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100 Jahre Schützenverein Horn - die ältesten Majestäten erinnern sich

Sogar die Gräfin mischt sich ein

Herbern

Eine Königin, die keinen Schnaps im Haus hat, eine adelige Blumenbestellerin und ein König, der nur schwer aus den Federn zu bekommen ist - wo gab es das wohl?

Theo Heitbaum

1973 (vorne v.l.): Agnes und Franz Kortsteger, Gertrud Hüttermann, Günter Hohenhövel, Gisela und Franz Feldmann,Theres und Gerd Krampe, Willi Feldmann, Hildegard und Theo Wemhoff, (hinten v.l.) Bernhard Hüttermann, Irmgard Rolf, Josef Schulze Finkenbrink, Gerda und Josef Storksberger, Birgit Kleimann, Johann Rolf, Josef Kleimann. Die Bilder links zeigen Hedwig und Franz Niesmann (links) und Renate und Anton Fleige. Foto: Archiv

Eine Königin, die keinen Schnaps im Haus hat, eine adelige Blumenbestellerin und ein König, der nur schwer aus den Federn zu bekommen ist - das sind drei Geschichten aus der Historie des Schützenvereins Horn, der in einer Woche sein 100-jähriges Bestehen feiert. Erzählt haben sie die ältesten noch lebenden Majestäten des Vereins.

Nein, Schnaps hat die Familie Reckmann vom Capeller Sandweg 1956 nicht im Haus. Warum auch? Die Horner feiern bei Bockholt in der Heide zwar Schützenfest, aber damit haben die Reckmann-Töchter frühestens am Abend zu tun, wenn der Königsball startet. Denken sie. Bis Vereinskassierer Heinrich Heitbaum um die Ecke kommt: Franz Niesmann hat den Vogel abgeschossen und die Adjutanten werden Hedwig Reckmann gleich fragen, ob sie Königin von Horn werden will. „Er ist dann gleich weiter nach Schlierkamp, um Schnaps zu besorgen“, erinnert sich Hedwig Niesmann noch an diesen Morgen vor 63 Jahren. „Gesprochen haben wir vorher darüber nicht. Im Leben hätte ich nicht gedacht, dass Franz den Vogel abschießt“, sagt die 88-Jährige, die schon lange in Werne lebt. Der Schnaps war rechtzeitig da, im Hofstaat gab es gleich drei Mal die Konstellation Niesmann-Reckmann. Neben dem Königspaar heirateten später auch Hugo Niesmann und Maria Reckmann. Die älteste noch lebende Horner Königin erinnert sich auch noch daran, dass der Heimweg schnell über die Bühne ging: „Es war richtig kalt an dem Abend.“

13 Jahre später, dem Verein geht es bescheiden, die Mitgliederzahlen sind tief im Keller angelangt. Nach vierjähriger Pause entscheiden sich die Horner, ihr Jubiläum zu feiern. Ob es nach dem 50-Jährigen weitergehen kann, steht in den Sternen. „Ich habe nichts mitbekommen, weil ich zu Hause geblieben bin. Die Zwillinge waren noch zu klein“, ist Jubiläumskönigin Renate Fleige 1969 vom Königsschuss ihres Mannes Anton überrascht worden. Das war auch die Arbeitgeberin des Königs, der als Rentmeister der merveldtschen Verwaltung vor seinem zehnjährigen Dienstjubiläum stand. „Frau Gräfin hat angerufen und gesagt, dass er das bestimmt nicht vorgehabt habe. Das könne sie sich gar nicht vorstellen“, gibt die heute 88-Jährige den Anruf wieder. Sie hatte es dann eilig: Bei Stratmann wurde ein „schönes rotes Kleid gekauft“ und mit Bruder Ludwig ging es zu Schenking, um die passenden Festball-Schuhe auszuwählen. Die Blumen für Königin und Hofstaat-Damen wurden etwas überraschend gebracht - bestellt von Ida Reichsgräfin von Merveldt Freifrau zu Lembeck. Das Fest im Kaminzimmer des „Letzten Wolfs“ war nachbarschaftlich schön. Und der Juni-Samstag vor 50 Jahren war im Rückblick der Start in eine gute Zukunft.

Vier Jahre später taucht in der Königsliste des Vereins der erste noch lebende König auf: Franz Feldmann, heute 86 Jahre alt. „Alle haben mitgemacht, weil sie Spaß daran hatten“, erinnert er sich gern an die frühen 1970er Jahre und natürlich an den Königsschuss 1973. Das abendliche Abholen führte die Schützen zu Theo Storksberger, erst später wurde der weiter entfernt liegende Hof von Josef Storksberger gewählt. „Zum Königsessen ging es mit dem Hofstaat in die Wirtschaft“, erinnert sich Feldmann an eine Besonderheit. Seine Frau Gisela hat vom Volltreffer ihres Mannes durch die Königsadjutanten erfahren. Ihr Mann kam erst später nach Hause. „Er ist sofort ins Bett gekrochen. Anton Fleige hat ihn mit Mühe geweckt, damit wir pünktlich zum Antreten kommen“, schmunzelt die 79-Jährige. Es war das Jahr, in dem zum ersten Mal Farbbilder in die Vereinschronik geklebt wurden und Gerd Krampe erster kleiner König der „Neuzeit“ war. Geschossen wurde vom Nachwuchs auf eine Gipsflasche, an deren Bau wochenlang geprobt worden war.

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