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Pilotprojekt von Kreis und Gemeinde zur Pflegeberatung

Viele nehmen das Angebot an

Ascheberg

Eine sehr gute Resonanz verzeichnet das in der Gemeinde Ascheberg seit April laufende Angebot der aufsuchenden Pflegeberatung. Einige fitte Senioren wollen sich nur informieren. In einigen Fällen häuslicher Pflege besteht allerdings dringender Hilfebedarf.

Von Beate Nießen

Das komplette Team der Pflege- und Wohnberatung des Kreises Coesfeld (v.l.): Annette Manai-Joswowitz (Architektin), Ilona Halsbenning, Petra Heilers, Hannah Terhaar und Danuta Knapp. Die Hausbesuche im Rahmen des Pilotprojektes übernehmen Halsbenning in Davensberg, Knapp in Ascheberg und Heilers in Herbern. Architektin Manai-Joswowitz kommt auf Wunsch zur Beratung, wenn es um bauliche Maßnahmen für mehr Barrierefreiheit geht Foto: Kreis Coesfeld

Im April fiel der Startschuss zum Pilotprojekt der aufsuchenden Pflegeberatung in Ascheberg (die WN berichteten). Zeit, einmal nachzufragen, wie es bisher läuft. „Wir verzeichnen eine sehr gute Resonanz“, erzählt eine der drei Beraterinnen des Kreises Coesfeld, Danuta Knapp, jetzt im Gespräch mit den WN. Sie war die erste, die im Rahmen des Projektes Hausbesuche vor Ort durchgeführt hat. „Wir haben die drei Ortsteile Ascheberg, Herbern und Davensberg unter uns aufgeteilt. Und in Ascheberg wurden die Anschreiben als erstes rausgeschickt“, erklärt Knapp die zeitliche Abfolge.

Auswertung wird der Politik vorgestellt

Wie viele Besuche sie bisher durchgeführt hat, will sie noch nicht sagen – eine erste Auswertung der Ergebnisse soll im Herbst der Politik vorgestellt werden. Doch ihre Erlebnisse kann sie schildern. Ganz unterschiedlich seien die gewesen. „Vor allem abhängig davon, wie sich die individuelle Situation der Menschen vor Ort dargestellt hat.“

Da habe es Gespräche mit Senioren gegeben, die noch sehr fit sind und nur mal wissen wollten, was es mit dem neuen Angebot auf sich hat. „Die zweite Gruppe bildeten jene, die zwar bislang noch ganz gut alleine zurecht kommen, wo sich aber schon ein künftiger Hilfebedarf abzeichnet.“ Zur dritten Gruppe zählt Knapp jene Haushalte, in denen bereits ein Familienmitglied einen Pflegegrad hat. Dort sei zwar meist schon Einiges in Sachen Unterstützung in die Wege geleitet worden, häufig gebe es aber noch „Optimierungsmöglichkeiten“. Damit können neben finanziellen Dingen wie beispielsweise dem Pflegegeld auch mögliche Umbaumaßnahmen für eine bessere Barrierefreiheit im eigenen Haus ein Thema sein. Auch dafür können Zuschüsse beantragt werden. „Wenn man weiß, wie solche Anträge auszufüllen sind“, weiß Knapp um eine Hürde, an der Angehörige und Betroffene nicht selten scheitern. Sie erzählt von einem Fall, in dem über Monate das Pflegegeld nicht ausgezahlt worden sei. Bei einem Telefonat mit der Pflegekasse habe sich dann herausgestellt,, dass „nur ein Kreuzchen an der falschen Stelle gemacht worden war“.

Angehörige pflegen bis zur völligen Erschöpfung

Die vierte Gruppe umfasst jene Fälle, die auch erfahrene Pflegeberaterinnen wie Knapp nicht unberührt lassen. „Das sind die Fälle, bei denen das Kind eigentlich schon in den Brunnen gefallen ist.“ Dabei handele es sich um die Haushalte, in denen die häusliche Pflege oft schon über viele Jahre von Angehörigen ohne jede Unterstützung von außen geleistet worden ist, oft bis zur völligen Erschöpfung. „Die rutschen da meist peu à peu rein und finden nicht mehr den richtigen Zeitpunkt, um den Absprung zu schaffen beziehungsweise sich Hilfe zu organisieren.“

Das sei ein schleichender Vorgang, denn die Pflege bleibe nicht gleich. Sie ändere sich, so wie sich auch der gesundheitliche Zustand der Betroffenen ändert, und das nun mal in der Regel zum Schlechteren. „Dann wird Stück für Stück immer mehr übernommen, ohne dass es zunächst auffällt.“ In solchen Fällen müsse auch sie manchmal schlucken. Für die pflegenden Angehörigen sei es dann ein sehr schwieriger aber immens wichtiger Schritt, anzuerkennen, dass es ohne fremde Hilfe nicht mehr geht. Das könne der Einsatz eines ambulanten Pflegedienstes sein, der ins Haus kommt, oder der Besuch des Pflegebedürftigen in einer Tagespflege. „Damit bekommen die pflegenden Angehörigen ein paar Stunden zum Durchatmen und Kraft tanken.“

Allerdings, auch das gehöre zur ganzen Wahrheit: „Selbst mit der besten professionellen Unterstützung kann es einen Punkt geben, an dem es daheim nicht mehr geht.“ Dann sei die Pflege in einer stationären Einrichtung das einzig Richtige – für alle Beteiligten.

„Je früher desto besser – Länger gut leben in DAH“

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