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Zweites Schlosskonzert 2020 in der Pfarrkirche

Herbstlicher Farbwechsel fürs Ohr

Ascheberg/Herbern

Ist ein Schlosskonzert ein Schlosskonzert, wenn es gar nicht im Schloss stattfindet? Das Leipziger Querflötenensemble Quintessenz brachte einen herbstlichen „Farbwechsel“ zu Gehör und gab so eine Antwort.

Von Nicole Klein Weiland

Das Leipziger Ensemble Quintessenz illustrierte sein Programm „Farbwechsel“ in der St. Benediktkirche mit der ganzen Klangpalette der Flötenfamilie. Foto: Nicole Klein Weiland

Ist ein Schlosskonzert ein Schlosskonzert, wenn es gar nicht im Schloss stattfindet? Es ist. Denn auch wenn Covid-19 einiges im Veranstaltungskalender durcheinander wirbelt, findet die traditionelle Reihe der Musikschule Ascheberg noch ihren Platz. Auch wenn sie diesmal nicht im Barockgemäuer, sondern in Gotteshäusern erklingt. Anstelle des geplanten Junitermins in Westerwinkel lud die Musikschule coranabedingt erst am vergangenen Sonntag zum Konzert in die Herberner St. Benediktkirche ein. Das Leipziger Querflötenensemble Quintessenz hatte sich dieser Veränderung angepasst und brachte dort statt des vorgesehenen Sommerprogramms einen herbstlichen „Farbwechsel“ zu Gehör.

Nach 1997 und 2005 war es das dritte Gastspiel des Leipziger Querflötenensembles in der Gemeinde Ascheberg. Diesmal unter besonderen Hygiene-Bedingungen und in teils neuer Besetzung: Prof. Anna Garzuly-Wahlgren (Flöte), Bettine Keyßer (Altflöte), Christian Sprenger (Bassflöte), Jérémie Abergel (Flöte und Piccolo) und Manfred Ludwig (Flöte und Specials) präsentierten die Vielfalt ihrer Instrumentenfamilie.

Auch wenn das Gründungsmitglied Gudrun Hinze dabei nicht mehr persönlich in Aktion tritt, ist sie doch im Konzert mehr als präsent. Denn von ihr stammen fast alle Arrangements, die an dem Abend zu hören sind. Es sind ungewöhnliche, selten gehörte Kompositionen, die „Quintessenz“ zu Gehör bringt. So wie die Serenade von Julius Roentgen, mit der die Musiker das Schlosskonzert eröffnen. In dem ursprünglich für Bläser komponierten Stück stellen sich die Instrumente zunächst vor, bevor sie sich vereinen und ihre Farben vermischen.

Einen starken Kontrast dazu bildet das anschließende „AnEcken“ von Steffen Schleiermacher, das die fünf Flötisten wörtlich nehmen und sich an den Ecken des Gotteshauses verteilen. Hier geben sie ihren Tönen Raum, sich zu entfalten und schaffen reizvolle Hörerlebnisse. Die ungewöhnliche Komposition entfaltet sich in der Dämmerung, die in der dunklen Kirche nur von Opferkerzen erhellt wird, besonders gut und schafft eine beinah mystische Atmosphäre.

Nicht weniger attraktiv kommen auch die bekannten Klänge daher: Bei Mussorgskys „Bilder einer Ausstellung“ nimmt „Quintessenz“ das Publikum an die Hand, schreitet die Reihe der Bilder ab und erzählt davon in Tönen: eine „Promenade“ von Bild zu Bild verbindet diese und trennt sie zugleich - Genrebilder allesamt, vom grotesken „Gnomus“ über die „Tuilerien“ bis zum famosen „Ballett der Küchlein in ihren Eierschalen“.

Im zweiten Konzertteil überrascht das „Forbidden Valley“ des niederländischen Komponisten Wil Offermans. Unter anderem durch den Einsatz ineinandergreifender Rhythmen offenbart die Interpretation einen fantasievollen Klangraum, in dem originelle Verflechtungen und das Nebeneinanderbestehen von Tönen zum Ohrenspitzen zwingen.

Zum Abschluss bietet das Leipziger Querflötenensemble in der St. Benediktkirche noch eine hörenswerte Erstaufführung: Anlässlich des Beethovenjahrs hat Gudrun Hinze das „Quintett op. 29/34“ für das Ensemble arrangiert. Das Publikum in der Kirche bedankt sich bei den Musikern mit viel Applaus und erklatscht sich eine Zugabe.

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