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Erste Edition „1907“ ist schnell ausverkauft – Brotaufstrich ist beliebt

So wird Bier zum Genuss

Davensberg

Von wegen schneller Durstlöscher für gesellige Runden. Bier lässt sich genießen. Zwei Brüder wissen als Sommeliers, wovon sie sprechen. Bierfrüchtchen und ein neues Hausbier sind erfolgreich gestartet.

Theo Heitbaum

Auf Abstand in der verwaisten Bierlounge: Clemens August von Freeden mit den Bier-Früchtchen und Michael Stattmann mit zwei Premieren-Flaschen von 1907, dem ersten Bier unter der Marke „Crafted“. Foto: Theo Heitbaum

„Ich mag Bier aus großen Flaschen.“ Clemens August von Freeden wünscht sich, das Hopfen- und Rebensaft ähnlicher gesehen werden: eher bewusster Genuss als schneller Durstlöscher. Der Davensberger und Bruder Michael Stattmann wissen, wovon sie reden. Beide haben sich vor fast drei Jahren zum Bier-Sommelier ausbilden lassen. „Das hat meine Begeisterung fürs Bier noch einmal auf eine neue Stufe gehoben“, sagt Stattmann.

Beim Umbau des Hotels Clemens-August wurde extra eine Bier-Lounge geschaffen, um Veranstaltungen rund um den Hopfensaft anbieten zu können. Doch Umbau und Arbeit machten es schwer, das neue Wissen in den Alltag einzubringen. Als der Betrieb im Frühjahr coronabedingt still stand, hatte das Duo viel Zeit fürs Bier. Entstanden sind die unterschiedlichsten Brotaufstriche – mit Bier natürlich. Dazu hat man in Münster das erste eigene Bier brauen lassen. „1907“ steht auf den limitierten Literflaschen der ersten Edition. Geplant war, das Bier über Weihnachten für die Gäste aus Fässern zu zapfen. Doch dann kam der zweite Lockdown.

Während der ersten Stillstand-Phase des Jahres hat Clemens August von Freeden am Herd experimentiert: „Wir hatten so viel Bier im Keller, daraus musste sich doch etwas machen lassen.“ Gesagt, geprobt: Bieraufstrich fürs Frühstück sollte es werden. In Kombinationen, die von der Getränkekarten bekannt sind: Altbier und Erdbeere oder Weizen und Banane. Das Bier kam also aus dem Keller, die Früchte wurden ganz normal eingekauft. Gleich zehn Sorten verließen die Experimentierküche. Probiert werden durften die Kreationen von den zurückkehrenden Hotelgästen. „Es gab keinen Tag, wo wir nicht anschließend Bierfrüchtchen in unserem Shop verkauft haben“, erklärt Michael Stattmann. Angefangen hat von Freeden mit Zwei-Kilo-Portionen. Mittlerweile hat er die Rezepte für größere Mengen umgerechnet. „Ich komme gerade von einem 15-Liter Topf“, erklärt er beim WN-Termin.

Bekannte Kombinationen genutzt

Beim Herstellen kam von Freeden das Wissen aus dem zweiwöchigen Kursus zum Biersommelier zupass. Am Meisten hat ihn dabei überrascht, welchen „Einfluss das Wasser auf den Geschmack des Bieres hat“. Mitgebracht hat er aus der Zeit in Bamberg auch das Wissen, wie das Licht wirkt. „Das kann man schmecken“, sagt auch Bruder Michael, der seinen Kursus je eine Woche in München und Salzburg absolviert hat.

Es wird „gehandwerkt“

Auf dem Weg zum ersten Hausbier ist das Bild von Clemens August von Freeden am Kochtopf wichtig. Es geht handwerklich zu. So ist auch die Idee des Ladens in der Hotelanlage und inzwischen auch das Motto des Online-Shops. „Crafted“ übersetzt von Freeden mit „gehandwerkt“. Für das erste eigene Bier ging es also nicht darum, eine Brauerei zu suchen, die passende Etiketten auf ihr Bier klebt. „Wir haben in Münster einen Brauer gefunden, der nur für uns ein spezielles Bier braut“, berichtet Stattmann. „Es ist ein naturtrübes Helles geworden“, erklärt von Freeden. Also: nicht so bitter, aber hopfig. Ende Oktober gab es den Premieren-Probesud, dem das positive Feedback von Bekannten folgte.

Trotz Corona plante der Betrieb im Frühherbst die Weihnachtsfeiern. „Wir hätten mit den Hygiene- und Abstandsregeln natürlich keine 10 000 Leute begrüßen können. Aber nach Anmeldestand wären es sicher fast 5000 geworden“, erklärt Stattmann. Alles potenzielle Kunden für Bier und Bierfrüchtchen. Wie viele andere Dinge in Corona-Zeiten wurde nach dem Zwangsabschied vom Präsenzverkauf der digitale Weg eingeschlagen und der eigene Online-Shop ins Laufen gebracht. Das Ergebnis. „Die erste limitierte Edition unseres Bieres ist ausverkauft“, freut sich von Freeden. „1907“ steht auf den Flaschen, weil der Urgroßvater von Clemens August und Michael die Schanklizenz, vor 113 Jahren bekam und das begann, was heute an der Burgstraße zu sehen ist. Haltbar sind die 300 Flaschen bis zum 28. Februar 2021. Dann soll die zweite Ration des eigenen Bieres fertig sein. „Es wäre toll, wenn wir es für Gäste zapfen dürften“, sehnt von Freeden nicht nur die zweite Lieferung, sondern auch ein Ende des Lockdowns herbei. Wer wissen will, wie das Helle aus Davensberg schmeckt, muss bis dahin warten. Denn die begrenzte Auflage war in gerade einmal vier Tagen ausverkauft. Sehr gefragt waren Präsentkörbe für Firmen und Kegelclubs. „Sie mit etwas Besonderem zu füllen und nicht aus dem Discounter, ist wohl sehr gut angekommen“, freut sich von Freeden.

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