzungsreif: „Wir können dieses Jahr ausschreiben.“

Bei einigen öffentlichen Flächen mussten Behörden gefragt werden. So hat die Autobahngesellschaft Ende April zugestimmt, dass die Druckrohrleitung auf einer Länge von 60 Metern in einer Tiefe von fünf Metern mit einem Horizontalspülverfahren unter der Autobahn durchgeführt werden darf.

Kapazität der Ascheberger Kläranlage

Die Kläranlage Ascheberg ist mit einer genehmigten Ausbaugröße von 18 000 Einwohnerwerten bemessen. Sie werden durch Addition der tatsächlich angeschlossenen Einwohner und des rechnerisch ermittelten Gewerbeanteils ermittelt. Aktuell ist die Anlage mit 13 000 bis 14 000 Einwohnerwerten ausgelastet. Die Kläranlage Herbern hat eine Ausbaugröße von 6000 Einwohnerwerten, von denen 4000 bis 5000 ausgelastete sind. Mit der Betriebsaufgabe der Kläranlage Herbern und dem Anschluss an die Kläranlage Ascheberg wird sie ihre genehmigte Kapazitätsgröße erreichen. Bei unerwarteten Ereignissen wird die Einhaltung knapp werden. Weil die Gemeinde zudem wachsen möchte, muss die Anlage am Steenrohr erweitert werden.

Die Ingenieure haben in der Zwischenzeit errechnet, dass ein 28 Zentimeter dickes Rohr verwendet werden muss, wenn das Entsorgen des Abwassers in Herbern für Jahrzehnte sicher sein soll. Klar ist, dass die Arbeiten abschnittsweise erfolgen, um Rücksicht auf Brut- und Nistzeiten zu nehmen. In einem ersten Schritt wird der Boden in Kürze sondiert. Die Ergebnisse werden in einem Bodengutachten festgehalten.

Die Verwaltung spricht von einem minimalen Eingriff in die Natur und die Landschaft. Nach aktuellem Stand müssten keine größeren Gehölze oder Heckenstrukturen entfernt werden. Trotzdem sei ein landschaftspflegerischer Begleitplan entwickelt und mit der Unteren Naturschutzbehörde abgestimmt worden.

Auf die Reise geschickt wird das Herberner Abwasser von einem Pumpwerk, das am Immelbrink neu gebaut wird. Die Kläranlage dort wird anschließend teilweise zurückgebaut. Die Pläne dazu werden mit dem genauen Trassenverlauf in der Sitzung des Bau- und Planungsausschusses am Donnerstag (20. Mai) um 18 Uhr in der Sporthalle Nordkirchener Straße vorgestellt.

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