1. www.wn.de
  2. >
  3. Münsterland
  4. >
  5. Ascheberg
  6. >
  7. Programm plötzlich wieder aktuell

  8. >

Auftritt von „Tönende Texte“

Programm plötzlich wieder aktuell

Ascheberg

„Mir kamen die Tränen“, gab eine Zuhörerin nach dem Auftritt des Ensembles „Tönende Texte“ unumwunden zu. Das Programm gegen die Sinnlosigkeit eines Krieges stammt von 1998 und ließ das Publikum betroffen und auch ratlos zurück.

Das Ensemble „Tönende Texte“ trat am Sonntag im Gemeindehaus der evangelischen Mirjam-Kirchengemeinde auf. Foto: Christian Pelchen

Trotz schönem Wetter und Wahlsonntag fand sich am vergangenen Sonntag ein kleiner Kreis von Interessierten im Gemeindehaus der evangelischen Mirjam-Kirchengemeinde ein, um dem Ensemble „Tönende Texte“ bei seinem Rezitations- und Musikprogramm zuzuhören.

Klaus Flaswinkel mit seiner Klarinette, Mechthild Lendermann am Klavier, die beschwörenden Stimmen von Ulrike Schlottbohm und Uwe Schürmann nahmen die Zuhörer gefangen, heißt es in einer Mitteilung. Es sei ein Anti-Kriegs-Programm gewesen. „Wir haben 1998 dieses Programm entwickelt, damals im Rückblick auf 450 Jahre Westfälischer Frieden“, erzählt Schürmann zu Beginn. „Der erste Weltkrieg war da 80 Jahre vorbei, der zweite Weltkrieg 53 Jahre. Geboren sind wir alle im Nachkriegsdeutschland.“

Ein äußerst zwiespältiges Verhältnis zum Militär, zur Bundeswehr sei typisch für diese Generation. Das Ensemble zitiert Bertha von Suttner, Friedensnobelpreisträgerin von 1905. Sie war sich sicher, dass der Krieg als legale Institution am Ende des 20. Jahrhunderts abgeschafft sein würde. Ein Irrtum. Tucholskys eindringliche Werke – sei es „Der Graben“, „Der Brief meines Vaters“, „Wofür?“ oder „Krieg dem Kriege – auch Brechts „Kinderkreuzzug“ ging dem Publikum ans Herz. „Mir kamen die Tränen“, so eine Zuhörerin.

Und heute? Wie soll mit dem Krieg und den Kriegsfolgen umgegangen werden? Kompromisslos gegen den Krieg – wie Tucholsky, Brecht, Kästner, Hesse? Uwe Schürmann zitiert Wolfgang Thierse: Das Motto: „Frieden schaffen ohne Waffen“ sei aktuell Arroganz gegenüber den Menschen in der Ukraine, so die Künstler. Beeindruckt, betroffen und etwas ratlos machte sich das Publikum nach dem gut einstündigen Programm auf den Heimweg, heißt es weiter.

Statt Eintritt hatten die Veranstalter – der Verein Kukaduh und der Förderverein der Mirjam-Kirchengemeinde – um eine Spende für Unicef gebeten: 250 Euro kamen zusammen, die Kindern Hoffnung schenken.

Startseite
ANZEIGE