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Blickfang in der Nacht

Herberner mit Fahrraddisco auf Tour

Herbern

Er ist nicht zu übersehen. Schrille und blinkende LED-Leuchten machen das Fahrrad von Karl Jehle mit der passenden Musik zur rollenden Disco. Ist der Herberner damit unterwegs, werden nicht nur die Handys gezückt.

Von Isabel Schütte

Karl Jehle Foto: Isabel Schütte

Bunte LED-Lampen und Bling-Bling bekämpfen chronische Erschöpfung und den Tinnitus. Mit einer rollenden Disco auf zwei Rädern therapiert Karl Jehle sich seit zwei Monaten selbst. Zudem erfreut er mit seiner Verrücktheit die Menschen in Herbern und Umgebung, die jetzt schon den taktvoll aufleuchtenden Fahrradfahrer feiern. Interessenten und weitere Mitstreiter sind willkommen.

In Corona-Zeiten hat Karl Jehle das Fahrradfahren für sich gefunden. Täglich ist er mehrere Stunden mit seinem Zweirad unterwegs. Seine chronische Erschöpfung und Tinnitus wollte er in den Griff bekommen und sich ablenken. Der Radsport tat ihm gut.

„Abends ist es allerdings fürchterlich dunkel und mit gesetzlicher Beleuchtung ist Radfahren lebensgefährlich“, hat der Herberner festgestellt. Genau dieses Thema nahm Jehle zum Anlass, sein Fahrrad auch in der Dunkelheit sichtbar zu machen. Zuerst hat er mit einer LED-Projektionsjacke, Licht am Helm und zusätzlichem Licht am Rad begonnen. Danach kamen die ersten RGB-LED-Strips, natürlich Sound gesteuert. Vor drei Monaten legte der 58-Jährige noch eine Schüppe drauf. „Da wurde eine 80 Watt Bluetooth-Box im Fahrradrahmen verbaut. Somit hatte ich auch unterwegs vernünftigen Sound.“

Fahrraddisko mit 60 Kilo und 80 Watt

Rund 60 Kilogramm wiegt sein rollendes Zweirad. Jetzt musste nur noch ein Name her. „Diskallico ist es geworden. Ein Mix zwischen Disko und meinem Spitznamen Kalli“, fügt Jehle ergänzend hinzu. Das Schild ist sichtbar mit Leuchtschrift unter dem Lenker befestigt.

Karl Jehle und seine fahrende Disco Foto: Isabel Schütte

Die ersten Fahrten zum Sonnenuntergang mit Musik und blinkendem LED-Lichtern wurde gut aufgenommen. „Es ist verrückt. Die Leute zücken ihr Handy, tanzen am Straßenrand und klatschen Beifall. Und das nicht nur einmal“, erzählt Jehle. Die selbst gestellte Frage, ob er der einzig Verrückte ist, der so ein Faible hat, wurde im Internet recherchiert.

Fündig geworden ist der Herberner zuerst in Palermo, wo Jugendliche die noch kein Auto fahren dürfen, ihr Fahrrad zur mobilen Diskothek umbauen und durch die Straßen fahren. Auch hier sind die Menschen begeistert. „In den USA, vorwiegend auf Hawaii, wird alles mit bunten LED-Lampen verschönert was irgendwie Räder hat. Hier treffen sich in den Abendstunden 300 bis 500 Gleichgesinnte an der Küste und fahren zwei bis drei Stunden ihre Venice Electric Light Parade. Über Facebook habe ich mich mit dem Gründer der gleichnamigen Gruppe in Verbindung gesetzt und wir tauschen uns täglich aus“, so der 58-Jährige.

Karl Jehle hat das bunte Geführt Diskallico genannt. Foto: Isabel Schütte

Im sozialen Netzwerk hat Jehle jetzt auch seine Gruppe „Diskalliko Light Parade“ gegründet. Einmal in der Woche, meist zum Wochenende hin und natürlich bei gutem Wetter, fährt er durchs Dorf oder in die umliegenden Dörfer und Städte. Der Herberner hofft auf Nachahmer und Mitmachende. „Mir gefällt diese Riesen Energie die dort aufkommt, die Superstimmung, die Freude steht den Fahrern ins Gesicht geschrieben, alle tanzen und haben einen Riesenspaß bei der Aktion.“

Seine chronische Erschöpfung und vor allem seinen Tinnitus hat er, seit er die rollende Disko betreibt, ganz gut im Griff. Das ist neben dem Spaß, den die Sache mit sich bringt, die schönste Nachricht. Interessenten oder Mitmachende dürfen sich gerne bei Karl Jehle über Facebook oder WhatsApp unter 01 57-74 61 07 11 melden.

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