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Missbrauchs-Prozess in Münster

Nachbarn gingen mit Töchtern zum Jugendamt

Ascheberg/Münster

Die Nachbarn sagten jetzt im Missbrauchsprozess vor dem Landgericht Münster aus. Sie waren mit den Töchtern eines Ehepaars zum Jugendamt gegangen.

Klaus Möllers

Der Eingang am Donnerstag am Landgericht in Münster. Foto: Friso Gentsch dpa/lnw +++(c) dpa - Bildfunk+++ Foto: Friso Gentsch

Nachdem der letzte Verhandlungstag (25. August) im Missbrauchs-Prozess am Landgericht Münster wegen Erkrankung einer Schöffin kurzfristig abgesagt worden war, hat die Strafkammer das Verfahren am Donnerstag fortgesetzt. Diesmal sagte unter anderem das Ehepaar aus, dem sich das mutmaßliche Opfer privat anvertraut hatte. Das Paar hatte die Vorwürfe mit einer gemeinsamen Vorstellung mit dem Mädchen beim Jugendamt bekannt gemacht.

Angesichts der Schilderungen des Mädchens von Missbrauch an ihr durch ihren Vater seien die damals 16-Jährige sowie ihre beiden jüngeren Geschwister aus der Familie genommen worden. Das Ehepaar schilderte, das ältere Mädchen sei „Teilzeittochter“ für sie gewesen. Das Mädchen speziell, aber auch die Geschwister, hätten viel Zeit bei ihnen in Herben verbracht.

Beide Familien hatten sich demnach in 2006 als direkte Nachbarn kennengelernt. Ein gutes Verhältnis habe zu den Eltern des mutmaßlichen Opfers aber kaum bestanden, erklärte die Zeugin. So habe die Mutter die Nachbarin gleich beim ersten Kontakt beleidigt und der Vater sei häufig durch „lautes Brüllen“ in deren Haus aufgefallen. Der Mann, wegen vielfachen sexuellen Missbrauchs seiner heute 20 Jahre alten Tochter angeklagt, kommentierte Aussagen zu seinem vermeintlich ausfallendem Verhalten mit „das ist alles gelogen“ und wurde dafür vom Vorsitzenden Richter ermahnt.

Die Zeugin indes stellte sich als sehr fürsorglich dar - sie habe immer ein offenes Ohr vor allem für das ältere Mädchen gehabt. Die Kinder hätten sich alle drei früh anvertraut, dass sie zu Hause von ihrem Vater geschlagen und durch die Mutter durch den Entzug ihrer Haustiere unter Druck gesetzt worden seien, so die Zeugin. „Blaue Flecken“ seien von dem Paar - zum Beispiel beim Spielen im Garten - aber „nie gesehen“ worden. Ihr Mann erklärte, dass man für die Älteste „Nachhilfe, Lebensberatung und gemeinsame Ausflüge“ gemacht habe.

Die Vorwürfe der Staatsanwaltschaft gegen den Vater des Mädchens erstrecken sich auf die Jahre 2007 bis 2015. Bei den ersten Übergriffen soll sie erst acht Jahre alt gewesen sein. Das mutmaßliche Opfer habe sich im Alter von 16 Jahren erstmalig der Nachbarin anvertraut und detailliert sexuelle Missbrauchssituationen geschildert, sagte die Nachbarin. „Nach und nach rückte sie damit heraus, dass ihr Vater sie anfassen würde. Wenn sie das nicht machen würde, würde sie Prügel kriegen. Ich bin auch heute noch davon überzeugt, dass sie uns nicht belogen hat“, sagte die Zeugin.

Nach dem Umzug deren Familie nach Walstedde sei der Kontakt zu den Kindern geblieben, erklärte die Frau weiter. Vor allem zu der älteren Tochter. Als diese volljährig gewesen sei, hätten sie und ihr Mann ihr eine „Erwachsenen-Adoption angeboten“, die sie abgelehnt habe. Auch habe man sie finanziell unterstützt. Mittlerweile sei der Kontakt abgebrochen.

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