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Altenpflege

Es geht nicht nur ums Geld: Ab September steigt der tarifliche Mindestlohn

Ascheberg

Ihre professionelle Unterstützung wird immer stärker nachgefragt – ambulante Pflegedienste sind ein wichtiger Mosaikstein in der Versorgung hilfsbedürftiger Menschen. Eine tarifliche Entlohnung werde aber alleine nicht reichen, um personelle Engpässe aufzufangen, heißt es aus der Branche.

Von Beate Nießen

Auch für die ambulante Pflege gilt der neue flächendeckende Tarifvertrag in der Altenpflege. Foto: dpa

Wer aufgrund von Alter oder Gebrechlichkeit nicht mehr alleine in seinem Zuhause zurechtkommt, für den ist die Unterstützung durch einen ambulanten Pflegedienst häufig die einzige Möglichkeit, den Umzug in eine stationäre Einrichtung zu vermeiden. Genauso können auch pflegende Angehörige von der professionellen Hilfe profitieren, durch die sie in ihrem kräftezehrenden Alltag zumindest ein Stück weit entlastet werden. Ambulante Pflege ist eine Dienstleistung, der alleine schon durch die Bedürfnisse einer immer älter werdenden Bevölkerung eine immer größere Bedeutung zukommt.

„Die Nachfrage steigt seit Jahren stetig an“, bestätigt Melanie Broek, Pflegedienstleiterin bei „Krankenpflege im Dorf“, im Gespräch mit den Westfälischen Nachrichten die Entwicklung. Broeks Team ist für das Gebiet Ascheberg und Davensberg zuständig. „Es vergeht kaum eine Woche, in der uns nicht eine Anfrage von neuen Kunden beziehungsweise Patienten erreicht.“ Da sei qualifiziertes Personal wichtig, aber leider auch rar. „Vor allem, wenn wir kurzfristige Ausfälle, beispielsweise durch eine Schwangerschaft, ausgleichen müssen, ist es schwer, zeitnah neue Mitarbeiter zu finden“, so Broek.

Das liege nicht in erster Linie an der Bezahlung, wie sie betont. „Es sind vielmehr die Rahmenbedingungen, die viele junge Menschen abschrecken.“ Arbeiten im Schichtdienst, inklusive Wochenenden und Feiertagen, eine große Verantwortung, eine immer weiter wachsende Bürokratisierung und die oft fehlende Wertschätzung für Menschen in Pflegeberufen, zählt Broek als Gründe für den Personalengpass in der Pflege auf.

Theresa Trittschack vom Pflegedienst Vors­pohl

Wie wichtig Letzteres für viele Pflegekräfte ist, betonen auch Pflegedienstleiterin Theresa Trittschack und ihre Vertreterin Miriam Potthast vom Pflegedienst Vors­pohl in Herbern. „Natürlich ist eine faire Entlohnung wichtig“, so Trittschack, „aber es geht den Mitarbeitern nicht nur ums Geld.“ Probleme, neue Mitarbeiter zu finden, habe man aber glücklicherweise nicht. „Wir bekommen sogar Initiativbewerbungen.“ Ein weiterer Grund für die entspannte Personalsituation: „Wir bilden seit vielen Jahren in großer Zahl vor allem auch unseren Nachwuchs selbst aus.“ Aktuell befänden sich von den 45 Angestellten allein sechs in der Ausbildung. „Und viele von ihnen bleiben anschließend bei uns, weil sie sich hier wohlfühlen.“ Das Team von Vorspohl hat Patienten in Herbern und Capelle und seit Kurzem auch in Rinkerode. „Der Bedarf ist auf jeden Fall da“, weiß Trittschack.

Handlungsbedarf in der Abrechnungspraxis

Beide Pflegedienstleiterinnen begrüßen, dass ab September flächendeckend ein einheitlicher Mindestlohn in der Altenpflege gilt. An anderer Stelle, beispielsweise in der Abrechnungspraxis mit den Kranken- und Pflegekassen, sehen die Fachfrauen dagegen noch dringenden Handlungsbedarf. „Es ist absolut nicht nachvollziehbar, warum bei drei unterschiedlichen Leistungen, die bei einem Patientenbesuch erbracht werden, nur eine einzige vergütet wird“, nennt Broek einen typischen Fall, für den Kollegin Tritt­schack auch gleich einen passenden Vergleich parat hat: „Das ist im Grunde so, als würde man dem Badinstallateur sagen, man wolle das neue Waschbecken umsonst obendrauf, nur weil man ja schon die neue Dusche bezahlt.“

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