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Freiluftgottesdienst im Stift Tilbeck

Auf Symbole im Alltag angewiesen

Havixbeck

Unter freiem Himmel wurde der Fronleichnamsgottesdienst im Stift Tilbeck gefeiert. An der Mariensäule versammelten sich dazu rund 140 Bewohnerinnen und Bewohner des Stiftes sowie Gäste.

Von Kerstin Adass

Pastor Hermann Kappenstiel, Pastoralreferent Klaus Hammelbeck und weitere Mitglieder des Tilbecker Gemeinderates gestalteten den Fronleichnamsgottesdienst. Foto: Kerstin Adass

Trotz Unwetterwarnung konnte der geplante Fronleichnamsgottesdienst im Stift Tilbeck unter freiem Himmel stattfinden. „Ich sage es mal so: Jeder bekommt das Wetter, was er verdient“, begrüßte Pastor Hermann Kappenstiel schmunzelnd. Bei strahlendem Sonnenschein hatten sich rund 140 Bewohnerinnen, Bewohner, Besucherinnen und Besucher an der Mariensäule versammelt. Statt einer großen Fronleichnamsprozession beschränkte man sich in diesem Jahr auf die Messe, damit die Abstandsregeln eingehalten werden konnten.

Musikalische Begleitung

„Es ist immer schön, wenn man nicht genug Stühle hat“, meinte Hermann Kappenstiel mit Blick auf die gut besuchte Rasenfläche, „denn dann weiß man, dass man nicht zuversichtlich genug war.“ Über eine Lautsprecheranlage drangen die Stimme des Pastors und Keyboardklänge des Organisten bis in die hintersten Reihen. Das Blechbläserensemble aus Havixbeck, das den Gottesdienst musikalisch begleitete, benötigte keine Verstärker. Einige Anwesende waren von der Musik so begeistert, dass sie im Takt klatschten oder sogar mitdirigierten.

An der Mariensäule versammelten sich rund 140 Menschen zum Fronleichnamsgottesdienst. Foto: Kerstin Adass

Während der Messe plädierte Kappenstiel dafür, die Bedeutung von Fronleichnam neu zu entdecken. „Dieses Fest hat sich in den letzten Jahren sehr verändert“, meinte der Seelsorger. Er erinnerte sich an eine seiner ersten Fronleichnamsprozession in seiner Heimatstadt Ahaus. Dort, so Kappenstiel, seien Hunderte von Menschen durch die mit bunten Bändern und Blumen festlich geschmückten Straßen gezogen. Doch seit er solche Prozessionen selbst leite, falle ihm das mangelnde Interesse vieler Menschen auf.

Für Kappenstiel ist Fronleichnam ein Fest des Glaubens an die Anwesenheit Jesu Christi inmitten der Menschen. „Wir haben es mit einem Gott zu tun, der immer und überall bei uns ist. Das feiern wir heute“, erklärte er.

Ursprünge im 13. Jahrhundert

Die Ursprünge dieses Feiertages liegen im 13. Jahrhundert. Die Nonne Juliana von Lüttich soll nach einer Vision das Fest der Eucharistie geschaffen haben. Die typischen Prozessionen kamen jedoch erst während der Reformation auf und waren zunächst ein Bekenntnis der Katholiken gegen die Protestanten. Heute besinnt man sich an Fronleichnam vor allem auf das Sakrament der Eucharistie als Quelle und Gipfel des Glaubens.

Die Symbolkraft von Brot und Wein für das Christentum tritt jedes Jahr an Fronleichnam deutlich hervor. „Etwas Alltäglicheres als Brot und Wein gibt es eigentlich nicht“, meinte Pastor Kappenstiel, „aber wenn solche Zeichen mit Erfahrungen in Verbindung stehen, werden sie zu etwas Besonderem.“ Auch während der Pandemie ist man oft auf Symbole und Zeichen angewiesen, wenn Kontakt und Nähe eingeschränkt sind. Doch positive Botschaften, so Kappenstiel, könne man auch anders vermitteln: „Ein warmer Blick kann schon ein Zeichen des Friedens sein.“

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