1. www.wn.de
  2. >
  3. Muensterland
  4. >
  5. Ascheberg
  6. >
  7. Fritz lässt Senioren lächeln

  8. >

Therapiehund im Altenheim

Fritz lässt Senioren lächeln

Ascheberg

Das blaue Halsband verrät Fritz, dass Arbeit ansteht. Wenn es umgebunden wird, geht es einmal in der Woche in das Altenheim Ascheberg. Hier wird der Therapiehund schon sehnsüchtig erwartet.

Tina NItsche

Einmal in der Woche geht Labrador Fritz mit Frauchen Heike Aldenhövel zur Arbeit ins Altenheim St. Lambertus Ascheberg. Im Dienst trägt er sein blau-gemustertes Tuch. Foto: Tina Nitsche

Fritz sitzt geduldig vor der Tür des Altenheims St. Lambertus und wartet. Sein blaugemustertes Tuch, das er um den Hals trägt, bläht sich ein wenig auf, als eine Windböe darunter greift. Freudig steht der Vierbeiner auf, als sich die Tür öffnet und Erika Pelster herauskommt. Ein Lächeln zeichnet sich auf ihrem Gesicht ab, als sie den Labradorrüden, der auf seinen Einsatz wartet, entdeckt. Fritz ist kein gewöhnlicher Hund. Einmal in der Woche geht er zur Arbeit. Gemeinsam mit Frauchen Heike Altenhövel. Und jedes Mal, wenn er das tut, trägt er sein blaugemustertes Tuch. Das Zeichen für ihn, in den Arbeitsmodus zu schalten. Als Therapiehund.

Auch seine Tasche hat Therapiehund Fritz dabei, wenn er seinen Dienst im Ascheberger Altenheim antritt. Foto: Tina Nitsche

Als Erika Pelster ihren Rollator auf den grau asphaltierten Weg schiebt, ist Fritz sofort neben ihr. Ruhig nimmt er zunächst die Sitzposition ein und schaut die Altenheimbewohnerin abwartend an. Sein Blick wird erwidert. Liebevoll und freudig. Und genau das ist es, was Fritz bewirkt. Er weckt Emotionen bei den Bewohnern. Erika Pelster streichelt ihn, lässt ihre Hand sanft über sein schwarzes Nackenfell gleiten und strahlt. „Früher hatte ich auch einen Hund“, sagt sie. Erinnerungen werden wach. Das Lächeln verstärkt sich.

Leckerchen in der Arbeitstasche

„Der Hund spricht die Emotionen bei den Bewohnern an, und gerade bei Demenzkranken bleiben diese bis zuletzt erhalten“, erklärt Heike Altenhövel. Sie ist Diplom Sozialpädagogin, arbeitet im Altenheim St. Lambertus und weiß genau, wovon sie spricht. Nicht nur, weil sie über breitgefächertes Wissen in ihrem Job verfügt, sondern auch, weil sie ebenso fundierte Kenntnisse über die Arbeit mit Therapiehunden besitzt. Denn der sechsjährige Fritz ist nicht der erste Hund, den sie mit ins Altenheim bringt. Seine Vorgängerin war Jule, eine blonde Labradorhündin und mehr als beliebt bei den Bewohnern. Lang ist es her, seit Jule regelmäßig im Altenheim St. Lambertus vorbeischaute. Wie Fritz kam auch sie aus der Arbeitslinie der Labradore. „Die Arbeitslinie eignet sich besser als die Showhundlinie für die Therapiehundeausbildung“, sagt Heike Altenhövel und beobachtet Fritz, der sich gerade anschickt, seine Arbeitstasche aus ihrem Korb zu nehmen. „Die ist immer mit von der Partie“, erzählt Frauchen. „Fein Tragen“ prangt in großen Lettern auf dem dunklen Untergrund der Tasche. Und Fritz tut genau das. Er trägt die Tasche zu Erika Pelster. „Das ist ein wichtiger Bestandteil seiner Arbeit, denn alleine das Öffnen der Tasche schult die Motorik der Bewohner“ erläutert Heike Altenhövel. Und auch Fritz profitiert manchmal davon. Dann, wenn der ein oder andere Bewohner ihm ein Leckerchen in die Arbeitstasche packt.

Erika Pelster freut sich immer ganz besonders, wenn Fritz ins Altenheim kommt. Er weckt viele Erinnerungen an frühere Zeiten, in denen Vierbeiner zu ihrem Leben zählten. Foto: Tina Nitsche

Ganz ruhig und gelassen meistert der Rüde seinen Dienst. Er ist im Arbeitsmodus und hat genau gelernt worauf es ankommt. Dazu hat er auch eine zweijährige Ausbildung genossen. „Von nichts kommt nichts“, sagt sein Frauchen, die viel Arbeit in die Ausbildung gesteckt hat. So wie damals mit Jule. Seitdem ist viel passiert. Heike Altenhövel hat zwischenzeitlich einige andere Arbeitsstationen passiert und ist nun wieder zurückgekehrt ins Altenheim St. Lambertus. An ihrer Seite Fritz, der einmal wöchentlich mit von der Partie ist und vor allem den Demenzkranken Bewohnern ganz besondere Momente schenkt. Denn er löst bei ihnen Glücksgefühle und Freude aus. „Er ist quasi ein Brückenbauer zwischen den verschiedenen Welten“, macht Heike Altenhövel deutlich.

Therapiehund hat genug Zeit fürs Hundedasein

Fritz gilt als erfahrener Hase in seinem Job. Zu Hause jedoch, da genießt er sein Hundedasein. „Schließlich ist er ein Hund, und als solcher hat er auch seine Bedürfnisse“. Neuerdings lautet eines davon Spielen. Denn unlängst ist Holly bei den Altenhövels eingezogen. Eine blonde Labradorhündin. Irgendwann soll sie die Nachfolge von Fritz antreten. Bis es soweit ist, dauert es jedoch noch etwas, denn vor Holly liegt erst einmal eine umfassende Ausbildung. Eine, die Fritz längst mit Bravour gemeistert hat. Gerade trägt er seine Tasche zurück und legt sie in Frauchens Korb ab. Dann setzt er sich neben Erika Pelster, die sich von ihm verabschiedet und den Weg zurück in die Wärme des Altenheims St. Lambertus antritt. Wenig später, nimmt Heike Altenhövel ihrem Fritz das blaugemusterte Tuch ab. Das klare Zeichen dafür, dass er nun Feierabend hat und vom Dienstmodus in den Freizeitmodus schalten darf.

Startseite
ANZEIGE