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Erstes Schlosskonzert in der St. Benedikt-Kirche

Eurovisionen in angenehmer Akustik

Herbern

Rund 50 Zuhörer hatten sich auf den Weg zum ersten Schlosskonzert 2020 gemacht. Allerdings nicht zum Schloss Westerwinkel, sondern in die St. Benedikt-Kirche, die ausreichend Platz und Abstand bot.

wn

Daniel Ahlert und Birgit Schwab spielten beim Schlosskonzert in der St. Benedikt-Kirche. Foto: Christoph Hönig

Am Sonntag gab es in Herbern das erste Schlosskonzert Westerwinkel, in diesem Jahr war es aber nicht im Schloss, sondern in der Kirche St. Benedikt. Rund 50 Zuhörer hatten sich auf den Weg gemacht. Die Corona-bedingten Formalitäten waren schnell erledigt, viele hatten sich mit ihren Daten vorab angemeldet und bekamen ihren Platz zugewiesen, die Spontangäste brachten fast alle einen vorbereiteten Zettel mit den notwendigen Kontaktdaten mit. Alle Zuhörer waren dann mit größeren Abständen als nach den aktuell gültigen Regeln erforderlich in der Kirche platziert.

Birgit Schwab Foto: Christoph Hönig

Zu Gast war das Duo Birgit Schwab – Erzlaute, Barocklaute und Daniel Ahlert – Barockmandoline. Das Duo spielte ein Programm mit Barockmusik aus verschiedenen Ländern Europas mit dem Titel „Eurovisionen“. Es begann mit der Suite in a-Moll von Tomaso Motta aus Mailand, kein spektakuläres Stück, aber man spürte von Anfang an, dass da ein eingespieltes Duo am Werk ist. Die virtuosen, aber fast beiläufig gespielten Läufe in der abschließenden Giga ließen aber ahnen, dass die Zuhörer noch Einiges erwartete. Die Akustik in der Kirche war sehr angenehm, und der Beifall gleich nach dem ersten Stück klang eher nach einer vollbesetzten Kirche. Die folgende Sonate in D-Dur von Giacobbe Basevi Cervetto (1680 - 1783), einem in London lebenden Italiener, war schon ein Ausflug in die Frühklassik mit typischen Läufen, Dreiklangsmelodik, chromatischen Vorhalten und einem wunderschön gespielten langsamen Mittelsatz. Französisch verspielt war die folgende Suite von François Chauvon. Als letztes Werk vor der Pause kam ein erst vor rund zehn Jahren in Dresden entdecktes Werk von Antonio Vivaldi. Wiederum kräftiger Beifall entließ das Duo in die Pause.

Alle Werke des ersten Teils hatte das Duo mit Barockmandoline und Erzlaute gespielt. Das ist eine Laute mit einem sehr langen geraden Hals und zwei Wirbelkästen, einem für die über dem Griffbrett verlaufenden Saiten und einem für die daneben verlaufenden Bass-Saiten. Das erklärte Birgit Schwab, als sie nach der Pause mit der Barocklaute mit deutlich kürzerem Hals wieder erschien und dann Solo die Sonate C-Dur von Sylvius Leopold Weiss spielte. Er lebte von 1687 bis 1750 und wirkte vor allem in Dresden. Er war der letzte große Lautenist der Barockzeit, seine Werke im musikalischen und technischen Anspruch vergleichbar mit Bach. Birgit Schwab musizierte das polyphone Stück mit einer Sicherheit und Leichtigkeit, dass man gar nicht merkte, dass sie alleine war. Bei dem sehr ausgedehnten Werk hielt die Spannung von Anfang bis Ende, besonders schön die Sarabande. Das letzte Werk, auch von Sylvius Leopold Weiss, war wieder für beide Instrumente. Das war dann wirklich die Krönung des Konzerts: stabiler Grundrhythmus in den Tanzsätzen, die Agogik genau passend dosiert, Leichtigkeit in den Verzierungen, in der abschließenden Chaconne – einem Variationensatz über einem feststehenden Bass –gab es dann noch mal ein Feuerwerk an kunstvollen Läufen und Figurationen, Komponist wie Musiker gaben hier noch mal alles. Am Schluss war es dann einen Moment ganz still, ehe der begeisterte Schlussapplaus einsetzte. Mit einer Zugabe verabschiedete sich das Duo von den Zuhörern.

Daniel Ahlert Foto: Christoph Hönig
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