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i-Männchen starteten bis 1966 nicht im Sommer

Nach Ostern ging es in die Schule

Ascheberg

Klassen mit mehr als 40 Kindern und der Osterhase auf den Bildern vom Einschulen: An alte Schulzeiten erinnern sich Ascheberger, die allesamt früher direkt nach dem Osterfest eingeschult worden sind.

Theo Heitbaum

Ulrike Schlottbohm mit dem Klassiker: Der Osterhase gehört aufs Bild der Einschulung. Foto: privat

Die Lehrerin wurde ohne schlechtes Gefühl „Fräulein Bollermann“ gerufen. Auf dem Klassenfoto sind 43 Mädchen und Jungen zu sehen. Es ist 1964 vor der Volksschule Herbern aufgenommen worden. Wenige Tage vor ihrem ersten Schultag haben die i-Männchen noch das Osterfest gefeiert. Ja, bis 1966 startete der Ernst des Lebens nach den Osterferien. Wenn der Osterhase nur bunte gekochte Eier gebracht hatte, gab es wenigstens in der Schultüte Süßes. Erleben durfte das nicht nur der Autor dieser Zeilen.

Monika Peschka Foto: Theo Heitbaum

i-Männchen werden heutzutage fast von der gesamten Familie zur Schule begleitet. Die Runde auf den Schulhöfen scheint von Jahr zu Jahr zu wachsen. Neben dem veränderten Termin ist das ein wesentlicher Unterschied zu früher. Maria Schulte-Loh, die in Niedersachsen aufgewachsen ist, erinnert sich: „Es gibt von meiner Einschulung zum Ostertermin weder ein Foto noch eine Erinnerung von mir. Man machte damals, zumindest in meinem norddeutschen Umfeld, kein Aufhebens von solchen Gelegenheiten wie Einschulung, Geburtstag und andere Dinge. Vielleicht, weil die Familien so kinderreich waren. Der Namenstag wurde hochgehalten und zur Erstkommunion gab es ein ordentliches Einzel- und Gruppenfoto mit der ganzen Verwandtschaft. Trotzdem hatten wir das Gefühl, dass wir fürs große Ganze wichtig waren, weil wir auf dem Hof irgendwie immer im Arbeitseinsatz waren.“

Helga Roßmöller Foto: privat

Die Klassen damals differierten. Was in Davensberg mit JÜL an den Start gebracht wurde, war in heimischen Bauerschaftsschulen, die letzten offenen Schulen waren in der Osterbauer und in Nordick, Alltag. So ist auch Musikschulleiter Christoph Hönig groß geworden: „Einschulung 1961: Volksschule in der Eifel, eine Lehrerin für die Klassen eins bis vier, in zwei Schichten nacheinander, ein Lehrer für die Klassen fünf bis acht.“ Und es ging mit großen Klassen weiter, wie Hönig berichtet: 1965 Altsprachliches Gymnasium, Sexta mit 42 Schülern in einer Klasse, in den Kurzschuljahren blieben dann so viele Schüler sitzen, dass wir ab Klasse acht dann doch geteilt wurden.“

Hans Werner Schlottbohm Foto: privat

Maria Schulte-Loh beschreibt die Schulsituation präzise: „Wir waren zu viert in einer Klasse und gemeinsam mit den anderen acht Klassen in einem großen Raum, etwas größer als die heutigen Klassenräume, untergebracht. Es gab einen kleinen Nebenraum, heute würde man ihn Differenzierungsraum nennen, in den sich der Dorfschulmeister manchmal mit ein paar schwierigeren Schülern zurückzog. Währenddessen erledigten alle anderen Schüler ganz gehorsam ihre aufgetragenen Aufgaben in vollkommener Stille. Denn, abgesehen von dem ein oder anderen Referendar, der sich in unsere Bauernschaft verirrte, gab es keinen weiteren Lehrer.“

Die aktuelle Lebenslage der i-Männchen ist ebenfalls mit dem Damals nicht vergleichbar, wie Hans-Werner und Ulrike Schlottbohm berichten. Hans-Werner wurde 1955 in Münster eingeschult. Die Theresienschule auf der Sentruper Höhe war noch im Bau, deshalb fanden Einschulung und Unterricht in der Gaststätte „Feldschlösschen“ statt. Ulrike wohnte bei ihrer Einschulung 1956 noch in Herbern. Da ihre Eltern aber nach Münster ziehen wollten, wurde sie schon dort in die Overbergschule eingeschult und musste eine kurze Zeit bei ihren Großeltern wohnen.

Einschulung 1964 an der Volksschule Herbern Foto: privat

Angesichts großer Klassen waren Disziplin und Gehorsam gefragt. Und sie wurden mit Mitteln durchgesetzt, die relativ schnell verpönt waren. Monika Peschka erinnert sich: „Für Bestrafungen mussten die Jungen die Hände flach auf den Tisch legen und der Lehrer schlug mit dem Zeigestock darauf. Die Mädchen mussten sich, mit dem Gesicht zur Wand, in die Ecke stellen.“ Maria Schulte Loh beantwortet die Frage nach fliegenden Linealen mit einem Schmunzeln: „Die gab es bei uns nicht, vielleicht weil unser Dorfschulmeister seine Zigarrenration nicht gefährden wollte, die er sich bei regelmäßigen Besuchen auf dem Hof abholte.“

Kurzschuljahre sorgten dafür, dass der Einschulungstermin von Ostern auf den Sommer verlegt wurde: 1966 wurden letztmals Kinder nach dem Weißen Sonntag eingeschult, die Zeugnisse gab es am 30. Oktober des Jahres. Wenige Tage später begann das nächste Schuljahr, das dann am 26. Juli 1967 endete.

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