Pokalwettbewerb des Ruhr Karnevals

Gardetanz fordert: „Wir trainieren das ganze Jahr über“

Ascheberg

Von wegen Tanzmariechen, die nur in der jecken Session auftreten – beim BRK-Pokalwettbewerb wurden sportliche Höchstleistungen gezeigt. Als Ergebnis eines harten Trainings und fantasievoller Inszenierungen.

Tina Nitsche

Nicht nur sportlich anspruchsvoll: Beim Pokalwettbewerb wurde auch in die Kostüme und das Bühnenbild viel Aufwand gesteckt. Foto: Tina Nitsche

Bunte Kostüme, aufwendig geschminkte Gesichter, doch wer nun am Wochenende den Konfettiregen erwartet hat – weit gefehlt. Auch wenn da der 57. BRK-Pokalwettbewerb des Bundes Ruhr Karneval in der Nordkirchener Straße anstand. Veranstalter Bund Ruhr Karneval und Ausrichter KG Rot-Gold Werne 09 e.V. sind ganz klar karnevalistische Vereine, das was sie allerdings an zwei Tagen boten, hatte einen sportlich unterhaltsamen Effekt. Schautänze und ungewöhnliche Choreographien die begeisterten, wurden bewertet. Natürlich sind die Tänzer auf Gardetänze spezialisiert, aber „wir können auch anders“, sagte Joyce von den KG Erler Funken.

Joyce über ihre Liebe zum Gardetanz

Gardetanz war immer ihr spezieller Wunsch, der Weg dorthin eher ein wenig kompliziert. „Da musste ich erst meine Mutter überzeugen“. Was sie fasziniert an diesem Sport? „Es macht Spaß, ist sportlich und eine echte Herausforderung“, kommt die Antwort prompt. Freundin Kiana fügt an, dass speziell Gardetänze kein Spaziergang sind. „Wir trainieren das ganze Jahr über.“ Für die Mädels ist ihr Hobby ein Stück vergleichbar mit Ballett, „nur dass wir andere Tänze einstudieren und Kostüme bei uns eine große Rolle spielen.“ 13 Jahre alt sind sie, diese Mädchen. Und der Gardetanz ist seit Jahren ihr erklärtes Ding.

Wettkampf – aber nicht in einer Karnevalshochburg

Dass sie am Wochenende ausgerechnet in einer alles andere als Karnevalshochburg gelandet sind, erstaunt sie. „Echt, das haben wir nicht gewusst, das ist komisch.“ Sie leben mit der Sportlichkeit, sammeln Turniererfahrung und lieben die ungewöhnliche Gemeinschaft, in der sie sich bewegen. Speziell in den Tänzen bringen sie Themen zum Ausdruck, „die bewegen“, so Joyce. „Heute Nachmittag führen wir das Stück „Neue Schülerin in der Hexenschule“ auf, da geht es um Mobbing“, verrät Christina.

Unterdessen hocken Kiara, Josie, Dilara, Cecilia und Joline unmittelbar vor der Bühne. Die Mädels aus Werne gucken zu. Die Jugend der KG Rot Gold Werne baut sich gerade neu auf. „Nächstes Jahr dürfen auch wir auftreten“, verrät Kiara und heftet ihren Blick fest auf die Bühne. Dort unternehmen die Altersklasse I der Erler Funken gerade eine Zeitreise durch die Musik. Fetzig, spritzig, unterhaltsam. „Mama Mia“, um es in den Worten der Popgruppe Abba auszudrücken.

Heimische Besucher fehlen auf den Rängen

Die Ränge sind belegt von vielen kostümierten Tänzern. Einheimische Gesichter finden sich dort am Samstag nicht. Eine Tatsache, die Dietmar Felski, dem die Turnierleitung obliegt, traurig stimmt. Der Mann vom KG Rot-Gold Werne hat den Karneval in die Gemeinde geholt. Speziell nach Davensberg und mit dem Kinderkarneval nach Herbern. „Aber wir sind doch hier eine Gemeinde mit drei Ortsteilen. Ich habe auch die Musikschule Ascheberg kontaktiert sowie die Tanzschule. Beide hätten sich hier auf der Bühne in den Pausen präsentieren können“, so Felski. Doch das Angebot blieb ungenutzt. „Hier geht es nicht um Karneval oder Gardetänze, hier geht es um Showtanz und um die sportlich Wertung“, weist er auf die Richter, die gerade den gelungen Auftritt des Nachwuchses der KG St. Johannes Altenberge bewerten.

Und die begeisterten nicht nur durch ausgefallene Kostüme und geschminkte Gesichter, sondern auch mit einem choreographisch perfekt inszenierten Thema „Wenn zwei sich streiten“.

Eine wahrhaft meisterhafte Darbietung. Eine, von vielen am Wochenende.

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