1. www.wn.de
  2. >
  3. Muensterland
  4. >
  5. Ascheberg
  6. >
  7. Gemeinde geht auf Partnersuche

  8. >

Abwassergesellschaft soll zum 1. Januar 2023 gegründet werden

Gemeinde geht auf Partnersuche

Ascheberg

Die Gemeinde Ascheberg sucht einen Partner für eine Abwassergesellschaft, bei der sie selbst mit 51 Prozent die Mehrheit besitzen wird. Dieses Kind gebar der Gemeinderat in nichtöffentlicher Sitzung. Die Verwaltung stellte es nun vor.

Von Theo Heitbaum

Die Regie auf den Kläranlagen für das Kanalnetz der Gemeinde soll eine Abwassergesellschaft übernehmen. Dort will die Gemeinde mit 51 Prozent der Anteile das Sagen behalten. Weil ständig geprüft wird, ist der Zustand des Netzes (siehe Beispiele) gut dokumentiert. Foto: hbm

„In Schulnoten gebe ich unserem Kanalnetz im Moment eine Zwei Minus.“ Klaus van Roje, Fachbereichsleiter Bauen und Wohnen im Ascheberger Rathaus, skizzierte dazu zwei künftige Wege. Bei einem Weitermachen wie bisher, werde man schnell in den Bereich einer Vier minus gelangen. Mit einer Abwassergesellschaft, die zum 1. Januar 2023 mit einem strategischen Partner gegründet werden soll, stellte er gestern bei einer Pressekonferenz eine Zwei Plus in Aussicht.

Bürgermeister Thomas Stohldreier, Fachbereichsleiter Helmut Sunderhaus, Tiefbau-Fachgruppenleiter Christian Scheipers und eben van Roje präsentierten das Ergebnis eines nichtöffentlichen Ratsbeschlusses vom 5. Oktober. Mehrheitlich habe die Politik sich nach langer und sachlicher Diskussion für eine Abwassergesellschaft ausgesprochen. Der Bereich werde also teilprivatisiert. In der GmbH werde die Gemeinde mit 51 Prozent der Geschäftsanteile die Mehrheit haben und damit die Entscheidungshoheit behalten. Das Altvermögen bleibe in der Gemeinde. Neues Vermögen werde in der Gesellschaft aufgebaut.

Weil Kanäle sich mit Kameras befahren lassen und 15 Prozent des Netzes jährlich zu prüfen sind, ist der Zustand des 121 Kilometer langen unterirdischen Netzes so gut bekannt, dass sich der Zustand nach gesetzlichen Vorgaben klassifizieren lässt. 4,1 Kilometer sind kurzfristig zu sanieren, 12,8 Kilometer mittelfristig und 31,9 Kilometer langfristig. Mit dem bisherigen Verfahren, jährlich 300 000 Euro in das Netz zu investieren, werde man mittelfristig die Netz-Qualität verschlechtern und laufe Gefahr, Grundwasser und Gewässer bei Lecks zu verschmutzen. Auf dem Weg würde 2032 die von van Roje genannte Vier minus erreicht.

So ein Wurzeleintrag beeinträchtigt die Kanäle Foto: Gemeinde

„Wir müssen mittelfristig etwa 800 000 Euro jährlich in die Hand nehmen, um den steigenden Sanierungsbedarf zu decken“, berichtete Scheipers. Sorge bereitet weniger das Geld als die Manpower. Mit den aktuellen Personalressourcen sei die Aufgabe nicht zu stemmen. Der Fachkräftemangel verhindere, sie weiter aufzustocken.

Abwassergesellschaft

Mit einem strategischen Partner gewinnt die Gemeinde über eine Gesellschaft Fachwissen und Spezialgeräte hinzu. Ingenieure des Partners könnten Dinge erledigen, die man jetzt vergebe. „Bei Ausschreibungen werden wir davon profitieren, dass der Partner seine Projekte bündeln kann und unser Teil für uns günstiger wird, als wenn wir es alleine machen“, nannte Bürgermeister Stohldreier ein zusätzliches Plus. In den Strom- und Gasgesellschaften habe man gute Erfahrungen gemacht, die verspreche man sich auch bei diesem Projekt. Und man bleibe beim Sanieren am Ball, so dass kein teurer werdender Stau entstehe.

Durch die neue Organisation werde die Effizienz gesteigert und der Betrieb optimiert, deswegen erhöhten sich die Gebühren nicht, verspricht die Verwaltungsspitze. Der Bürger bleibe auch von höheren Kosten durch gestreckte und dann teurere Sanierungen verschont.

Ganz wichtig war der Runde, dass die Tiefbauer Freiraum für andere Projekte gewinnen. Mit dem Gestalten des Ortskerns, dem Endausbau von Straßen, der Sportstättenentwicklung, der Rad- und Nahmobilität haben sie viele Aufgaben in den Arbeitsbüchern.

Startseite