1. www.wn.de
  2. >
  3. Münsterland
  4. >
  5. Kreis-Coesfeld
  6. >
  7. Geldautomaten-Sprengungen in Rosendahl: Täter fliehen offenbar ohne Beute

  8. >

Geldautomaten-Sprengung in Holtwick

Täter fliehen offenbar ohne Beute

Rosendahl

Erneut ist in NRW ein Geldautomat gesprengt worden: dieses Mal in Rosendahl-Holtwick. Dabei werden die Täter zunehmend brutaler. Ein zweiter Sprengsatz ging aber nicht in die Luft. 

Dem ersten Anschein nach komplett zerstört wurde die Niederlassung der VR-Bank Westmünsterland in Rosendahl-Holtwick.  Foto: Leon Seyock

Geldautomat Nummer 128 in diesem Jahr ist in der Nacht zu Dienstag in Rosendahl-Holtwick (Kreis Coesfeld) in die Luft gejagt worden. Die Zahl der Bankautomaten-Sprengungen in NRW ist auf Rekordniveau.

Nach Einschätzung des Landeskriminalamtes (LKA) gehen die Täter dabei zunehmend brutaler vor. Sie bringen Menschen in Gefahr und nehmen schwere Schäden am Gebäude in Kauf, um an das Bargeld im Bankautomaten zu gelangen, heißt es in einer Antwort der NRW-Landes­regierung auf eine Anfrage im Landtag.

Fluchtfahrzeug mit niederländischem Kennzeichen

Seit Donnerstagnacht sind in NRW insgesamt sechs Geldautomaten gesprengt worden, einer im Rekener Ortsteil Maria Veen (Kreis Borken). Der Knall war jeweils ohrenbetäubend und holte das halbe Dorf aus dem Bett. In Maria Veen und in Rosendahl-Holtwick sind nach Angaben der Polizei ganz erhebliche Schäden an den Gebäuden entstanden.

Anblick der Bank am Tag nach der Automatensprengung Foto: Leon Seyock

Zeugen haben in der Nacht zu Dienstag in Holtwick beobachtet, wie sich ein dunkles Auto mit niederländischem Kennzeichen eilig vom Tatort entfernt haben soll. Nach derzeitigem Erkenntnisstand flüchteten laut Polizei drei bis vier männliche Personen. Die Wohnungen über der zerstörten Filiale waren zuvor sicherheitshalber evakuiert worden.

Das Bild zeigt den Tatort in der Nacht. Foto: Polizei Kreis Coefeld

Die Täter flohen offenbar mit leeren Händen. Am Tag nach der Tat wurde der stark in Mitleidenschaft gezogene Innenraum der VR-Bank unter die Lupe genommen. „Die Sicherheitssysteme haben gegriffen“, berichtet Pressesprecher Thomas Borgert am Mittwochnachmittag auf Nachfrage unserer Zeitung von ersten Erkenntnissen. Somit machten sich die Täter ohne Beute aus dem Staub.

Zahl der Automatensprengungen in NRW gestiegen

Erkennbar sei bei der Untersuchung des „Trümmerhaufens“, wie Borgert es nennt, dass die Täter mit dem ersten Sprengsatz nicht erfolgreich gewesen seien. Ein zweiter Sprengsatz, der im Innenraum des Geldinstitutes platziert war, ging nicht in die Luft. Dieser wurde bereits am Dienstagvormittag von LKA-Experten kontrolliert auf einem nahegelegenen Feld gesprengt. Borgert vermutet, dass sich die Täter mit diesem Satz Zugriff zu Geldkassetten verschaffen wollten. „Der erste Knall war allerdings nicht so leise, als dass die Täter ohne weiteres ihre Tat hätten fortsetzen können“, urteilt Borgert. Ganz im Gegenteil: Laut Polizei hätten mehrere Zeugen beobachtet, wie drei bis vier Personen daraufhin mit einem dunklen Fahrzeug, an dem ein niederländisches Kennzeichen angebracht war, flohen.

„Dieses Vorgehen wäre nicht neu“, erörterte Britta Venker, Pressesprecherin der Kreispolizeibehörde Coesfeld. In regelmäßigen Abständen komme es zu Sprengungen von Geldautomaten in der Region. Der Polizei sei bekannt, dass „Tätergruppen aus den Niederlanden gezielt mit hochmotorisierten Pkw nach Deutschland kommen“, um Automaten in die Luft zu jagen. Das Bundeskriminalamt geht in einem Bericht davon aus, dass zwei Drittel der Täter aus dem Nachbarland kommen.

Die Zahl der Geldautomatensprengungen in NRW sind in diesem Jahr drastisch gestiegen. 128 Fälle sind mit   dem langen Wochenende aktenkundig, seit Donnerstagnacht sechs Fälle hinzugekommen. Im Münsterland gab es seit Jahresbeginn zwölf Fälle – von Altenberge bis Ibbenbüren, von Hörstel bis Münster. Statt Gas werden laut LKA in den meisten Fällen Explosivstoffe verwendet, die schwere Schäden an den Gebäuden anrichten und Menschen in der Nähe in Gefahr bringen.

Angesichts der steigenden Fallzahlen hat die NRW-Landesregierung seit April eine Sonderkommission BEGAS (Bekämpfung und Ermittlung von Geldautomatensprengungen) eingesetzt. Bereits in der ersten Jahreshälfte hatten Vertreter des Landesinnenministeriums, der Banken und Sparkassen mit der Polizei ein Maßnahmenpaket zur Risikobewertung der gut 11.000 Geldautomaten in NRW vorgenommen.

Startseite