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Naturschutzgebiet

Tiere fördern biologische Vielfalt: Heckrinder und Konikpferde seit zehn Jahren in der Davert  

Davensberg

Für Touristen und Naturfreunde sind die Heckrinder und Konikpferde in der Davert ein ganz besonderer Blickfang. Doch die Tiere sind nicht nur schön anzuschauen. Sie sorgen in dem Naturschutzgebiet seit genau zehn Jahren auch für biologische Vielfalt.

Von Ann-Christin Frank

Heckrinder – als Nachzuchten der Auerochsen – sind als natürliche Landschaftspfleger ganzjährig in der Emmerbachaue unterwegs. Neben den Konikpferden fördert die sehr robuste Art seit zehn Jahren die Biodiversität in der Davert. Foto: Theo Heitbaum

Heckrinder und Konikpferde sind für Naturfreunde, Spaziergänger und Touristen als besondere Blickpunkte in der einzigartigen Natur der Davert fest verankert. Doch in der dortigen Weidelandschaft erfüllen sie auch eine ganz wichtige Funktion als Naturpfleger. Im Februar 2012 wurden die ersten vier Heckrinder und drei Konikpferde auf dem rund 25-Hektar großen Areal freigelassen, um dort die Landschaft durch ihr Fressverhalten zu pflegen.

Die Natur sollte ihr Übriges dazutun. Genau zehn Jahre nachdem die ersten Tiere von der NABU-Naturschutzstation Münsterland in der Davert angesiedelt wurden, blicken die Westfälischen Nachrichten mit Kristian Lilje, Ökologe und Landschaftsentwickler beim NABU, auf die bisherigen Entwicklungen und Erfolge des Projekts Emmerbachaue.

Zwei Hektar Weidefläche pro Tier

„Die Tiere, die vor zehn Jahren dort in die Weidelandschaft getrieben wurden, die sind mittlerweile nicht mehr in der Emmerbachaue“, stellt Lilje im Gespräch mit dieser Zeitung heraus. Die drei Konik-Hengste von damals stehen jetzt in der Emsaue. Derzeit befinden sich eine Konik-Stute mit ihrem Fohlen, ein Hengst und ein männliches Jungtier in der Davert. Bei den Zusammensetzungen der Herden werde auch darauf geachtet, dass keine Inzucht unter den Tieren entsteht. Daher gibt es oft auch Konstellationen in denen nur Stuten oder Hengste in der Herde zusammenstehen. „Gemeinsam mit den Heckrindern, die als Nachzuchten der Auerochsen gelten, darf es auf dem gesamten Naturschutzareal nur 0,3 bis 0,6 Großtiereinheiten pro Hektar geben, damit die Fläche nicht überweidet wird“, rechnet der Ökologe vor. Jedes Tier benötige rund zwei Hektar Weidefläche, um satt zu werden.

Konikpferde fühlen sich in der Emmerbachaue sichtlich wohl. Foto: Theo Heitbaum

Die Kunst der ganzjährigen Beweidung von Naturschutzflächen bestehe darin, dass die Tiere ihren Bedarf das ganze Jahr über aus der Weidefläche decken können, ohne zugefüttert zu werden. „Bei optimaler Bestandsdichte findet im Sommer eine deutliche Unterbeweidung statt, damit die Tiere im Winter genug Futter finden“, sagt der Ökologe und ergänzt: Im Sommer sei das bei einem Besuch in der Emmerbachaue auch gut ersichtlich, denn dann reiche der Bewuchs auf den Weiden den Tieren bis zum Kopf, sodass oft nur noch die Hörner der Heckrinder zu sehen seien. Da die Tiere nur fressen, was ihnen schmeckt, entstehe ein vielfältiges Mosaik aus Pflanzen. Genau darin liege der Prozess einer entstehenden natürlichen Artenvielfalt begründet.

Besonders großer Artenreichtum

„Darüber hinaus lässt ein jedes Tier große Mengen an ausgeschiedenem Dung auf den Flächen, so entstehe eine spezielle Dung-Fauna“, erklärt der Experte. Auf Dung spezialisierte Käfer, wie beispielsweise der Blatthornkäfer benötigten den Tierkot zur Ei-Ablage und für die Larven-Entwicklung. Landschaftsräume mit einer Kombination von Extensivwiesen und -weiden sowie Brachen weisen einen besonders hohen Artenreichtum auf. Um diese Voraussetzungen zu schaffen sei es auch notwendig, die Tiere nicht zu entwurmen.

„Dung von entwurmten Tieren bei intensiver Weidehaltung sei häufig so toxisch, dass er gar nicht zersetzt wird“, erklärt der Experte und zeigt in diesem Zusammenhang auch gleich noch ein Beispiel auf, wie sich dieser Umstand auch auf scheinbar komplett entkoppelte Ökosysteme noch negativ auswirken kann. So leidet beispielsweise der Bestand von Fledermäusen, weil diese sich von einigen Dung-Käferarten ernähren.

Besonders Falter und Schmetterlinge profitieren von der extensiven Beweidung der Fläche. Foto: Theo Heitbaum

Die geringe Bestandsdichte auf der Fläche mache es möglich, dass deutlich weniger Parasitenbefall bei den Tieren vorkomme. Zudem habe man die Herde täglich im Blick und könne so kranke oder abgemagerte Tiere schnell ausfindig machen.

Pufferzonen mit ökologischer Landwirtschaft

„Die Tiere in der Emmerbachaue sind der Schlüssel für die gesamte Flächenentwicklung. Und unser Ziel ist, dort möglichst viel Biodiversität loszutreten“, sagt Lilje. Würden die Gräser und Sträucher in der Davert mechanisch zurückgeschnitten, so würden viel mehr Strukturen zerstört als bei der Beweidung durch die Tiere. Insbesondere Schmetterlinge bräuchten die Gräser, um dort im Puppenstadium zu überwintern. Auch die Vogelart Neuntöter sei in der Emmerbauchaue wiederentdeckt worden, weil die Fläche den Anforderungen des Vogel entspreche.

„Damit die Naturschutzzonen – wie die Davert – aber nicht kleine Oasen bleiben, in denen sich gefährdete Tier- und Pflanzenarten erholen, müssten fünf Kilometer breite Pufferzonen mit ökologischer Landwirtschaft um die Gebiete geschaffen werden, um die Artenvielfalt zu erhalten“, erklärt Lilje. Landwirtschaft und Naturschutz müssten in Zukunft dafür stärker zusammenarbeiten. Er hoffe, dass sich dafür unter der neuen Bundesregierung ein noch stärkeres politisches Verständnis entwickeln werde. In der Emmerbachaue stehe in den kommenden Jahren zunächst einmal eine Erweiterung um zehn Hektar an.

„Damit die Naturschutzzonen – wie die Davert – aber nicht kleine Oasen bleiben, in denen sich gefährdete Tier- und Pflanzenarten erholen, müssten fünf Kilometer breite Pufferzonen mit ökologischer Landwirtschaft um die Gebiete geschaffen werden, um die Artenvielfalt zu erhalten“, erklärt Lilje. Landwirtschaft und Naturschutz müssten in Zukunft dafür stärker zusammenarbeiten. Er hoffe, dass sich dafür unter der neuen Bundesregierung ein noch stärkeres politisches Verständnis entwickeln werde. In der Emmerbachaue stehe in den kommenden Jahren zunächst einmal eine Erweiterung um zehn Hektar an.

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