Erinnerung an den Holocaust

AFG-Schüler putzen „Stolpersteine“

Havixbeck

Schüler der Anne-Frank-Gesamtschule (AFG) erinnerten an die Verbrechen des Nationalsozialismus. Sie putzten die im Ortskern verlegten „Stolpersteine“ des Künstlers Gunter Demnig.

Drei SV-Mitglieder putzten stellvertretend für die Anne-Frank-Gesamtschule „Stolpersteine“ in Havixbeck (v.l.): Tinus Lühn, Paul Hölker (beide 9. Jahrgang) und Schülersprecherin Svenja Halsband (EF). Foto: AFG

Svenja Halsband, Schülerin der Oberstufe und Schulsprecherin der Anne-Frank-Gesamtschule (AFG), putzt den kleinen „Stolperstein“ mit Wasser und Seife, bis das goldfarbene Material wieder glänzt. Tinus Lühn und Paul Höcker, beide aus dem neunten Jahrgang, begleiten Svenja schweigend. Die kleinen goldfarbenen Steine gehören in Havixbeck schon lange zum Ortsbild, und doch wissen viele nicht, dass die ungewöhnlichen Pflastersteine an die Opfer des Holocaust erinnern.

Die Schülervertretung (SV) der AFG und der Friedenskreis treffen sich daher jedes Jahr am 8. Mai zum „Tag der Befreiung“, der das Ende des Zweiten Weltenkriegs markiert, um an die Verbrechen des Nationalsozialismus zu erinnern. Verbunden damit sei „die Hoffnung, dass durch diese Erinnerungen Werte geschaffen werden, die verhindern, dass so etwas noch mal vorkommt“, erklärt SV-Lehrerin Juliane Kampmann.

Bedeutsam seien vor allem die vielen „individuellen Geschichten“, meint SV-Kollege Simon Lütkenhaus. „Dadurch, dass die Stolpersteine das Leid auch hier vor Ort, in Havixbeck und in Billerbeck, symbolisieren, wird die Geschichte für die Schülerinnen und Schüler greifbar.“

„Geschichte wird greifbar“

Zum Beispiel das Schicksal Yvonne Gersons, von dem Dr. Christa Degemann erzählt, die gemeinsam mit Robert Hülsbusch stellvertretend für den Friedenskreis an der AFG teilnahm. Mit vier Jahren wurde das Mädchen deportiert, nur zwei Jahre später starb es in Auschwitz. Seit 2000 erinnert die kleine Stele an der Havixbecker Hauptstraße an das Grauen der Judenverfolgung. Dass die Säule der Körperlänge eines vierjährigen Kindes entspricht, beeindruckt auf beklemmende Weise, berichtet die AFG in ihrer Pressemitteilung weiter.

„Die Bereitschaft der Schülerschaft, Stolpersteine zu putzen, ist groß“, sagt SV-Lehrerin Katrin Blumenthal. Lotta Nienkämper, Schülerin der Q2, spricht wohl für alle Beteiligten, wenn sie sagt, dass es ihr darum gehe, die Opfer „nicht in Vergessenheit geraten zu lassen und ihnen den nötigen Respekt zu zeigen“.

Auch die in Billerbeck neu verlegten „Stolpersteine“ des Künstlers Gunter Demnig sollen bald einbezogen werden. „Die Billerbecker Schülerinnen und Schüler haben uns eigenständig dazu aufgefordert, diese Tradition auch dort einzuführen“, so Blumenthal. Ziel sei dabei auch, als „Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage“ wiederholt Zeichen gegen Diskriminierung und Ungerechtigkeit zu setzen.

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