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Steigende Flüchtlingszahlen bringen Gemeinde zunehmend in Bedrängnis

Turnhallennutzung ist „rote Linie“

Ascheberg

Durch die steigenden Zuweisungen neuer Flüchtlinge kommt die Gemeinde Ascheberg an ihre Grenzen, wenn es um die Bereitstellung des notwendigen Wohnraums geht. Gleichwohl ist die Einquartierung aus Sicht der Verwaltung keine Option. Damit wäre eine „rote Linie“ erreicht, sagt Sozialamtsleiter Basian Meyer.

Von Beate Nießen

Die Flüchtlingsunterkunft in Davensberg wird aktuell renoviert und soll Ende des Jahres wieder nutzbar sein. Dort könnten bis zu 60 Personen untergebracht werden. Foto: ben

„Wir werden auf keinen Fall in die Turnhallen gehen, damit wäre für uns definitiv die rote Linie erreicht.“ Bastian Meyer, Amtsleiter Soziales und Ordnung, setzt im Gespräch mit den Westfälischen Nachrichten zur aktuellen Situation bei der Flüchtlingsunterbringung gleich mal ein deutliches Ausrufezeichen. Der Gemeinde ergeht es zurzeit, wie fast allen deutschen Kommunen: Durch die steigenden wöchentlichen Zuweisungen neuer Flüchtlinge kommt sie an ihre Grenzen, wenn es um die Bereitstellung des notwendigen Wohnraums geht.

140 ukrainische Flüchtlinge in Ascheberg

Nach Beginn des russischen Angriffskrieg auf die Ukraine Ende Februar und der damit anlaufenden Welle von Kriegsflüchtlingen hatte die Gemeinde die Bevölkerung um Mithilfe gebeten (die WN berichteten). Privater noch freier Wohnraum sollte gemeldet werden, es wurde extra dafür eine Kontaktadresse unter ukraine@ascheberg.de und der Telefonnummer 0 25 99/6 095 55 eingerichtet. Der Aufruf zeigte Wirkung. „Wir konnten im Frühjahr durch die großartige Unterstützung der Bevölkerung relativ zügig unsere Kapazitäten ausbauen, doch jetzt laufen wir langsam voll.“ Bislang habe man die zugewiesenen Flüchtlinge angemessen unterbringen können. „Doch das Ende der Fahnenstange ist mittlerweile in Sicht“, so Meyer. Aktuelle leben rund 140 ukrainische Flüchtlinge und rund 150 aus anderen Ländern nach Deutschland geflüchtete Menschen in Ascheberg. Tendenz weiter steigend. „Wir haben seit einiger Zeit wöchentliche Zuweisungen von zehn und mehr Personen.“

Doch was tun, wenn der Platz nicht mehr ausreicht? Eine Unterbringung in Turnhallen, wie beispielsweise in Nottuln, käme für Ascheberg definitiv nicht in Frage, betont der Amtsleiter. Das sei weder für die Flüchtlinge noch für die Bevölkerung eine vertretbare Lösung. Besonders vor dem Hintergrund, dass sich in den zwei Jahren der Pandemie gerade Kinder und Jugendliche bereits stark hätten einschränken müssen. Zudem sei man für die Schulen und Sportvereine ohnehin mit Turnhallen nicht gerade überversorgt. Aber auch im Sinne einer möglichst reibungslosen Integration der neuen Bürger sei die Belegung von Turnhallen eher ein Hindernis.

Großes Lob für Ehrenamtliche

Umso unglücklicher ist da, dass die Flüchtlingsunterkunft in Davensberg nach wie vor, unter anderem wegen eines größeren Wasserschadens, nicht genutzt werden kann. Rund 60 Plätze könne man dort belegen, wenn die Arbeiten abgeschlossen seien. „Da wird gerade unter Hochdruck mit allen Gewerken gearbeitet. Wir gehen davon aus, dass die Einrichtung Ende des Jahres wieder in Betrieb genommen werden kann“, lautet Meyers Hoffnung. Bis dahin bleibe als möglicher Puffer noch das Josefshaus in Seppenrade, dort halte der Kreis eine gewisse Zahl an Plätzen für den Notfall vor. Doch auch die seien begrenzt.

Großes Lob äußert der Gemeindevertreter für die vielen ehrenamtlich in der Flüchtlingsarbeit engagierten Ascheberger, Davensberger und Herberner Bürger. „Was da geleistet wird, ist wirklich beeindruckend.“ Schließlich sei ein Dach über dem Kopf für die geflüchteten Menschen nach der Ankunft nur der erste Schritt. „Danach beginnt im Grunde ja erst die eigentliche Integrationsarbeit“, so Meyer. Wichtig dabei auch eine zügige Beschulung und Betreuung der Kinder und Jugendlichen. Aktuell handele es sich dabei um 40 Kinder im Schulalter und elf im Kindergartenalter, von denen die meisten mittlerweile einen Platz hätten.

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