1. www.wn.de
  2. >
  3. Münsterland
  4. >
  5. Ascheberg
  6. >
  7. Gedenken an Sternenkinder

  8. >

Trauercafé im Evangelischen Gemeindehaus

Gedenken an Sternenkinder

Ascheberg

Für Eltern von Kindern, die während oder kurz nach der Geburt gestorben sind, wird im Evangelischen Gemeindehaus künftig ein monatliches ökumenisches Trauercafé angeboten. Es soll Betroffenen Raum und Ruhe zum Austausch und zum Erinnern bieten.

Von Tina Nitsche

Pfarrerin Angelika Ludwig (l.) und Trauerbegleiterin Elly Mangels (r.) leiten das Trauercafé, das für Eltern initiiert worden ist, die vor, während oder nach der Geburt ein geliebtes Kind verloren haben. Dazu haben sie Flyer aufgelegt, die nun in die Verteilung gehen. Foto: Tina Nitsche

Da fehlt ein kleiner Mensch. Manch einer ist noch nicht einmal gesehen worden – weil er starb, bevor er das Licht der Welt erblickte. Was bleibt, ist die Trauer und die Erinnerung an dieses Sternenkind.

Ein Kind vor, während oder kurz nach der Geburt zu verlieren, „das ist ein traumatisches Erlebnis“, weiß Pfarrerin Angelika Ludwig leise. Eines, das kaum in Worte zu fassen ist, und von Frauen besonders tief empfunden wird, da der Verlust quasi in ihrem Körper passiert.

Doch wie damit umgehen? Ein Patentrezept gibt es dafür nicht. Denn jeder Mensch ist in seiner Empfindungswelt individuell. „Und so sind es auch die Wege des Trauerns“, verdeutlicht Trauerbegleiterin Elly Mangels. Was allerdings hilft, das ist der Austausch mit anderen oder ein Angebot, durch das sich Betroffene ihren Kummer von der Seele reden können.

Jeder ist willkommen

Ein solches Angebot haben Pfarrerin Angelika Ludwig und Elly Mangels nun geschaffen. Sie bieten im Evangelischen Gemeindehaus Ascheberg einen Ort, an dem Trauer sein darf. Ein Trauercafé. Es ist ein Angebot, das von der Evangelischen Mirjam-Kirchengemeinde Ascheberg und Drensteinfurt sowie der katholischen Kirchengemeinde St. Lambertus initiiert worden ist. „Es ist ein ökumenisches Trauercafé, unsere Arbeit dort gestaltet sich vor dem christlichen Hintergrund. Willkommen ist hier jeder, egal ob er einer Konfession angehört oder welcher“, so Angelika Ludwig. Es mache keinen Sinn ein solches Café nach Konfessionen getrennt anzubieten, denn es gehe hier darum allen Betroffenen eine Anlaufstelle zu bieten.

Einmal im Monat öffnet das Trauercafé seine Pforten. Entstanden ist die Idee, „aufgrund eines akuten Falls in der Gemeinde. Das nächste Angebot dieser Art war in Lengerich“, so Ludwig und Mangels ergänzt: „Das ist für viele aus unserer Gemeinde viel zu weit weg.“ Das hiesige Trauercafé bietet nun Menschen aus der Gemeinde Ascheberg, aber auch Menschen aus Drensteinfurt, Senden, Lüdinghausen und Umgebung eine Anlaufstelle. Das Angebot ist kostenlos.

„Vielmehr wollen wir hier einen Raum schaffen, wo sich Betroffene mit Fragen wie ‚Was belastet mich? Wie geht es mir eigentlich?‘ in aller Ruhe auseinandersetzen können und sich gleichzeitig mit Gleichgesinnten austauschen können. Aber auch, um ein bisschen Zeit für sich und die Trauer zu haben“, gibt Mangels Einblicke. „Ein Ort, wo Trauer auch ein bisschen länger dauern darf, während sich im Alltag vielfach das Gefühl, wieder funktionieren zu müssen, breitmacht“, fügt Angelika Ludwig hinzu. Sie hat als Pfarrerin auch die Seelsorgeausbildung, während Elly Mangels ausgebildete Trauerbegleiterin ist. Damit bringen beide beste Voraussetzungen mit, um professionelle Hilfe leisten zu können.

Austausch und kreative Angebote

„Dabei müssen nicht nur Gespräche im Vordergrund stehen, es gibt viele Arten der Trauerbewältigung. Für viele ist es hilfreich etwas zu tun. Deshalb wären Kreativangebote ebenfalls als mögliche Inhalte des Trauercafés geeignet“, erläutert Elly Mangels. Was solche Kreativangebote sein können? Zum Beispiel einen Brief an das Sternenkind zu schreiben, eine Erinnerungsbox zu fertigen oder eine Sternenkerze zu kreieren.

Das Thema Sternenkinder sei schon deshalb so speziell, weil Außenstehende diesen Verlust oft gar nicht sehen. Für die Eltern, die ein Kind viel zu früh verloren haben, sei es hingegen wichtig, dieses Sternenkind auch in ihre Zukunft zu integrieren, obwohl es physisch gar nicht mehr anwesend ist. „Gar nicht so einfach“, wissen Mangels und Ludwig, „hier muss auch ein gesellschaftlicher Umdenkprozess stattfinden. Klischees, wie irgendwann muss es mal gut sein mit dem Trauern, sind überholt.“ Für manche sei es nie gut, denn die Erinnerungen bleibe, ebenso wie viele Fragen.

Startseite
ANZEIGE