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Ratsfraktion verliert die absolute Mehrheit

Frank Holtrup bricht mit der CDU

Ascheberg

Die CDU im Rat der Gemeinde Ascheberg hat die absolute Mehrheit verloren. Frank Holtrup, 38-jähriger Bauingenieur aus Herbern, kehrt der CDU den Rücken, will sein Direktmandat als freier Ratsherr aber weiter ausüben. Hier schon einmal seine Erklärung, wir warten auf Stellungnahmen von Partei und Fraktion.

Theo Heitbaum

Frank Holtrup hat der CDU den Rücken gekehrt und will als freier Ratsherr sein Direktmandat weiter ausüben. Nach aktuellem Stand müsste die Ausschussbesetzung nicht geändert werden. Foto: CDU

Die CDU im Rat der Gemeinde Ascheberg hat die absolute Mehrheit verloren. Frank Holtrup, 38-jähriger Bauingenieur aus Herbern, hat Partei und Fraktion den Rücken gekehrt, will sein Direktmandat als freier Ratsherr aber weiter ausüben. Der Familienvater aus Nordick macht den Schritt vorwiegend an bundespolitischen Entscheidungen seiner nunmehr Ex-Partei fest.

Frank Holtrup ist 2009 in den Gemeinderat eingezogen. Der Bauingenieur hat sein Fachwissen insbesondere im Bau-, Planungs- und Umweltausschuss eingebracht. Seinen Austritt bei den Christdemokraten begründet der Nordicker etwas mit der Berliner Umweltpolitik. „Seit vielen Jahren kritisiere ich den Umgang mit unserer Natur. Mittlerweile zeigt sich bestätigterweise der Sachverhalt, den ich schon seit über fünf Jahren parteiintern anprangere. Wir steuern auf ein nie da gewesenes Artensterben auch in Deutschland mit einem Kollaps der Flora und Fauna zu. Und das auch noch mit völlig fehlgeleiteten Subventionen und Prämien ohne elementaren Zwang. Die CSU als Schwesterpartei der CDU schießt bei allen stichpunktartig genannten Problemen nahezu überall den Vogel ab – und damit meine ich kein Schützenfest.“ Holtrup zählt weiter „die fehlende Lobbyregisteroffenlegung, daraus resultierend der Verlust an für mich staatlich zu regelnden Grundelementen. Durch die ausgeartete Liberalisierung verliert der Staat seine konsequente und objektive Entscheidungs- und Durchsetzungshoheit für wichtige Infrastrukturprojekte (Schienennetz, Güterverkehr, bezahlbarer öffentlicher Verkehr, Breitbandverkabelung, Steuerung einer Energiewende mit dem unerlässlichen Netzausbau). Die technischen Regelwerke (DIN-Normen) sind unterwandert von privaten Großfirmen, die Eigeninteressen verfolgen und damit auch dazu beitragen, dass unsere Industrie ihre Dynamik verliert (beispielsweise Dieselskandal), wenn es keine Konsequenzen für das nicht Einhalten von Regeln gibt oder es keine Regeln mehr gibt.“

Die Ortspartei und Fraktionschef Ludger Wobbe klammert Holtrup ausdrücklich aus, obwohl „ich bei einigen wichtigen Themen nicht mit den ehemaligen Fraktionskollegen d‘accord war. . . Ludger Wobbe möchte ich vor allem positiv als unermüdlichen, objektiven und für die Gemeinde Ascheberg großen Mann würdigen und loben. Von diesen Menschen bräuchten wir mehr in der politischen Landschaft.“

Für die Fraktion erklärt Vorsitzender Ludger Wobbe zum Austritt: „Ich finde es natürlich schade, dass Frank Holtrup die CDU verlassen hat. Nur, mein Grundverständnis von Politik ist etwas anders: Ich finde, dass man in der CDU ,im Kleinen wie im Großen‘ viele Dinge zum Positiven verändern kann. Nur, ein Paradies kann keine Partei durchsetzen. Und man muss teilweise dicke Bretter bohren. Die CDU-Fraktion wird weiterhin mit Frank Holtrup einen vernünftigen und respektvollen Umgang pflegen, um das Beste für die Gemeinde zu erreichen. Wenn Frank Holtrup als Einzelperson im Rat auftritt, muss an der Ausschussbesetzung nichts geändert werden.“

Holtrup hat über den Schritt schon lange nachgedacht und auch über seine neue Position: „Ich habe prüfen lassen, welche Folgen ein Austritt bei der CDU juristisch für die Ratsarbeit hat“, erklärt der Nordicker im WN-Gespräch. Aktuell geht Holtrup davon aus, im Rat und dort auch im Bauausschuss weiter mitwirken zu können.

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