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Das Ende von Haupt- und Realschule

Ein würdiger Abschied

Ascheberg

Jetzt ist es offiziell: Gestern wurden Theodor-Fontane- und Realschule aus der Ascheberger Schullandschaft verabschiedet. Zuerst gab es hochoffiziell ein „Ade“ im Rathaus. Dann folgten die Wiedersehen ehemaliger Schüler der Schulen.

Theo Heitbaum, Anja Kleykamp und Isabel Schütte

Die Realschule wird noch eine Sonnenuhr als Erinnerung an die Schule aufstellen. Foto: hbm

Ein stiller Abschied, Schulgeschichte zugeklappt – nein, dass wollten weder die Gemeinde Ascheberg noch die Theodor-Fontane-Schule oder die Hauptschule. Deswegen endete das Kapitel gestern mit einem Dreiklang, zuerst mit einem Festakt im Rathaus, dann mit Feiern und einem großen Wiedersehen an den beiden Schulen.

Das Motto des Festaktes im Bürgerforum des Rathauses formulierte Moderator Sascha Klaverkamp gleich zu Beginn: „Beide Schulen haben einen würdigen Abschied verdient. Gemeinsam haben sie Tausenden von Kindern den Weg ins Leben geebnet. Heute ist ein Tag, um stolz auf das zu blicken, was geleistet worden ist.“

Bürgermeister Dr. Bert Risthaus sprach von einem Tag als Konsequenz alter Beschlüsse. Den Wandel habe die Gemeinde sich nicht gewünscht, aber im Sinne der Kinder und Jugendlichen sowie eines Angebotes vor Ort einleiten müssen. Der Bürgermeister dankte allen, die zum guten Erfolg beider Schulen beigetragen hatten. Dass neben einer rationalen Sicht der Dinge auch Emotionen im Spiel seien, könne er gut nachvollziehen: „Morgen besuche ich meine alte Realschule, die auch geschlossen wird.“

Astrid David erinnerte für die Realschule an die tiefen Wurzeln, die mit der Rektoratsschule in Ascheberger Boden gewachsen waren. Sie habe tolle Schülerinnen und Schüler und ein motiviertes Kollegium angetroffen. Gemeinsam dürfe man voller Stolz zurückblicken. „Für alle Kritiker hoffe ich, dass sie Frieden schließen mit der Entwicklung.“

Ilona Wiggermann hob das besondere Engagement für Kinder und Jugendliche hervor, deren Abholen manchmal nicht einfach gewesen sei. Die Arbeit mit ihnen habe aber viel Spaß gemacht. Ehemalige Schülerinnen und Schüler wiederzutreffen, die ihren Weg gegangen seien, mache glücklich. Und dass viele Jugendliche einen guten Weg gefunden hätten, bleibe als Verdienst der Schule zurück. „Bei uns hätte sogar Theodor Fontane den Abschluss geschafft“, brachte die Rednerin für die Theodor-Fontane-Schule das Verständnis des Kollegiums bis zum letzten Tag auf den Punkt.

Zu Wort kam auch noch einmal der frühere Rektor Josef Stroetmann, der während einer Talkrunde Informationen zum Realschulfenster gab. Zu den Gästen zählten auch andere Leiter der beiden Schulen.

„Das ist wirklich ein schöner Anlass, sich mal wiederzusehen“, freute sich Kornelia Abdinghoff abends an der Theodor-Fontane-Schule. Zahlreiche ehemalige Schüler sind erschienen, um gemeinsam noch einmal durch die Räume zu schlendern und bei Kaffee und Kuchen die Schulzeit Revue passieren zu lassen.

Als Andenken an die Schule enthüllt Johannes Stapelmann, Schulleiter von 1990 bis 2009, eine Skulptur. Da alle Schüler in der fünften Klasse das bekannte Gedicht „Herr von Ribbeck auf Ribbeck im Havelland“ auswendig lernen mussten, ist es eine Birnenskulptur. Ein Logo, das in nur einem Strich gezeichnet wurde, soll die Einheit von Seele, Körper und Geist abbilden. Das dazu passende Zitat von Theodor Fontane „Lerne Denken mit dem Herzen, lerne Fühlen mit dem Geist“ steht direkt darunter. „Das ist der Geist, den wir versucht haben, an dieser Schule zu leben“, erklärt Ilona Wiggermann. Sie wird nun in Pension gehen und findet: „Das ist heute ein ganz schöner Abschluss für mich.“ Sie sieht eine ehemalige Schülerin, die erst vor zwei Jahren ihren Abschluss gemacht hat und fragt sich: „Ob sie mir wohl „Hallo“ sagen wird?“ Kurze Zeit später umarmen die beiden sich.

Auch Johannes Stapelmann steht mit seinen ehemaligen Schülern am Tisch zusammen und schmunzelt: „Das war meine erste Klasse als ich von Bottrop hierher versetzt wurde. Da haben die sich wohl gedacht: Soll sich doch der Neue mit denen rumschlagen.“ Auch die Schüler geben zu: „Wir haben damals einen furchtbar schlechten Ruf gehabt. Und als wir Herrn Stapelmann mit seinem englischen Arztkoffer gesehen haben, mit dem er immer rumlief, dachten wir sofort: Den schaffen wir auch noch. Aber wir haben ihn nicht geschafft.“ Er habe die nötige Ruhe ausgestrahlt und sich für die Probleme seiner Schüler interessiert. Somit hat Stapelmann schnell einen Draht zu ihnen gefunden und freut sich, dass sich eine „sehr enge Beziehung aufgebaut hat.“ Einem Schüler, der partout kein Englisch lernen wollte, habe er stattdessen das Skatspielen beigebracht. „Es ist wichtig, die Schüler erst mal aufzufangen und sie als Menschen wertzuschätzen. An Englischlernen war sowieso nicht zu denken.“ Die alte Klasse von Lehrer Stapelmann, der Abschlussjahrgang von 1976, nutzte die Gelegenheit, um gleichzeitig das 40-jährige Klassentreffen zu feiern. Sie kommt regelmäßig alle fünf Jahre zusammen, um in Erinnerungen zu schwelgen. Und wo geht das besser als direkt an der alten Schule.

Das Ehemaligen-Fest der Realschule setzte am Freitagabend einen Schlussstrich unter das Kapitel der 149-jährigen Ascheberger Schulgeschichte. Auch wenn es eigentlich ein trauriger Anlass war, war die Stimmung ausgelassen und gut, der Besuch überragend. Ein Musik- und Tanzflashmop begeisterte dabei die ehemaligen Schülerinnen und Schüler und lud zum Mitmachen ein. Über 500 ehemalige Schüler und Lehrer waren der Einladung des Fördervereins nachgekommen. Neben Führungen durch das Schulgebäude und eine Fotoausstellung in der Aula wurden zudem auch Einblicke in die Schulchronik und das Schulleben gewährt. Viele Fotos wurden digitalisiert und zogen die Blicke auf sich. Die Sätze: „Guck mal hier“ und „Weißt Du noch“ wurden an dem Abend zu Genüge gesagt.

Die Gäste machten dabei das Beste aus der Situation, feierten die Realschule und das Wiedersehen mit Ehemaligen. Schüler und Schülerinnen begeisterten am frühen Abend mit einem Tanzflashmop auf dem Schulhof. Unter der Leitung von Tanzlehrer Thorsten Helmich setzten die Tänzer bei Andreas Bourani mit „Ein hoch auf uns“ einen Akzent an dem Abend. Viviane Stern begeisterte mit musikalischer Unterstützung von Markus Büscher (Schlagzeug), Jonas Angelkort und Dierk Sträter (Trompete), Hendrik Aschoff (E-Gitarre). Unterstützung bekamen sie dabei von Musikschullehrer Christoph Hönig. Der Einsatz des Fördervereins und der Vorbereiter hat sich gelohnt, das Interesse und der Spaß am Abend waren eine deutliches Zeichen.

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