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Offene Fenster und neue Regeln für die Ferkel-Kastration

Erklärtafel zur Kastration ist fertig

Herbern

Was passiert in den Schweineställen? Seit Mai 2013 lädt Landwirt Tobias Großerichter die Menschen ein, auf seinem Hof in der Herberner Bauerschaft Horn durchs Fenster zu schauen. Auf Tafeln wird erklärt, was im Stall des Sauenhalters zu sehen ist. Zum 1. Januar wird es ein neues Erklärstück geben.

Theo Heitbaum

Tobias Großerichter hat sich bei der Kastration der Ferkel für die Isofluran-Narkose entschieden. Foto: privat

Was passiert in den Schweineställen? Seit Mai 2013 lädt Landwirt Tobias Großerichter die Menschen ein, auf seinem Hof in der Herberner Bauerschaft Horn durchs Fenster zu schauen. Auf Tafeln wird erklärt, was im Stall des Sauenhalters zu sehen ist. Zum 1. Januar wird es ein neues Erklärstück geben.

„Ab dem 1. Janaur 2021 dürfen Ferkel bis sieben Tage nach der Geburt vom Landwirt unter der Anwendung der Isofluran-Narkose kastriert werden. Es ist ein großer Schritt zu mehr Tierschutz in der Schweinehaltung“, erklärt Tobias Großerichter. Es sei sehr schön zu sehen, dass die Tiere keinen Schmerz bei dem Eingriff empfinden: „Auch sehr positiv finde ich, dass die Ferkel nach der Narkose rasch wieder aufwachen und herumlaufen und somit schnell wieder an das Gesäuge gehen.“

Großerichter hat bis jetzt einen zweitägigen Lehrgang mit theoretischer Prüfung, eine Übungsphase unter Anleitung des Hoftierarztes sowie eine praktische Prüfung am Gerät absolviert. „Nun warte ich auf die Ausstellung eines Zertifikates vom Veterinäramt, um die Kastration unter Narkose durchführen zu dürfen“, erklärt der Herberner. Bei der Isofluran-Narkose atmeten die Ferkel das Isofluran sowie Sauerstoff ein. Sie schliefen 70 Sekunden bevor sie kastriert werden dürften. Ein Plakat zu diesem Thema hat der Landwirt aus Horn entwerfen lassen. Es wird Anfang Januar am Stall platziert werden.

In der Coronazeit hat Großerichter festgestellt, dass mehr Personen als sonst den Einblick in die Fenster wahrnehmen. Sie werden eine zweite Veränderung sehen. Neben der Isofluran-Narkose wird auch die Initiative Tierwohl die Arbeit in dem Betrieb ab Januar verändern. „Ich habe mich entschlossen neben der Sauenhaltung auch die Auflagen für die Ferkel sowie für die Mastschweine zu erfüllen“, erklärt Großerichter. Sie müssen zehn Prozent mehr Platz haben, ein zusätzliches organisches Beschäftigungsmaterial sowie die Gabe von Raufutter (Strohpellets). „Bei der Rauffutterzugabe habe ich in einen Pelletautomaten investiert, mit dessen Hilfe der Wühltrieb der Tiere animiert werden soll“, berichtet er.

An der Initiative Tierwohl könne man sehen, dass sich im Moment viele Landwirte aufmachten, die Haltung der Tiere in den Ställen zu verbessern. Für den Herberner ist das „ein starkes Signal der Landwirtschaft Veränderung selber voranzutreiben und mitzugestalten.“ Denn, so der Horner: „Das Wichtigste ist, das Vertrauen der Verbraucher in unsere Produkte. Dieses Vertrauen müssen wir durch Transparenz und Erklärung unserer Arbeit ständig stärken.“

Großerichter äußert sich bei einem Pressetermin auch zur Situation der Preise: „Im Moment bedroht ein massiver Preisverfall beim Fleisch die Existenz vieler landwirtschaftlicher Betriebe. Viele Betriebe fürchten um ihre Zukunft in einer Wertschöpfungskette, in der der Lebensmitteleinzelhandel eine beherrschende Stellung einnimmt.“ Deshalb, so Gerhard Reimann vom landwirtschaftlichen Ortsverband Herbern, seien in den vergangenen Wochen auch viele Landwirte auf den Straßen unterwegs gewesen, um vor den Zentrallagern der Discountern zu demonstrieren. Es müsse ein massives Umdenken in Bezug auf die bisherige Preispolitik des Lebensmitteleinzelhandels stattfinden. Dies dürfe nicht nur eine Luftblase sein, ergänzt Großerichter.

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