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Wolf in der Nähe von Herbern gesichtet

Einsamer Jäger auf Reviersuche

Herbern

Südlich von Herbern ist ein einzelner Wolf gesichtet worden. Ob das Tier nur auf der Durchreise ist oder länger bleibt, ist offen. Tierhaltern wird geraten, mögliche Beutetiere vor Einbruch der Dunkelheit sicher unterzubringen.

Von Isabel Schütte

Dieser einsame Wolf wurde südlich von Herbern gesichtet. Wolf-Experte Hermann Grube rät dazu, mögliche Beutetiere vor Einbruch der Dunkelheit sicher unterzubringen. Foto: Grube

Ein Wolf wurde am Dienstag im Bereich der Knüvenstraße in Stockum gesichtet. Das Tier trottete zwischen Werne und Stockum auf Geh-, Wald- und Forstwegen. In sozialen Netzwerken ging ein Foto der Wolfssichtung viral, auf dem man das Gersteinwerk im Hintergrund sieht. Dass es sich wirklich um einen Wolf und nicht um einen Hund handelt, zeigen viele verschiedene Fotos, die Hegeringleiter Matthias Möllenhoff aus unterschiedlichen Quellen zugeschickt bekommen hat.

„Ja, es sieht so aus, als ob es wirklich ein Wolf ist. Die Menschen müssen aber keine Angst vor dem Tier haben. Dieses ist wahrscheinlich auf der Durchreise. Hier in dieser Region ist es zu dicht besiedelt. Ich denke nicht, dass er hier das passende Revier findet“, erklärte Möllenhoff.

Wolf kann täglich 50 Kilometer zurücklegen

Der Hegeringleiter mutmaßt, dass das Tier schon etwas länger unterwegs ist. „Wölfe können ohne Probleme 50 Kilometer am Tag zurücklegen. Ich denke, dass der Wolf jetzt Richtung Werne, Horst und eventuell Richtung Herbern unterwegs ist. Der Herberner Hegeringsmeister und Rentmeister Stefan Grünert von der Merfeldtschen Verwaltung wurde ebenfalls über die Wolfssichtung in Werne informiert. „Das Tier kommt in ein dicht besiedeltes Gebiet. Es läuft von Pontius zu Pilatus. Wenn er Glück hat, findet er einen Platz, an dem er sich ausruhen kann. Wenn er Pech hat, wird er überfahren“, sagte Grünert.

Ein echter Wolf-Experte ist Hermann Grube aus Ascheberg. Er ist Wolfbeauftragter des Landes NRW. „Über WhatsApp-Gruppen der Jägerschaft wurden heute ganz viele Fotos wie auch ein Video vom Wolf übermittelt. Neben Sichtungen in Stockum gab es auch welche in Mersch/Drensteinfurt. Man muss jetzt abwarten und gucken, ob es wirklich nur eine Momentaufnahme ist mit dem Wolf, oder ob er jetzt öfter gesehen wird und sich hier sein Revier sucht.“

Mögliche Beute Tier sicher unterbringen

Grube rät den Tierhaltern im Bereich Werne, Stockum und Herbern auf jeden Fall, mögliche Beutetiere vor Einbruch der Dunkelheit sicher unterzubringen, damit ihnen nichts passieren kann. „Zu dieser Jahreszeit wandern Wölfe oft weite Strecken. Es kann auch gut sein, dass es bei der einen Sichtung bleibt und der Wolf morgen schon ganz woanders ist. Dennoch ist Vorsorge in dem Fall besser als Nachsorge“, so Grube.

In den vergangenen Tagen seien Hinweise von Wolfssichtungen aus ganz NRW eingegangen, so Birgit Kaiser de Garcia, Sprecherin des Landesamtes für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz NRW. Nach ihren Angaben verlassen Wölfe bis zum Ende des zweiten Lebensjahres das elterliche Rudel und wandern dann weit umher, zum Teil mehrere hundert Kilometer. Dabei bewegten sie sich in für sie unbekanntem Gelände.

Wissenschaftliche Studien mit Wölfen, die mit einem Sender ausgestattet worden waren, hätten ergeben, dass solche Jungwölfe etwa über Grüngürtel in dicht besiedelte innerstädtische Gebiete gelangen können. Sie versuchten dann aber immer, die Stadt oder das Dorf schnell zu verlassen. Dass sich Wölfe dauerhaft in solchen Gebieten ansiedeln, sei nicht zu erwarten. Die Fotos der Wolfssichtungen im Werner Bereich liegen dem Landesamt vor und werden zeitnah geprüft – und gegebenenfalls offiziell bestätigt. „Das kann unter Umständen allerdings ein paar Wochen dauern“, sagte Kaiser de Garcia.

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