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Coronaschutz

Sonderweg für mehr Sicherheit: 2G im Friseursalon

Ascheberg

Die Gesundheit seiner Mitarbeiter und Kunden liegt Stefan Borgmann am Herzen. Darum hat er statt der 3G- die strengere 2G-Regel in seinem Friseurstudio eingeführt. Eine Maßnahme, die nicht von allen begrüßt wird und sogar Einnahmeverluste mit sich bringt.

Von Beate Nießen

Mitarbeiterin Frauke Wegner (o.) und Kundin Verena Schulte unterstützen den Sonderweg im Salon Borgmann. Foto: ben

Leicht hat er sich die Entscheidung nicht gemacht. Aber am Ende waren ihm die Sicherheit seiner Mitarbeiter und auch seiner Kunden wichtiger. Stefan Borgmann, Inhaber des gleichnamigen Friseurstudios an der Steinfurter Straße, hat vor knapp drei Wochen in seinem Salon freiwillig die 2G-Regel eingeführt. Damit geht er einen Schritt weiter, als er laut der in NRW aktuell gültigen Coronaschutzordnung gehen müsste.

„Körpernahe Dienstleistung“

Diese sieht für Friseure – im Gegensatz zu anderen sogenannten „körpernahen Dienstleistungen“ – lediglich die 3G-Regel vor. Sprich neben den Geimpften und Genesenen dürften sich auch lediglich Getestete die Haare schneiden lassen. Eine Ausnahme, die weder Borgmann noch sein Team nachvollziehen kann.

Mitarbeiterin Frauke Wegener

„Wenn ich mir ein Paar Schuhe kaufen will, gilt 2G, und hier, wo wir doch viel enger am Kunden arbeiten, nicht? Was macht das denn für einen Sinn?“, fragt sich Mitarbeiterin Frauke Wegener. Sie selbst habe zwei Familienangehörige, die zur Risikogruppe gehören, erzählt sie. „Um deren Schutz geht es mir noch mehr als um meinen eigenen.“ Darum sei sie ihrem Chef sehr dankbar, dass er sich für die strengere Zugangsregelung entschieden habe.

Eine Entscheidung, mit der sich der Friseur nicht nur Freunde machen wird, wie ihm durchaus bewusst ist. „Da gibt es schon Telefonate mit ungeimpften Kunden, die davon nicht begeistert sind.“ Allerdings – und das ist Borgmann sehr wichtig – alle Kunden, die sich aus gesundheitlichen Gründen nicht impfen lassen können, dürfen nach Vorlage eines entsprechenden ärztlichen Attestes und mit einem aktuellen negativen Test auch weiter zu ihm kommen. „Diese Menschen können ja nichts dafür, die möchten wir auf gar keinen Fall ausgrenzen.“

Mulmiges Gefühl

Und seine Kundschaft selbst, wie sieht sie die strengere Zugangsregel? „Ich unterstütze das auf jeden Fall. Ich finde es gut, dass man in dieser Situation lieber auf Nummer sicher geht“, sagt Verena Schulte, der gerade unter einem Berg Alufolie die Haarpracht frisch gefärbt wird. Sie selbst arbeite im Büro eines Handwerksbetriebs. Da wisse sie, mit welch mulmigen Gefühl mancher ihrer Kollegen in die Kundschaft fahre, wo man ja auch nie wisse, wer geimpft sei und wer nicht. Und auch Uta Schulte-Kalthoff aus Werne, deren frischer Kurzhaarschnitt nebenan gerade in Form geföhnt wird, unterstützt den Sonderweg ihres Friseurs. „Obwohl ich geimpft bin, mache ich sogar zusätzlich noch freiwillig einen Test, bevor ich zur Arbeit fahre. Schließlich wollen wir alle doch gesund bleiben.“

Dass der ein oder andere ungeimpfte Kunde durch die Maßnahme womöglich künftig zur Konkurrenz geht, bedauert Borgmann als Geschäftsmann natürlich. „Aber bei unseren Überlegungen hat die Sorge um die Gesundheit die wirtschaftlichen Interessen in den Hintergrund gerückt.“

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